Planung


Zielsetzung

Ziel des Projektes "Polomobil" ist es, einen gewöhnlichen VW Polo N9 in einen (für zwei Personen, in trockeneren und wärmeren Regionen) bewohnbaren Camper umzubauen. Da es sich beim Polo bekanntermaßen um einen viertürigen Kleinwagen handelt, sind natürlich einige Kompromisse nötig. Dennoch waren uns folgende Punkte wichtig:

Erstens - am Auto selbst soll nichts verändert (beschädigt) werden, was nicht mit einfachen Mitteln wieder rückgängig gemacht werden kann.

Zweitens - Für den Betrieb als Camper soll weder etwas Äußerliches angebaut oder aufgestellt werden müssen (Dachzelt, ...), noch sollen zusätzliche Transportmittel wie z.B. eine Dachbox notwendig sein. D.h., alles wird direkt im Auto verstaut, mit dem sehr angenehmen Nebeneffekt, dass man ihm unterwegs sowie am Standplatz sein Camperdasein nicht direkt ansieht.

Drittens - der Ein- und Ausbau des Campinggerüsts sowie die unmittelbare "Campingbereitschaft" am Zielort soll mit geringstmöglichem Aufwand erreicht werden. Vor allem soll damit die Mobilität am Urlaubsort gewährleistet sein, damit nicht erst stundenlang zB ein Zelt aufgestellt werden muss.

Gleichzeitig wollten wir auf nichts verzichten, was einen tagelangen Aufenthalt in der Abgeschiedenheit ermöglicht, Kochgelegenheit und Wasserkanister sind daher unverzichtbar.




Erste Planungsschritte

Beim viertürigen Modell lassen sich die Vordersitze leider nicht weit genug nach vorne schieben, um hinter den vorgekurbelten Rückenlehnen eine ausreichend lange Liegefläche (2m) unterzubringen.
Dafür lässt sich die Rückbank ohne großen Aufwand komplett ausbauen. Die Lösung des Problems liegt im Zurückkurbeln der Vordersitzlehnen, bis sie beinahe auf dem Tank aufliegen. Dadurch ergibt sich ein freier Innenraum von bis zu 230 x 130 cm.
Die Idee ist nun, eine Liegefläche ungefähr auf Höhe der Ladekante der Heckklappe einzubauen. Dadurch sollte unterhalb noch genügend Raum für Gepäck bleiben und gleichzeitig noch eine ausreichende Kopffreiheit gewährleistet sein.
Der hintere Teil der Liegeflächenkonstruktion - das Grundgerüst unseres Campers - kann fix im Auto bleiben, wärend der Teil über den zurückgeklappten Vordersitzen möglichst leicht demontierbar sein sollte.
Als Materialien für das Tragegestell kamen Holz, Stahl sowie Aluminium in Frage. Holz wäre am leichtesten zu verarbeiten, verschwendet aber zu viel von dem dringend benötigten Stauraum. Aluminium hat Gewichtsvorteile, ist aber ziemlich teuer und nur mit Schutzgas schweißbar. Ein solches Gerät stand uns nicht zur Verfügung und eine Nietkonstruktion hätte den Gewichtsvorteil zunichte gemacht, vom höheren Konstruktionsaufwand ganz zu schweigen. Eine geschweißte Stahlkonstruktion erscheint daher am Sinnvollsten.




Praxistest

Bevor wir mit der aufwändigen Fertigung beginnen konnten, wollten wir erstmal testen, ob ein erholsamer Schlaf in einem VW Polo überhaupt möglich ist.
Dazu wurden jegliche Freiräume mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ausgestopft, um erstmal eine ebene Liegefläche zu erhalten. Darauf kamen Bretter und eine provisorische, von den Abmessungen her nicht ganz optimale Schaumgummimatratze. So ausgerüstet gings auf den Ritten (Südtirol) zum Praxistest.
Es zeigte sich, dass der Platz für zwei Personen mehr als ausreicht. Wir haben gut geschlafen und festgestellt, dass man sogar im Kofferraum zusätzlich ca. 15 cm in der Länge für Stauraum bzw. Wasserkanister abzwacken kann. Außerdem ist eine 15 cm dicke Matratze für erholsamen Schlaf gar nicht notwendig, 6-7 cm dürften reichen.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Testlauf ein voller Erfolg war. Die Entscheidung, das Polomobil fertig auszubauen, war somit getroffen. Für die teils kühlen Temperaturen auf dem Hochplateau entschädigte uns dann die atemberaubende Aussicht.




Probegestell

Da man den Innenraum durch seine ganzen abgerundeten Verkleidungen nur schwer genau abmessen kann, haben wir als erstes ein Holzgestell zur Probe eingepasst.
Aufgrund der heruntergekurbelten Vorderlehnen und den zu instabilen Plastikabdeckungen auf den Türschwellern und der Mittelkonsole lässt sich das Gerüst nicht im hinteren Fußraum abstützen. Als einzig sinnvolle Möglichkeit blieb uns der Teil des Tanks, der normalerweise als Auflage der hinteren Sitzflächen dient. Leider ist diese Auflage abgerundet und nach hinten geneigt, sodass eine aufwändigere Stütze notwendig ist. Im Kofferraum kann das Gestell einfach aufgestellt und an den vorhandenen Befestigungsösen fixiert werden. In der Länge wird es von den zurückgekurbelten Vordersitzlehnen begrenzt, was eine Länge von genau einem Meter ergibt.
Der vordere Teil der Liegefläche, immerhin 120 cm lang, muss auf leicht entfernbaren Stützen ruhen. Diese Stützen sollten ursprünglich drehbar mit dem fixen Gestell verbunden sein, damit sie über die liegenden Vordersitze geschwenkt und im vorderen Fußraum abgestützt werden können.
Beim Ausbau des im Auto zusammengefügten Gestells erkannten wir aber, dass dieses eine maximale Breite von 96cm haben darf, damit es in einem Stück durch die Heckklappe passt. Aus diesem Grund mussten wir die Idee mit den drehbaren Stützen aufgeben, da die Gesamtkonstruktion in diesem Fall eine Breite von ca. 125 cm erfordert hätte.
Ein zerlegbares Gestell, das im Auto erst zusammengeschraubt wird, war uns jedoch zu aufwändig und ggf. instabil. Daher entschieden wir uns für separate, einsteckbare Stützen.
Nachdem das Konstruktionsprinzip feststand, wurde das Holzgestell mit einer Wasserwaage genau ausgerichtet und die genauen Abmessungen für die endgültige Schweißkonstruktion genommen. Der weitere Verlauf sowie genauere Detaillösungen sind unter Realisierung beschrieben.