Vor einiger Zeit stieß ich durch Zufall auf ein komisches, dreizeiliges Gedicht, das sich nicht einmal reimte. Obwohl ich für Poesie im Allgemeinen nicht leicht zugänglich bin, vermittelte dieses Gedicht ein Bild auf sehr interessante Weise. Durch die Kürze der Beschreibung, die Wortwahl und den Aufbau versuchte mein Verstand, Andeutungen zu konkretisieren und Lücken zu füllen, und produzierte so eine sehr persönliche, gefühlsmäßige Deutung der Zeilen. Ich fand heraus, daß sich diese Form des Schreibens
Haiku
nennt, und ursprünglich wohl aus Japan stammt. Obwohl es angeblich die kürzeste Literaturform darstellt, hat sich eine Unmenge von Regeln darum gebildet, die teilweise so widersprüchlich sind, daß es im Grunde nicht möglich ist, alle einzuhalten. Hier sind einige wenige dieser Regeln:
- Das Haiku soll aus 17 Silben aufgebaut sein, die in 3 Zeilen zu 5-7-5 Silben gegliedert werden.
- Hat es weniger als 17 Silben, so soll der Aufbau kurz-lang-kurz sein.
- Das Haiku sollte nie aus einem einzigen fortlaufenden Satz bestehen, sondern eher zwei Teile aufweisen.
- Klassische Haikus enthalten einen Bezug auf eine Jahreszeit.
- Man schreibt vorzugsweise in der Gegenwart oder zeitneutral.
- Durch das Weglassen von Satzzeichen kann ggf. der Anspruch an den Leser erhöht werden (Doppeldeutigkeit).
Diese Form der Beschreibung gefällt mir deswegen, weil sich, wenn man's kann, erstaunlich klare Situationen komplett mit Emotionen festhalten lassen. Und ganz im Geiste meiner Illustrationsinteressen habe ich in meiner sehr, sehr freien Interpretation versucht, mittels einfacher "Test-Haikus" Bilder aus meiner direkten Umgebung bzw. aus meinem Alltag einzufangen. Die Haikus sind nicht zusammenhängend.
Hier nun also ein bißchen
Ingenieurs-Haiku!
(Bitte nicht zu ernst nehmen, lieber im Netz nach anständigen Haiku-Seiten suchen... =)
Linien flimmern
Durchs Fenster grauer Regen
Abendessen lockt
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Neun Zehntel zuviel
Montage ruht geräuschvoll
Schöner Traum Urlaub
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Mein Bauteil zu seh'n
Im neuen Werbeprospekt
Ein stilles Schmunzeln