Vorwort:
Nun, gewiß dürfte sein, daß sich die Zahl der Leser meiner philosophischen Anmerkungen gering ausnimmt. Aber wenn Sie mal auf meinen Counter schauen,
kommt es darauf ohnehin nicht an. Was mich motiviert, ist der eine Leser, der den Weg zur Erkenntnis findet und nicht die statistisch große Zahl
als Denkfigur geschäftsmäßigen Bilanzierens. Um was geht es?
Die europäisch zentrierte Geistesgeschichte hat im 20. Jahrhundert mit der Globalisierung der Welt durch die neuen Informationstechnologien
ihr Ende gefunden. Und insoweit ist die Moderne als letzte große europäische Stilepoche abgeschlossen, wie insgesamt die Perspektive europäischer Kulturtraditionen
in eine Postmoderne mündet, die nicht mehr in den alten Kategorien zu messen ist.
Ursprünglich hatten die Aufzeichnungen einen Umfang von 87 Seiten, die in zwei Teile aufgegliedert waren. Die ärgsten Kompliziertheiten sind von mir herausgekürzt
worden, die bösesten Provokationen sind erhalten geblieben.
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Ohne Illusion und einig mit der Welt könnte der Mensch keine Aktivitäten
entwickeln, er fiele in die Gleichgültigkeit eines Weltganzen.
Es sind also merkwürdige Einbildungen, die seine Sinnlichkeit begleiten und so
sein Weltbild konstituieren.
Das Weltbild ist im Grunde eine Mangelreaktion, die die Unvollständigkeit der
Welterfassung nur mit Wahnsinn kompensieren kann, und dieser Wahnsinn ist ein Mangel, an dem Vernunft hinzugesetzt
wird.
Der Wahnsinn der Handlungsunfähigen aber ist die Poesie.
Blindheit ist Feigheit.
Zu allen komplexen Theoriebildungen kann man sagen, sie sind der große Quatsch,
voran die Wissenschaftstheorien. Ihr Problem ist, daß die logische Steuerung
den Sinnzusammenhang begründen soll.
Im Dienste der Logik hätten sie ihren
Wert in der Systematik des Denkens. Sich durch etwas durch denken, heißt einen
Zirkel beschreiben. Das Letzte ist der Anfang.
Ideologien sind fixe Ideen. D.h. der Systemcharakter aller Ideologie ist das
Absurde schlechthin. Das Ganze der Theorie ist das Absurde.
In der Regel zeigen Ideologien aber sehr gut die Generallinie, auf die die
Menschen sich einschwören.
Die Menschen haben den Hang, in irgendeiner Form „religiös“ zu sein. Sie wollen
unter irgendeinem Glaubensvorzeichen Partei werden.
Gerade der Glaube bietet eine Sicherheit, die ein begrenztes, an der Situation
oder Sache orientiertes Wissen nicht bieten kann; er kann sich an Autoritäten
hängen. Glauben ist Nichtwissen und die Freiheit des Glaubens schließlich
Narrenfreiheit. Der bequemste Glaube ist am weitesten verbreitet, er heißt populär.
Die älteren Universaltheorien, Spekulationen um Gott, sich Gott „gefällig“ zu interpretieren, finden als
säkularisierte Fassungen im Glauben ans Allgemeine ihre widersinnige Fortsetzung.
Aus einer Unverschämtheit gegen Gott wird eine Unverschämtheit gegen die Menschen.
Natürlich kann eine Gesellschaft von Menschen, die darauf
abgerichtet sind, blind auf alles zu gehen und die gewohnheitsgemäß Dinge
produzieren, die ihnen gleichgültig sind, bis sie letztlich sogar sich
gegenseitig, ja sich selbst gleichgültig sind (Verachtungslogiker), nichts
hervorbringen, das nicht mit entsprechenden Mängeln und Defiziten behaftet ist,
und so mancher Erfinder von der Naivität und Genialität eines Steinzeitmenschen
wird sich darüber entsetzen müssen, auf welche Art und Weise seine originellen
Erfindungen umgesetzt werden.
Der technisch zivilisierte Mensch erbringt den Beweis der Machbarkeit des in
allem sich gleich Unsinnigen und einen satten Realitätsverlust, allen Dingen
die Blödheit zu geben, die er sich selbst zuerkennt.
Insoweit die Gattung Mensch noch eine Zukunft hat, wird die Gegenwart in die
Geschichte der Menschheit als das gräßliche Zeitalter eingehen; vielleicht wird
es das einzige Zeitalter sein, dem gegenüber man sich nicht nachsichtig zeigen
wird und den Gegenwartsmenschen als den
häßlichen Mensch bezeichnen, der er ist. Vielleicht wird er das Schimpfwort überhaupt
werden.
In dieses Zeitalter hineingeboren zu werden, ist die ärgste Beleidigung, die
einem widerfahren kann. Man wird faktisch in allem und jedem ausnahmslos
beleidigt (Totalität der Unkultur).
Verrückt ist jemand, der behauptet, am Unglück der Deutschen
seien die Ratten schuld. Normal ist der, der behauptet, die Juden seien Ratten,
die an dem Unglück der Deutschen schuld seien. Der erste kommt in die
Irrenanstalt, der zweite wird als funktionierendes Mitglied der Gesellschaft
Sturmbannführer. Unter Umständen vergast er die Juden wie den Verrückten, der
die Ratten für schuldig hält.
Wer an die bequeme Lüge glaubt, gilt seit jeher als besonders nützlich;
schuldig sind nie die Autoritäten, sondern meist diejenigen, die besonders
wenig zu sagen haben und abgrenzbar sind von dem, was man selbst repräsentiert.
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Die wissenschaftliche Auffassung von der Welt wird zur Pest,
wenn sie das gesamte gesellschaftliche Leben durchwirkt und zersetzt. Der
Hebel zu seiner Zersetzung ist ein Prinzip zur Leitung: Ökonomie.
Wo das Falsche nur noch die Realität des Falschen hervorbringt, realisiertes
Falsches und - da es die Eigenart des Schlechten ist, immer nur Schlechtes
hervorzubringen - Umweltverpestung - wird das Falsche, positivistisch
interpretiert, zum unumstößlich irreversiblen Faktischen, oder das Vorzeichen
wird gewechselt: in böse-deutsch
etwas realistisch verfremdet: Umwertung.
Zur Wissenschaft gehört notwendig eine hierarchisch
organisierte Nichtwissenschaft wie zum Gesetz die Reduktion der Dinge auf
Momente des fraglos quantifizierbaren Immergleichen, nämlich die
technologische Umsetzbarkeit von Wissen in deren vervielfältigende Funktion,
fraglos ohne Ansehung des Gegenstands sich entsubjektiviert auszurechnen. Wer vom Gegenstand abstrahiert,
abstrahiert vom tätigen Subjekt am
Gegenstand.
Die Wissenschaft erzählt in ihren Gesetzen überhaupt nur ein Gleichnis vom
Umgang mit den Dingen.
Wie zum Unternehmer der fraglos produzierende Abhängige und Konsumidiot, gehört
zum freien Wissenschaftler die organisierte Nichtwissenschaft, die blind
handelt.
Die Herren Kulturfunktionäre der Aufklärung sind religiös geworden: sie machen
Vorschriften und haben sogar eine Ethik, die ihnen Wahrhaftigkeit garantieren
soll, sie bestehen auf die reduzierte Fragestellung und auf ihre Unverantwortlichkeit:
sie bestehen auf ihre Irrtümer, sie bestehen auf ihre Verantwortungslosigkeit.
Sie bestehen auf ihren Schwachsinn.
Wer zur wissenschaftlichen Erfindung im Labor ja sagt, sagt zur technischen
Umsetzbarkeit ja, die in der gesellschaftlichen Lebensphäre stattfindet, es sei
denn, er behauptet sein Labor außerhalb der Welt, obwohl es doch deren
Hervorbringung.
Die Pächter der Vernunft können ohne die Erfindung des Schwachsinnigen ihren
eigenen nicht als höherwertig geltend machen, so wie der Herrscher ohne den
Abhängigen seinen Status verlieren muß.
Man tritt in eine Fachwissenschaft wie in einen Orden, Aufnahmeritual
inklusive. Sogar anrüchige Bruderschaften gibt es: Psychologen, Soziologen.
Nicht fehlen darf auch eine Supersekte: Marxismus. Die Wahrheit des Marxismus?
der wissenschaftliche Sozialismus. Alle Widerwärtigkeit will wissenschaftlich
werden.
In drei Punkten klassisch religiös will jeder Wisser sein:
1. der verengte Blick mit
zugehöriger Rechthaberei:
die reine Lehre, die saubere
Leere,
2. die kategorische Devise sich in
alles einzumischen und zu allem die
wissenschaftliche
Stellungnahme abzugeben, mit dem Schmutz der Welt
selbst aber nichts zu tun zu
haben:
„Ich sage wahr, ihr tut es schlecht“,
3. das Heilsversprechen, der
Kaninchenzauber aus dem Hut:
Fortschritt.
Der von seiner Gleichgültigkeit Genesende ist bekanntlich zu
allererst selbstmordgefährdet - Psychologenweisheit. Wer ein Tabu durchbricht,
kann durchaus an der Überlieferung zerbrechen. Unlösbare Konflikte sind
klassische Selbstmordsituationen.
Wie stark muß man sein, mit dem ganz Falschen abzurechnen?
All unsere Verdrängungen sind kleine Selbstmorde an uns, an denen wir uns
halbherzig massakrieren. Sagen sie uns nicht, daß wir mit den großen Tabus
nicht brechen können?
Die großen Tabus bringen die großen Selbstmorde.
Nichts hasse ich so sehr, wie die kleinen
selbstvernichterischen Tätigkeiten, die zu nichts führen.
Nichts hasse ich so sehr wie eine Selbstenteignungsmoral, die unschöpferisch im
Nichts endet.
Nichts hasse ich so sehr wie Unverantwortlichkeit.
Das Unterwerfungsverhalten am Sachzwang: Maschine, Parade -
hier beginnt der Nihilismus.
Die Dreiarmseligkeiten des modernen Menschen: nicht abweichen wollen, nicht
wissen wollen, nicht realisieren können.
Unter dem generalisierenden Nenner des Allgemeinen, der Gewohnheit, des Unüberprüfbaren,
des Allgemeinwohls, blind folgen - hier ist Ekel mehr als eine Geschmacksfrage.
Realität ist lokalisierbar nur am konkreten individuellen Subjekt, das
selbstbestimmt tätig ist. Der sich Selbst-Enteignende
verfällt der Nichtigkeit.
Über die Köpfe anderer kann der Befehler nur entscheiden vermöge seines
Zynismus’ der Macht, und dieser Zynismus heißt: das Allgemeine.
Das Allgemeine ist der Mangel, mit dem die Wenigen alles belegen, und die Aussage
der Wenigen über alles ist der Schmutz ihrer Anmaßung.
Es ist aber die Eigenart des Kopfes, dumm zu sein, d.h. er denkt im
Wesentlichen für das, worauf er gewachsen ist und nicht für andere. Um für
einen zweiten zu denken, müßte ein Mensch schon zwei Köpfe haben, und der
andere dürfte seinen nicht vermissen. Ein Kopf, der ein für allemal
entscheidet, bringt die Welt auf eine kurze Einfalt, die nur denen gefallen
kann, die ihren eigenen Kopf gern um ihr Leben gekürzt haben wollen.
Aber weil die Menschen feige sind, müssen sie blind sein, weil sie blind sind,
müssen sie glauben... dies diene dem Allgemeinwohl.
Das Abhacken von Händen und Köpfen pflegen die Befehler ihren Untertanen als
nützliche, sich ergänzende Behinderung, als Spezialisierungsmaßnahme zu
verkaufen, wie zufällig ergebe sich eine
„natürlich“ hierarchisierte
Gesellschaft.
Daß eine sich gegenseitig angetane Behinderung, wie sie in der arbeitsteilig
operierenden, modernen Gesellschaft üblich ist, die Welt chaotisieren muß,
leuchtet mir mehr ein, als daß sie einen Weg gegenseitiger Beglückung auftut.
Die Mehrleistung sich spezialisiert ergänzender Behinderungen ist ein Mehr an
Nichts. Was da als Mehrleistung daherkommt, ist sozusagen als ein Ungewolltes
die Abstraktion vom lebendigen Dasein der Menschen, die falsche Formel, das
Gleichnis von der Gleichheit der Nichtigen.
(Die bedeutendste Hervorbringung einer arbeitsteiligen Gesellschaft ist
Bürokratie. Bürokratie ist eine Instanz zwischen Nichtproduktivität und
Vernichtungsproduktivität. Man denke nur an den Kampfbegriff des „Dienstes nach
Vorschrift“ als Synonym für Streik. Im Grunde ist Bürokratie der Inbegriff des
Dienstes nach Vorschrift.
Die Produktivität der Bürokratie ist Sabotage und hierin ist sie der Preis der
Herrschaft der Minderheit der Menschen über die Mehrheit und ihre Vernutzung.
Scheinbar dreht sich Bürokratie nur um sich selber, in Wirklichkeit reißt sie
alles an sich, und in ihrem Zentrum finden wir das Nichts. Eben dahin wird
alles überführt.
Korruption ist nur der Aberwitz des Funktionärs, das (von ihm erkannte)
Unsinnige in Eigennutz zu verwandeln.
Überall wo Bürokratie herrscht, drückt sie den Mangel aus. Der Mangel ist die
konkretisierte Unfreiheit.
Die Hervorbringung von Bürokratie ist nur ein Ausdruck der Absurdität einer
arbeitsteiligen Gesellschaft, in der die Freiheit des einen die Unfreiheit des
anderen bedeutet.
Die wesentliche Leistung der Bürokratie ist demnach die institutionalisierte
Unfreiheit, die Liquidierung der Verantwortung als solche, also der universale
Mangel par excellence.)
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Wir dürfen uns Zukunft als bedauerliches Mißgeschick
vorstellen und nichts weiter oder folgendermaßen vielleicht:
Der Mensch wird zum Funktionär, zum Mechaniker, zum Techniker, zum
Verwaltungsbeamten oder zum Nichtwisser und stellt seine Identität wieder her
durch den Kauf undurchschaut hergestellter Produkte.
Er wird so sehr Persönlichkeit am Fernsehapparat, wie er ihn und was an ihm
hängt - z.B. als Programm - durchschaut; er hat ihn, und er richtet sich
danach.
Gehängt an einen Apparat, an ein Kommunikationsnetz, wird er frei sein, dieses
zu durchdringen, doch seine Freiheit wird beschneidbar sein; reagiert er
ungefällig, wird man ihm die Berechtigung auch wieder nehmen können.
Die Macht der Herrschenden wird sein, Geheimnisse zu haben, mehr zu wissen,
über ihn Bescheid zu wissen wie über alle anderen; sie selber werden
unzugänglich bleiben, gleichzeitig werden sie die großen Informierer sein,
Formalisierer und Befehler.
Wie immer wird es Berechtigte und Nichtberechtigte geben, die Berechtigten
werden wie immer die Allgemeinheit vor den Nichtberechtigten schützen. Die
Nichtberechtigten werden versuchen, das, was ihnen vorenthalten wird, zu
erlangen, dies wird legal oder illegal werden, die Gesetze werden gemacht
werden.
Die einen werden nicht wissen, was sie tun, die anderen werden wissen, was sie
lassen.
Die, die wissen, die Wisser, werden behaupten, einen größeren Kopf zu haben,
die anderen werden einen unmündigen Kopf haben, einen Mund, der weniger sagen
kann. Die Mehrheit wird schweigen, die Mündigen werden wenige sein.
Die Mündigen werden sagen, was die Schweigenden nicht sagen, sie werden es im
Namen der Schweigenden sagen, daß es wahr werde. Sie können sich auf jene
berufen, denn jene Schweigenden widersprechen nicht.
Der Schwachsinn der Wenigen ist bekanntlich das Allgemeine; so werden die
Wenigen das Allgemeine sagen, das Allgemeine, werden sie sagen, sei wahr, und
es diene jedem, gerade auch in dem Maße, in dem es im Konkreten Herrn und Frau
Jedermann nicht berücksichtige (Herr und Frau Jedermann werden sich daran zu
halten haben).
Die Mächtigen behaupten Moral und Gerechtigkeit, wo nur Verteilungskampf
herrscht - und der Ohnmächtige verliert den Kampf und ist dann schuld daran.
Für die Allgemeinheit Opfer zu bringen, heißt: der Mächtige bleibt im Besitz
des Landes, der Arme wird ärmer, wer seine Würde gerade noch behaupten konnte,
verliert sie, und der, welcher vorher am Existenzminimum lebte, muß nun
krepieren.
Der Mathematiker beginnt mit der 1, er löst seine Probleme
schrittweise von unten nach oben.
Der Befehler rechnet von oben nach unten. Sein Schmutzbefehl mag auf alles
gehen, im Konkreten bringt er es auf das Nichtige, das bedeutet es ihm dann
auch.
Das Allgemeine ist im Grunde die Lüge über die große Zahl, der Befehler hat das
Konkrete nämlich, insoweit es das Ganze ausmacht, abgezogen, es ist im
Allgemeinen gar nicht mehr vorhanden, sondern nur als Moment seiner Quantität.
Der Allgemeinaussager kennt nur das Gleiche, er nimmt bloß immer eins vom anderen, und das andere ist
seine Fiktion vom Sein.
Der Brüllaffe vom Allgemeinen abstrahiert immer von...
Der Mathematiker hingegen beschäftigt sich mit der Abstraktion.
Die Mathematiker kann man durchaus verehren, die Statistenstatistiker
allenfalls verachten.
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Opportunismus ist Leistungsvermeidung. Er ist die ewige
Unschuld an der Verkommenheit von Welt, aus der man das beste für sich gemacht
hat, indem man ihre Verkommenheit ignorierte.
Einer der nicht weiß, was er tut, der zwanghaft handelt,
gilt in der Regel als verrückt.
Was ist aber einer, der etwas für Geld tut?
Ist er ein Mörder, ein Verbrecher, ist er ein Allestuer nach Heuschreckenart,
nur methodischer vorgehend?
Wir können ihn nicht fragen, denn er weiß nicht, was er tut, es interessiert
ihn auch nicht, es ist ihm gleichgültig, es geht ihn nichts an, er tut es mit
anderen und arbeitsteilig, er fragt sich nicht und er durchschaut es nicht, er
tut seine Pflicht.
Ja was will so einer eigentlich sein?
Ein Ignorant, der besser sein will als er ist, einer der keine Verantwortung
hat und keine Selbstverantwortung, ein neurotisierter Unschuldiger, einer der
stringente Zusammenhänge als ein Kollektivwesen mit anderen wie irrsinnig
produziert, um ein lebendiges Wissen - wie ein Gewissen - zu vermeiden, jeden
Bezug zur eigenen Tat, jegliche mündige Tat.
Das Resultat seines Handelns wird von ihm nicht vorbestimmt, nicht
nachvollzogen sein werden. Es kommt ihm als ein äußeres daher. Denn für Geld
produziert er, um Leistungen, die ihn angehen und jegliches Interesse daran,
daß die Dinge, die ihm wichtig sind, gut werden, zu vermeiden.
Oder wird er gezwungen?
Dann ist er scheinbar nicht verrückt, sondern flexibel.
Naturbeherrschung?
Von Naturbeherrschung zu reden, scheint mir angesichts der grotesken
Verhältnisse, wie sie Menschenwelt heute ausmachen, bemerkenswert albern. Übrig
geblieben sind als Argument des Faktischen nur Sachzwänge.
Genauso gut könnte man sich die militärtechnologische, produzierte
Vernichtungskraft als Friedensgarantie anpreisen, weil sie den Krieg zum
Wahnsinn mache. Der Wahnsinn wird zum Argument. Er gestaltet die Welt.
Und so geht es weiter. Nur die technologische Weiterentwicklung soll im
Falschen das Verhängnis abwenden, sonst drohe Hunger, Artensterben, all das,
was der „Fortschritt“ halt hervorgerufen habe.
Kurzum, die Vernunft wird abgeschafft, weil sie nur noch garantiert, den Träger
der Vernunft im Bezugssystem des Wahnsinns erstes Opfer werden zu lassen. D.h.
dem eigenen Vernunftglauben wird kein Praxisbezug mehr zugestanden; der
moderne Mensch ist nicht nur unvernünftig, er hat auch nicht mehr den Anspruch
auf Vernunft, sein eigens Tun kommt ihm wie eine zweite Natur im Resultat
daher. Er muß den Wahnsinn als Argument selbst produzieren, um sich von ihm
schrecken zu lassen, daß der Schrecken ihn leite.
Es ist doch nur noch eine Frage der Zeit, bis man dem Menschen die Abschaffung
seiner Menschlichkeit abverlangen wird, damit er noch Zukunft haben kann.
Aber das ist ja das Geniale der modernen Weltauffassung; da nur die Fakten
zählen, das Argument die Bombe selbst ist, ist alles abschaffbar, was dem
Argument des Funktionierens sich nicht fügt.
Kontrolle der Teilnehmer, Ökonomisierung der Information -
Eigentum an Information heißt das Recht auf Geheimnisse.
Wenn Wissen Macht ist, fällt der Apparat das Urteil über den, der nicht besitzt
und nicht verfügt.
Wo Wissen und Apparat identisch werden, wird es Informationsmonopole geben, die
die Gesellschaft zu lenken suchen.
Wie die freie Marktwirtschaft den besser Organisierten und Besitzern von
Produktivkapital eine Herrschaftskompetenz überantwortet hat, die den Begriff
der Freiheit suspendiert, indem sie denen, die keine Verfügungsgewalt über die
organisierte Apparatewelt besitzen, technischen Funktionszusammenhängen
unterwerfen, wird die Informationsgesellschaft konsequent auch den Begriff der
Wahrheit deformieren. Denn die Herrschaft Weniger über das relevante produktive
Wissen der Gesellschaft produziert gesellschaftsgemäß ein Unterwerfungsverhalten
betreffs der Inhalte und Aneignung dieser neuen Produktivkraft.
Das gesellschaftliche Leiden der Menschen wird Blindheit und Unwissen im Sinne
eines Aneignungsdefizits sein.
So wie das Unterwerfungsverhalten unter technische Funktionszusammenhänge den
Menschen die Würde raubt und ihre Seelen deformiert - das Auseinanderfallen
von Rationalität und Emotion - wird deren geistige und sinnliche Vergiftung bis
zur totalitären Desorientiertheit der Gesellschaft fortschreiten.
Die Ökonomisierung des Wissens mündet in eine Hierarchisierung der
Verfügbarkeit von Erkenntnissen, bis diese - vermittels von Arbeitsteilung, zur
Aufteilung von Welt - in eine Unkenntlichkeit der Welt kollabiert.
Im Rahmen des regulativen Verhaltens des Staates wird die
Berechtigung zur Wissensaneignung gegen Wohlverhalten verkauft (es wird
Berechtigte und Unberechtigte geben).
Orientierungsfähigkeit innerhalb der
Informationsgesellschaft wird zur Preisfrage, das Auseinanderfallen von Wissen
und Bedürfnis ist vorprogrammiert.
Das technisch realisierbare Wissen der Informationsgesellschaft wird im
wesentlichen statistisch sein.
Das menschliche Subjekt wird auf ein Anhängsel seiner Eigenschaft als
Informationsträger und Informationsvermittler verzwergt. Es wird Substrat der
Statistik.
Wissen, das sich über einen Apparat vermittelt, ist
beschneidbar und reduzierbar und nicht wie etwa eine Gedächtnisleistung ein für
alle Mal ohne allen Apparateaufwand abrufbar gleich einem bleibenden Eigentum
des Besitzers.
Die Zugriffsmöglichkeit auf Informationen wird hierarchisch geregelt, die
Beherrschbarkeit des Apparats wird arbeitsteilig segmentiert; nur ist die
arbeitsteilige Organisation des Zugriffs auf den Apparat keine rationale,
apparateimmanente Notwendigkeit, sondern reines, irrationales Herrschaftsrecht
und die Verfügungsberechtigung ideologisch über den Eigentumsbegriff
gerechtfertigt.
Wenn wir uns vorstellen, daß die am Apparat geistig verarmende
Informationsgesellschaft im Gleichschritt mit einer ökologisch bedingten,
unvermeidlichen materiellen Verarmung Fortschritt üben wird, so haben wir eine
kleine Ahnung von der Hölle, der Tretmühle, die Zukunft ist.
Die Hölle aber wird entweder einen manipulierten neuen Menschen oder einen
neuen, am Leben orientierten, Freiheitsbegriff hervorbringen und einen
Vernunftbegriff, der sich nicht länger auf ein Unterwerfungsverhalten am
technischen Apparat reduziert, denn Vernunft ist denkbar nur, wo Freiheit ist
(Unfreiheit bringt allenfalls Psychotherapie und alle ihre ideologischen Implikationen
hervor).
Mitten im Überfluß vom Mangel reden?
Eine Gesellschaft, die ein gerechter Verwalter des Mangels ist, gab es nie und
wird es nicht geben.
Staatsbürokratie, die den Mangel erwirtschaftet, gleich einem Kainszeichen der
Macht und Gewalt, ist stets eine Hervorbringung des Unrechts und somit ihr
organisiertes Abbild. Sie schlägt die Gesellschaft in ihre Fesseln.
Es gibt keine Vernunft des Gewaltmonopols, denn es gibt keine Vernunft der
Gewalt; es gibt keine Vernunft des Mangels, denn Mangel ist Unfreiheit.
Unsere Zukunft wird der Mangel sein - Luftmangel wie ein Mangel all dessen, was
die Souveränität des Lebens ausmacht.
Doch denke ich nicht mit Zorn an die Zukunft, sondern ich
denke mit Zorn an die Gegenwart.
Nicht das Elend sollst du fürchten, nicht den Tod, nicht die Wahrheit.
Die Arroganz unseres gegenwärtigen Unverstands, unsere Kulturlosigkeit am
Apparat, am technischen Sachverstand, für diese Schwäche wird bezahlt mit
Schrecken und mit Verachtung und mit Gewalt und mit Gnadenlosigkeit, kein
Verzeihen, kein Vergessen, keine Ausflucht. Ignoranz ist die moderne Form der
Sittenlosigkeit, und so wie wir heute keine Solidarität mit den Elenden der
anderen Länder und Kontinente besitzen,
werden wir morgen unvorbereitet in die Katastrophe unseres Elends stürzen. Die Katastrophe unseres Elends nämlich sind
wir selbst. Der Mangel unserer Zukunft befindet sich bereits in uns, so gegenwärtig
wie er sich morgen als äußerer an uns offenbaren wird. So wird Zukunft die
Vollstreckerin unseres Versagens, den Herausforderungen der Welt nicht genügt
zu haben.
Was in den Siebzigern unseres Jahrhunderts ein Versäumnis
war, war in den achtziger Jahren bereits ein Verbrechen. Doch Geschichte kennt
keine Schuld, die von Unschuld abgrenzbar wäre, ihre Richtschnur ist die
Wahrheit allein und keine Handlungsmodelle; sie reflektiert einzig den
Kenntnisstand, was der Mensch objektivierbar sich selbst antut in der Zeit.
Insoweit heißt Geschichte begreifen, die Sterblichkeit des Menschen begreifen.
Aber auch der, der die Wahrheit nicht wissen will, muß sich fügen, denn er hat
Anteil an ihr. (89)
zurück
Nicht weil der Mensch spricht, ein besonders großes Gehirn
zu haben vermeint, Moral hat, lügen kann oder Werkzeuge gebraucht, ist er ein
besonderes Tier. Der Mensch hat nur eine Besonderheit, die ihn anscheinend
großmächtig macht, und durch die er sich vor allen anderen Tieren auszeichnet:
er ist das wahnsinnige Tier.
Weil der Mensch das wahnsinnige Tier ist, hat er die Vernunft erfunden.
Der Sklave will immer nur nützlich sein.
Jemandem einen miesen Job anzubieten, jemanden schlecht zu
bezahlen und primitive Arbeiten verrichten zu lassen, heißt, ihm seine
Geringschätzung, seine Verachtung zu erweisen; jemanden technischen und
bürokratischen Funktionszusammenhängen zu unterwerfen, heißt, ihm seine Würde
zu rauben.
Wenn die Gesellschaft ihnen gestattet, ihre Mitmenschen schlecht zu behandeln,
zu beleidigen, zu quälen, tun sie das, ohne groß darüber nachzudenken. Wenn
die Gesellschaft ihnen erlaubt, sich zu bereichern, tun sie das, ohne alle
Skrupel auf Kosten ihrer Mitmenschen.
Wenn die Gesellschaft ihnen erlaubt, zu töten, morden sie hemmungslos, um des
billigsten Vorteils willen.
Was sie Gewissen nennen, ist nur die regulative Angst vor gesellschaftlich
sanktioniertem Fehlverhalten, ein Instinktmechanismus ohne alle Vernunft und
Moral, ein Regulativ gegen Mißerfolge bei der Anwendung und dem Gebrauch
gesellschaftlicher Normen zwecks Selbstbehauptung gegenüber der Konkurrenz der
Mitmenschen - ein Mechanismus so inhaltsleer wie eine Apparatelogik.
Sie nennen sich Menschen, doch sie sind nur ein Haufen Scheiße, der - Richtung
Kloake - der Schwerkraft gemäß abwärts fließt.
Eine herrschende Klasse, die sich nicht durch
Leistungsbewußtsein, Innovationsfreude und Flexibilität neuen Ideen gegenüber
auszeichnet, sondern durch Dünkel, Überheblichkeit, Zynismus, Korruption und
Lüge, ist parasitär, sie stellt sich außerhalb der Gesellschaft (gewissermaßen international
und interkontinental).
Eine derartige, marode herrschende
Klasse entlarvt sich dadurch, daß sie von anderen Opfer fordert.
Man kann nur ein legitimes Opfer bringen, das eigene. Wer die anderen zu seinem
Opfer macht, ist bloß Gewalttäter.
zurück
Sie sprechen die Sprache der Macht. Man versteht sich, man
akzeptiert sich, man spuckt sich nicht gegenseitig in die Suppe.
Der, der die Sprache der Macht spricht, ist in den Augen der Mächtigen
vielleicht ein Gegner, aber ein Mensch, nicht Material, nicht Vieh, nicht
Sklave, Tier, Idiot: Kumpanei, wie sie ähnlich auch bei den Reichen
vorherrscht, die die Sprache des Geldes sprechen.
Der Korpsgeist herrscht unter Gleichen. Man nimmt sich als Menschen wahr, man
kommuniziert, man handelt, man hat Beziehungen, man hat Bindungen.
Wer nicht dazugehört, ist Beute.
Der grenzenlose Sieg des Kapitalismus und seiner modernen
Transport- und Informationstechnologien zerstört die Souveränität der
Nationalstaaten, um in eine multimediale planetarische Gesellschaft zu münden,
die nur noch die Gesetze der Ökonomie als gültig nachvollzieht.
Die Freiheit des Dschungels ist die Befreiung der Mafia von den Fesseln ihrer
Regionalität hin zur totalen Ökonomisierung aller Lebensressourcen durch
Technik und Organisation.
Man sitzt in seinem Festungsturm des persönlichen Reichtums und kommuniziert
über Satelliten, während ringsum das Land der kleinen Leute verwüstet wird.
Draußen wird man stets abkassiert und fremder Willkür unterworfen, zahlt
Wegezoll und Schutzgelder.
Die Mafia ist ein internationaler Mischkonzern, der sich seine Gesetze selbst
macht. Die Mafia ist die höchste Form der Überstaatlichkeit des Kapitalismus;
sie ist die fortgeschrittenste Form des Kapitalismus, die zukünftige Weltmacht
des Kapitalismus.
Freiheit ist die Freiheit des geheimen Unterweltbosses aus Singapur, jedem
zwischen Frankfurt und Rio den Schädel spalten zu lassen, der nicht seinen
Reichtum mehrt.
zurück
Zwischenspiel
Vernunft ist die Fähigkeit, über das unabänderlich Tierische
in uns nachdenken zu können.
Man fängt als Idealist an und endet als Schwein.
Es gibt nur diesen einen Weg des Erfolgs, den Weg der Desillusionierung, der
den Menschen korrumpiert.
zurück
Moral kann man nicht fordern. Moral hat man (was für eine
auch immer) oder nicht. Entweder man hat Charakter und trägt sein Dasein in
die Welt wie eine Vornehmheit oder man vegetiert in seinem Gefängnis des
niedrigsten Ichvorteils.
Gegen die Niedrigkeit spricht, daß sie von schlechtem Geschmack ist, sie ist
häßlich und damit verletzt sie das Gefühl; sie ist wenig konstruktiv und damit
verletzt sie die Intelligenz.
Die Niedrigkeit der Klugen ist Intelligenz ohne Idee, sie
heißt Opportunismus, sie beleidigt uns nicht, und wir empfinden sie nicht. Eine
Begegnung mit dem Opportunismus läßt uns ganz automatisch kotzen.
Ein Mensch ist jemand, der sich nach Abschaffung des Geldes
so verhalten würde, als wäre nichts geschehen.
Geld existiert nur in dem Maße, in dem man selbst nicht existiert.
Freiheit ist die Freiheit desjenigen, der weniger besitzt
als du.
Ökonomie ist nur eine Ausrede.
Die Menschen mißachten um ihrer eigenen Kleinheit willen, sie zertreten gerne
und geh’n drüber hinweg. Alles soll flach und winzig werden und sich so ihrem
geistigen Horizont anpassen. Es ist eine Phobie gegen die Anstrengung, gegen
alles, was Kultur ist, die Aggression gegen alles, was nicht Gewohnheit ist,
nicht billig, nicht populär und bequem.
Hüte dich davor, dich für unwiderstehlich zu halten; die Menschen beugen sich
nur vor der Macht und dem Reichtum, vor fremder Gewalt und der eigenen Gier,
und ihre Eitelkeit erträgt nicht, die Autorität eines Werks anzuerkennen.
zurück
Jenseits des Fortschritts finden wir die Postmoderne.
Der Fetisch der Moderne war das Neue, die permanente Abweichung vom Tradierten,
die Veränderung.
All dieses „offen sein für das Neue“ war ihr Kennzeichen. Die Postmoderne
fordert hingegen die Gleichrangigkeit des Vorherigen mit dem Gegenwärtigen; die
Veränderung wird zugelassen, doch das Neue soll nicht mehr die Perspektive sein.
Es geschieht im Grunde nur das eine:
Die Postmoderne kürzt die Moderne um ihre Logik, sie schneidet die Vernunft,
die Folgerichtigkeit, die Ideologie des Fortschritts raus. Befreiung von der
Illusion des Fortschritts.
Wenn die Kritik es aber nicht mehr besser wissen will, ist sie Sophismus oder
negative Dialektik. Das nicht integrierbare Hinzukommende, das Neue, das
keinen Sinn stiftet, bleibt das Unbestimmte als Verfallserscheinung.
Beliebigkeit, das Unverbindliche, kennt nur die Distanzierung von der Moderne
wie von der Wirklichkeit.
Die Moderne ist tot, und es folgt nichts Nennenswertes.
Wo die Menschen nur feindliche, primitive Tiere sind, die
aus billigen Instinkten heraus ihrem Mitmenschen schaden wollen, weil er sich
von ihnen unterscheidet, weil er ihnen unähnlich ist, weil er unfähig ist, sich
ihrer Niedrigkeit zu unterwerfen, weil er mit ihnen ganz und gar nichts zu
schaffen hat, dort brodelt die Ursuppe der faschistischen Natur des wahren
Volksempfindens.
Es ist die widerwärtige Bedeutungslosigkeit des Daseins, der Konformismus, die
Widerstandslosigkeit vor den Techniken der Macht und des Geldverkehrs, die
eine mißglückte Welt immer noch schlechter werden läßt, bis das Ekelhafte sich
zum nationalen Pathos aufbläht.
Dort, am Ende der Fahnenstange, wird der „kleine Mann“, selbst nur elend,
ausgenutzt und abhängig, zum angstbeißerischen Radfahrer auf der Suche nach
Wehrlosen, an denen er seine Wut lustvoll abreagieren und die er „legitim“
erniedrigen kann in dem dummdreisten Gefühl, besser zu funktionieren, ein
besser geschleimtes Rädchen im Getriebe zu sein.
Faschismus ist die Antwort des Kleinbürgers auf die
rationalen Herrschaftstechniken der Moderne. Er usurpiert in etwa das, was
davon bei ihm unten ankommt, das, was er davon versteht. Er verabsolutiert das
daran, was die modernen Herrschaftstechniken aus ihm gemacht haben. Das Ideal
wird der verhunzte Massenmensch.
Faschismus ist die Antwort der schweigenden Mehrheit auf das, was sie stumm
gemacht hat. Man kann davon halten was man will, aber es ist bemerkenswert, daß
es überhaupt eine Antwort der Artikulationsunfähigen gibt, eine Mobilisierung
der menschlichen Dummheit, die letztlich Quintessenz jeglicher
Herrschaftstechnik ist. (92)
Es gibt Liberalität aus Stärke und Überlegenheit, die das
Ziel größerer Stärke und Überlegenheit zum Inhalt hat. Man ist der Welt offen
zugewandt, weil man die Selbstsicherheit des Überlegenen hat.
Es kann Aggressivität aus Schwäche geben, und davon sehe ich viel.
Die denkbar größte Schwäche einer Kultur ist die Unfähigkeit, die Realitäten zu
erkennen.
In dem blindwütigen Versuch, die Prinzipien des
Kolonialismus fortzuschreiben, hat Europa sich in den letzten großen Kriegen
selbst kannibalisiert. Es hat seinen Expansionismus destruktiv gegen sich
selbst gekehrt; nun ist es demoralisiert und vermag der Welt keinerlei
nennenswerte Impulse mehr zu geben. Die Gesellschaft ist antriebslos, und die
parasitäre herrschende Klasse besitzt keinerlei Instinkt mehr, die innovativen
Kräfte auf ihre Seite zu ziehen, sie fürchtet vielmehr, im Neuen ihren
Besitzstand zu verlieren. So herrscht hier die Unfähigkeit eines Ziels
außerhalb des eigenen Bauches, des engsten Horizonts, des vordergründigsten,
kleinlichsten Vorteils, es herrscht die Unfähigkeit, von anderen zu lernen.
Europa ist der Kontinent des falschen Besitzstandes, wo man dem einen nur noch
wegnimmt, was man dem anderen gibt.
Doch ist man nicht nur gelangweilt und angeekelt, sondern man ist bereits
dabei, in seinem Unvermögen zu vermodern.
zurück
Regelungswahnsinn ist ein zutreffender Ausdruck für das
bürokratendeutsche Verhalten, die Zwangsgesellschaft zu installieren.
Dem deutschen Bürokraten kommt die Gesellschaft in allen Belangen disfunktional
vor, darum muß alles detaillierter geregelt und schärfer überprüft werden,
wobei der Maßstab des Handelns nicht die realen gesellschaftlichen Verhältnisse
sind, sondern das Ideal vom Sein. Das Ideal der Bürokraten aber ist eine
Selbstvergewaltigungsmoral, die in der Disziplin ausschließlich bürokratischer
Zusammenhänge existiert, nämlich nach dem Ideal des absoluten Funktionierens.
Man schadet den Menschen faktisch aus formalen Gründen. Hauptverbrechen ist in
der Regel, daß jemand aus der Statistik fällt, also seine Besonderheit zu
bewahren sucht.
Das Leben immer größerer Bevölkerungsteile wird unter dem Diktat von
Rationalität, Effektivität und Ökonomie sinnlos verbürokratisiert und
verrechtlicht. Doch nicht die Mächtigen, die Welt in Besitz nehmen, sind Objekt
der staatlichen Kontrolle, sondern die Wehrlosen, die in sozialer Abhängigkeit
leben. Darum heißt ein Staat, der alles von den Bürgern wissen muß, totalitärer
Unrechtsstaat.
Der öffentliche Raum, den jedermann - ob reich oder arm -
gleichermaßen benutzen kann, ohne dafür zu bezahlen, ist Allgemeineigentum. Er
ist der Freiraum für die Besitzlosen.
Ökonomiefreie Räume sind Schutzräume der freien Empfaltung auch derjenigen, die
sich dem Ökonomismus und der Besitz- und Verwertungskultur des Kapitalismus
entziehen wollen. Nur dort gibt es gleiche Rechte für jede Lebensart, ein
Reservat, das einem die Niedrigkeit des menschlichen Miteinanders ertragen
hilft.
Eine Abschaffung der allgemeinen Verfügbarkeit des Gemeinraums durch
Privatisierung oder ökonomische Vernutzung mittels von Zwangsgebühren ist
totalitär und damit Terror.
Man kann als Tourist zum täglichen Gebührenzahler werden, nicht aber an seinem
Heimatort bei seinen alltäglichen Verrichtungen. Heimat ist der Ort, wo man
sich für seine Existenz nicht rechtfertigen muß, wo man dafür nicht bezahlen
muß.
Das moderne Staatswesen entwickelt zunehmend seine Bürokratie zur
Gebührokratie, zur ineffizienten Abkassiererei, wo der Mensch die Hälfte seines
Einkommens für Steuern ausgibt, die ausschließlich der Bezahlung von
Staatsschulden und pensionierter Staatsbeamter dienen, während man nicht einen
Fuß vor die Tür setzen kann, ohne sogleich von einem Abkassierautomaten zur
Zahlung einer Gebühr genötigt zu werden.
Die Technisierung des Lebens, die ursprünglich produktiv und befreiend gemeint
war, reduziert das Dasein zunehmend auf seine Künstlichkeit, und damit auf
seine ökonomische Verwertbarkeit. Der Mensch wird immer abhängiger, und das
heißt, er wird ins ökonomische Zwangskorsett gesteckt, sich immer verfügbarer
zu verhalten, anstatt seine Fähigkeiten und Kräfte frei entfalten zu können. Am
Ende steht die Diktatur des Geldes über alle Lebensbereiche, die
Leibeigenschaft, die Herrschaft des Mittels über den Zweck, die Herrschaft der
Schweine über das Menschsein.
Es gibt keinen Freiraum durch Technologie und keine staatlich garantierten
Rechtsgüter.
Die Freiheit der kleinen Leute ist der Freiraum, den der korrumpierte Bürokrat
entgegen seinem Dienstauftrag übrig läßt, weil seine niedrige Gesinnung allein
noch von seiner Faulheit übertroffen wird, sich nicht um alles zu kümmern, sondern
mal Pause zu machen.
Technologie und Organisation des Staates haben die Aufgabe, die Dummheit des
nützlichen Schweinehunds zu kompensieren, daß er trotzdem effektiv den kleinen
Leuten das Leben zur Hölle machen kann.
Demokratie ist das Gegenteil von Volksfeindschaft, sie ist
das System der weitestmöglichen Mitwirkung der Bevölkerung an ihren
Staatsangelegenheiten. Das Prinzip der Demokratie ist eines der Maximierung der
Mitwirkungsmöglichkeiten. Es geht nicht allein um die Legitimation von
Herrschaft durch das Volk, sondern um die offensive Selbstbestimmung der Bevölkerung
in ihren inneren Angelegenheiten durch Ausübung von Wahlen und Abstimmungen.
Demokratie ist praktische, gelebte Selbstbestimmung über das Vehikel der Mehrheitsentscheidungen.
Die Grenze der Selbstbestimmung kann nur eine technische und organisatorische
sein, d. h. Demokratie muß funktionieren.
Daneben sind Demokratien ihrem Wesen nach liberale und offene Gesellschaften.
Es gibt also nicht mehr oder weniger Demokratie in einem Land, etwa
halbdemokratische Oligarchien oder Diktaturen, sondern Demokratie ist nur die
Maximallösung.
Die meisten demokratischen Rechte gesteht verfassungsgemäß
in Europa die Schweiz ihrer Bevölkerung zu.
Die Schweiz ist ein nicht ganz kleines Land, in dem man leben kann. Was hindert
also die anderen Staaten Europas, auch bei sich erweiterte demokratische Rechte
einzuführen, anstatt sich immer nur auf einen institutionalisierten Status quo
zu berufen, also auf die faktischen gegenwärtigen Machtverhältnisse? Wie
innovativ ist also der Demokratiegedanke bei den Herrschenden?
Ich will hier nicht die Schweiz loben. Die Schweiz ist das Land der Schweine
mit den dicken Bankkonten. Für mich sind die Schweizer eine Bande von Hehlern
und Geldwäschern, die der Welt maximalen Schaden zugefügt haben. Aber darum
geht es nicht (wer sagt, daß Demokratie bessere Menschen macht?), sondern um
die Frage: bricht in der demokratischen
Schweiz die staatliche Ordnung zusammen? Herrschen dort Massenarmut,
Chaos, Anarchie und Massenmord? Wenn keine schädlichen Auswirkungen erkennbar
sind, warum wird in Europas anderen Ländern nicht die Demokratie eingeführt?
Warum werden den Völkern praktisch erprobte demokratische Rechte vorenthalten,
über deren Realisierbarkeit keine Zweifel bestehen können?
Weil die Völker von Vertretern regiert werden, die zwar die Interessen der
Allgemeinheit im Munde führen, tatsächlich aber nur ihre persönlichen korrupten
Machtinteressen meinen, wenn sie von demokratischen Rechten faseln. Sie sind
egoistische Volksverächter, die sich nur zufällig Demokraten nennen, weil sie
mit Hilfe eines dementsprechenden Vokabulars nach oben gespült worden sind
(z.B. weil ihr Land von den Amerikanern erobert wurde).
Mehr noch als alle anderen ist Deutschland das Land der
Barschels, in dem sich alle von Wahlkampf zu Wahlkampf barscheln, weil sie die
eigene Bevölkerung, die sie vertreten sollen, für Narren halten.
Folglich gilt direkte Demokratie hier in den herrschenden Kreisen als ein
schlechter Witz, der Hitler hervorgebracht hat. (Ich denke, diese Leute sind
damit in genügendem Maße charakterisiert.)
zurück
Wenn ich hier vom Unvermeidlichen, vom Notwendigen rede, so meine
ich das Denknotwendige, nämlich die Illusion vom Weltbesitz, und ich rede hier
vom Geld, vom Geist des Geldes.
Man bekommt alles, oder man bekommt nichts.
Die Erde ist der Menschen Heimat, doch die Welt ist aufgeteilt.
Wer behauptet, er sei arm, machtlos und
ein Mensch, hat die menschliche Gesellschaft nicht im geringsten begriffen.
Er gehört nicht dazu.
Das Recht lebendig auf diesem Planeten zu existieren, ist veräußerbar, so
gehört den einen der Planet und den anderen gehört er nicht. Der Enteignete hat
keinerlei Verfügungsgewalt über sein Dasein, er kann allenfalls als Sklave oder
Sache existieren.
Die Welt ist unser, sagen die Besitzer, das Recht der anderen ist veräußerbar
und somit folgerichtig aus der Welt verschwunden.
Wie heißt es so falsch? Geld versachlicht die menschlichen
Beziehungen.
Geld ist das Wundermittel, die menschlichen Beziehungen zu gestalten und in den
Griff zu kriegen. Es ist ein merkwürdiger Vernunftglaube an Besitz und
Eigentum, den die menschliche Gesellschaft vermittels der quasireligiösen
Glaubensmacht des Geldes hervorgebracht hat und der die Gesellschaft
vollständig beherrscht.
Geld rechtfertigt jedes Opfer, jede Gewalt, Geld rechtfertigt den Krieg, denn
es rechtfertigt die Besitzstandswahrung der Illusion vom Welterwerb und
Weltbesitz als Recht gegenüber allen anderen Menschen, die ebenso - wie man
selbst - die Luft auf dem Planeten wegatmen.
Die einen drucken es in Zahlen als Illusion der Volkswirtschaft, und die andern
glauben an die Macht des Scheins wie an eine Zigarettenwährung oder eine
Drogenillusion.
Geld ist die härteste Droge. Die einen drucken es, die andern wollen es
besitzen - den Traum von Allmacht, Reichtum, Glück. Aber es besteht Konsens,
und somit ist die Macht real, und der Glaube ist gerechtfertigt.
Der Bürger hat in Deutschland ein Leben lang gegen den toten
Hund gekämpft, gegen den Faschismus, um am Ende selbst so etwas wie ein
Faschist zu werden. In Deutschland war der Antifaschismus eine Art Religionskampf,
der stets mit dem antideutschen Reflex auf eine Bestrafung Deutschland durch
die Teilung des Landes verbunden wurde. Die alte Bundesrepublik war sozusagen der Wiedergutmachungsstaat.
Das schwindende Fundament der alten Teilrepublik ist auf perverse Art die
Auschwitzlüge, nämlich der Glaube, die Bundesrepublik als Teilstaat
Deutschlands ziehe ihre Legitimation aus dem Faschismus. In Auschwitz sei die
Existenz und Konstitution der Bundesrepublik begründet worden und alle
Handlungen, alles Engagement der Republik würde sich daraus ableiten.
Tatsächlich ist Auschwitz als der Inbegriff des Naziverbrechens, das
gleichrangig neben dem Verbrechen des Angriffskriegs gegen die europäischen
Nachbarn steht, weder durch einen antinationalen noch durch einen
antivölkischen Reflex aufzuarbeiten. Es hilft überhaupt nichts, das Vorzeichen
zu wechseln.
Es gibt keine Wiedergutmachung im Falschen. Eine Nation, die sich etwas antut,
projiziert das Falsche in die Zukunft, um es immer weiter mit sich
fortzuschleppen. Alle Handlungen einer Nation gegen sich selbst sind der Keim
eines neuen gewalttätigen Konflikts und einer neuen
Selbstzerstörung des Rechts.
Der alte Teilstaat ist nicht wirklich untergegangen und die neue Republik zieht
ihre Legitimation aus Freiheitskampf und Selbstbestimmungsrecht nicht ohne den
Dissens in sich, nicht ohne neue Härten.
Auschwitz ist zwar Geschichte geworden; doch über die Geschichte belügt man
sich bekanntlich. Da hilft auch kein Gesetz.
All den Mangel, das Elend, die Gewalt, all das Unsägliche, dem sie glaubten
entfliehen zu können, bringen sie selbst mit sich ins Land.
Sie selbst sind das Elend ihres kulturellen Unvermögens, ihr Dasein
menschenwürdig zu organisieren.
Man entflieht dem falschen Leben durch Ortswechsel, um das falsche Leben am
anderen Orte weiterzuführen.
Man projiziert die Hoffnung in die Fremde, man projiziert sie in den anderen
und kommt doch bei sich selbst an; man wird mit dem Unerträglichen, mit dem
Elend, mit der Disfunktionalität seines gesellschaftlichen Daseins
identifiziert.
Ein Fehler ist es immerhin zu glauben, die neu
eingewanderten Bevölkerungsgruppen aus Sizilien, aus der Türkei, aus
Jugoslawien oder aus Südostasien könnten sich mit irgendwelchen Eingeborenen
identifizieren, nur weil sie deren Territorium besiedeln.
Sie empfinden sich entweder als Kolonisten, Eroberer, die sich aufgrund ihrer
kulturellen Überlegenheit in Westeuropa durchsetzen können oder als
diskriminierte Minderheit, die mit falschen Versprechungen angelockt und
kulturell unterdrückt wird.
Sie denken so wenig daran, sich den hiesigen Verhältnissen anzupassen, wie die
europäischen Kolonisatoren in Amerika daran dachten, Indianer zu werden.
Wer einen Sizilianer ins Land holt, holt sich auch Sizilien ins Land. D.h. hier
wird ein Prozeß in Gang gesetzt, der politisch nicht beherrschbar ist.
Die Westeuropäer bilden sich ein, ihr Territorium sei für die von ihnen
praktizierte Lebensweise nicht dicht genug besiedelt, sie halten sich
fernerhin für kulturell überlegen und glauben, alle Menschen würden so werden
wollen, wie sie sind, würden ihre Lebensweise also den hiesigen Verhältnissen
anpassen wollen, oder sie halten sich für liberal und behaupten die Idee einer
multikulturellen Gesellschaft.
Eine Kultur ohne Sinn für die Realität kann keinerlei Überlegenheit für sich in
Anspruch nehmen. In Wirklichkeit haben
die Westeuropäer mental die Souveränität über ihr Territorium verloren.
zurück
Der Mensch ist ein rassistisches Tier, das
physiognomische Unterscheidungsmerkmale
zur Abgrenzung seiner kulturellen Identität einsetzt.
Wer in einer multikulturellen Gesellschaft lebt, in der verschiedentliche
ethnische Minoritäten aufeinandertreffen, identifiziert den anderen unter dem
Blickwinkel seines rassischen und kulturellen Anderseins. Identität in einer
multikulturellen Gesellschaft ist ein Produkt der Ausgrenzung des Nachbarn.
Es gibt keinen Konsens, keine gemeinsame Sicht der Dinge, keine gemeinsame
Sprache, keine gemeinsame Identität, es gibt nur die Abgrenzung und den Kampf
um ökonomische Anteile unter dem Blickwinkel des rassischen und kulturellen
Unterschieds.
Die Praxis ist das Konkurrenzverhalten.
Alle Kultur, die auf Dauer angelegt ist, hat eine
kulturchauvinistische Überlebensstrategie, d.h. sie gebärdet sich
expansionistisch nach außen und isolationistisch nach innen, sie nimmt auf, was
sich instrumentalisieren läßt und bekämpft, was unvereinbar ist. Vor allem
beharrt sie auf kulturelle Identität: ändern sollen sich die anderen und die Verbindlichkeit der
wahren Sicht der Dinge annehmen.
Die „Wahrheit“ wird unter dem Blickwinkel des rassischen Unterschieds in der
Praxis des Konkurrenzverhaltens zur Paranoia. Es regiert nicht das gemeinsame
Lebensgefühl, sondern das Mißtrauen jeder ethnischen Minorität im
Unverständnis, der andere übervorteile und diskriminiere aus rassischen
Gründen.
Die Praxis der multikulturellen Gesellschaft ist Disfunktionalität und
Bürgerkrieg, und die Ideologie ist der Rassismus: multikulturell ist nur der
Untergang - ohne Konsens und Verbindlichkeit jeder in seiner Paranoia, der
andere würde absichtlich mißverstehen.
Man ist anerkannter Teil der Gesellschaft, man hat eine
respektierte, anerkannte Position und daraus erwächst einem eine Bindung an die
Regeln und Bedürfnisse der Gemeinschaft.
Die Fremden hält der Hiesige im Grunde für Betrüger, Diebe
und Mörder; denn wo könnte die Bindung dieser Leute liegen, all diese
Verbrechen zu unterlassen? Wo sollte
der Respekt vor den Gesetzen des fremden Staates herkommen? Wo sollte die
Affinität zu den fremden Sitten und Gebräuchen herkommen? Wie sollten sich die
Fremden als Teil der Gemeinschaft in der Fremde verwurzelt sehen?
Der Fremde tritt von außen hinzu, er sieht sich als jemand, der mit der
Gemeinschaft der Hiesigen umgeht, ohne sich zu identifizieren; er nimmt sich,
was er braucht, kraft seiner
kulturellen Überlegenheit und Schläue, die hiesigen Gebräuche für sich zu
nutzen.
Es herrscht der Dissens und das Mißtrauen bis zur Anerkenntnis und Etablierung
des Fremden in der Gemeinschaft.
Die deutsche Regierung will in dem Maße Ausländer als
Rentenzahler ins Land schaffen, wie die deutschen senil werden.
Die Deutschen glauben, wenn sie dann senil sind, werden sich die Neueinwanderer
um ihre Kultur und Altersversorgung kümmern. Sie glauben, die Alteinwohner
werden die senilen Bestimmer einer Senilitätskultur bleiben.
Ich glaube nicht, daß so etwas Eigenartiges wie eine
Senilitätskultur vor der Welt Bestand haben wird. Die Ausländer werden sich zu
Recht über die Idee einer Senilitätskultur verwundern und sich an ihre eigenen
Kulturtraditionen halten. Wenn sie nett sind, werden sie ein Gnadenbrot ins
Altersgetto abgeben und sich im übrigen
an die Devise halten: wer nicht produktiv ist, hat auch nichts zu
bestimmen.
Mit dem, der sich nicht um sich selbst kümmert, ist es aus,
ihm bleiben nur Verachtung und Untergang.
Vielleicht ist das Schlimmste gesagt. Wir wenden uns ab. Letztlich kann es
keine sinnvolle Alternative als die Hoffnung auf eine humane Praxis geben.
Postnazismus (eine Pointe)
Die
Deutschen haben noch immer gemacht, was Hitler ihnen befahl.
Am Ende seiner ausgelebten Herrschaftsträume kam Hitler zu dem Schluß, die
Deutschen seien minderwertig und zum Untergang verurteilt, und er gab ihnen den
posthypnotischen Befehl zur Selbstvernichtung.
Und in der Tat sind die Deutschen als echte Rassisten masochistisch ihrem
umgedrehten Rassismus erlegen. Sie wollen rassisch-ethnisch untergehen, damit
am Ende der Deutsche sagen kann: „Bin ich ein deutscher Nazi? Nein, ich bin ein
türkischer Neger, der ungestraft alles Deutsche hassen kann.“
zurück
Zwischenspiel
Diktatur ist eine demütigende Obszönität der Sichtbarmachung
einer äußersten Schwäche und Not des Volkes.
Was heißt, die Welt existiere nur in den Augen der
Betrachter?
Die Welt existiert nicht ohne ein Auge. Ohne den Betrachter ist die Welt
nichts. Da ist nichts, was eine Bedeutung haben könnte, nicht mal die, zu
existieren.
Mit dem Auge, das Teil der Welt ist, erkennt Welt sich nur in ihren
Teilphänomenen, sie existiert nie ganz, sie existiert, fällt in die
Gleichgültigkeit und vergeht.
Welt ist Zahl und Zahl ist Fiktion.
Die computerisierte Kommunikation ist der Zerfall von Wirklichkeit; die
Information repräsentiert nur noch das Subjekt und sich selbst (ohne Anspruch,
sich auf eine andere Wirklichkeit außerhalb der Schaltkreise zu beziehen).
Wahrheit war nie etwas anderes als ein Hirngespinst. Abgeworfen wird, was
ohnehin nicht überprüfbar war; übrig bleibt das Selbstbewußtsein des Geistes in
seiner Fiktionalität, die Negation hinter der Wahrheit des Subjekts.
Onanie ist die Simulation, man werde geliebt, während man
tatsächlich nicht geliebt wird. Onanie gilt immer noch als degoutant, wer nicht
geliebt wird, soll sich des Mangels stets bewußt bleiben, er soll ihn keinen
Moment seines Daseins vergessen. Als bloße Lustvariante ist Onanie entproblematisiert.
Wo das Dasein der Welt als völlig sinnlos begriffen wird,
bleibt für das Leben nur das Lustprinzip als oberste Autorität, und die Lust
kann sich ohne Umweg über die Realität im direkten Eingriff in die Gehirnchemie
Erfüllung verschaffen.
Der entsinnte Mensch verschafft sich Gehirnstoff, die Welt kann ihm nichts mehr
bieten.
Die Zukunft des Menschen könnte man sich ohne weiteres als Gehirnlabor und
Chemiefabrik vorstellen. Der letzte Mensch ist das glückliche Gehirn,
selbstgenügsam und ohne irgendeinen Gedanken an eine Lebensrealität außerhalb
seiner selbstbefriedigenden Hirnstoffproduktion.
zurück
Im Sterben liegt ein Verlust; doch der Tod daran
anschließend ist nur der Beginn einer großen Gleichgültigkeit aller
Veränderung gegenüber. Er ist ganz und gar die Irrealität eines Ichs, er
realisiert keine Welt.
Insoweit ist der Tod nur eine Fiktion des Lebens, ein letzter Irrtum, keine
Wahrheit.
Wer an seinem Leben keinen Gefallen mehr finden kann, soll
ohne alle Gewissensbisse seine Selbstauslöschung vorbereiten. Diese
Entscheidung steht ihm zu, und niemand kann ihm das Recht dazu streitig machen.
Doch sollte er seinen Tod im Bewußtsein der Annahme vollstrecken, daß nichts
folgen wird, keine Ewigkeit, kein zweites Leben, keine Erinnerung, keine
Zukunft, keine Folgerung.
Niemand kann ewig leben, der nicht ewig leben will. In diesem Sinne ist der
Selbstmord ein folgenloser Akt.
Ich halte Menschen ohne Ideale nicht für Dreck, sie sind wie
eine Handvoll Staub im Wind, ganz wie von Welt, ganz folgerichtig, ganz
berechenbar, ganz kalt.
Was hätten sie auch Wichtiges tun können?
Wer mir beistimmt, irrt sich; der Gedanke ist nicht Partei.
Der Gedanke ist nicht teilbar, er macht sich nicht mit anderen gemein.
Das Subjekt hat nur sich selbst, es erfindet immer wieder nur sich selbst.
zurück
Man fragt nicht nach dem Sinn des Lebens, wenn man praktisch
denkt. Man fragt, was für einen Sinn eine Handlung für das Leben hat.
Es gibt eine Idee der Praxis. Die Idee der Idee ist nicht praktisch.
Man büßt in all seiner Verstrickung den Sinn der Praxis ein oder den
praktischen Sinn.
Das Subjekt, das sich objektiviert, verliert sich.
Dies ist die erste Erkenntnis über die Bedeutung des Daseins.
Für eine Menschheit, die mit technologischen Riesenschritten
auf ihr weltumspannendes Ende zurast, kann in ihrer Unmenschlichkeit auch Gott
nur ein seelenloses Monstrum sein, das alles ausnahmslos und ungerührt
vertilgen muß, am Ende sich selbst.
Die Sprache des Sports ist eine Kultur der körperlichen
Bewegung, die jeder versteht und die deshalb weltumspannend ist. So wurde der
Sport zum idealen Werbeträger der Weltideologien, insbesondere des Kapitalismus
und seiner Konsumgüterproduktion.
Den Parteien kann man die Arroganz der Macht nur rauben,
indem man ihnen die sichere Gewißheit auf parlamentarische Mehrheiten
vorenthält.
Dies ist ein Problem der Selbstorganisation der Unzufriedenen. D.h. den
disparaten Strömungen der Unzufriedenen fehlt eine Organisation der
Obstruktion, eine Antipartei, die den übrigen Parteien mit dem Knüppel der
Abwahl droht.
Die Verneinungspartei wählt stets ab. Sie raubt Mehrheiten. Sie rät ab, sich
wählen zu lassen, insoweit der Wähler eine Alternative sieht.
Dies Land ist nicht meine Heimat, und die Menschen hier sind
nicht von meiner Art.
Die Summe aller Eigenschaften der Menschen ist Garant des Kriegs und des
Völkermords in der Welt. Alle Widerwärtigkeit im Kleinen bereitet
zusammengenommen den nächsten Krieg vor, der dann als unvorhergesehene
Katastrophe auf die Welt fällt.
zurück
Über 100 Jahre Expressionismus, fast 100 Jahre Konstruktivismus: wer soll
das aushalten?
Der Mensch zertrümmert die Welt und setzt sie neu zusammen.
Picasso ist das große Bindeglied zwischen Expressionismus
und Konstruktivismus, ohne ihn könnten wir den Zusammenhang nicht verstehen. Er
ist der große Held.
Für sich ist jeder bedeutend, ein Besonderer - im
Unterschied zur Welt; für den anderen ist jeder nur ein Aspekt des
Übermächtigen, ein Teil der Welt und insofern käme ihm der andere als Besonderer
wie jede Abtrennung von der übrigen Welt nur willkürlich vor.
Man ist Repräsentant der Welt, man ist der Feind, obwohl man seinem Gegenüber
vermeintlich nichts getan zu haben scheint.
zurück
Mathematisch betrachtet ist das „Wählen“ eine ungeeignete
Form der Teilnahme am politischen Geschäft, darum gehen die Lobbyisten, die
politisch Einfluß nehmen wollen, nicht zur Wahl, sondern kaufen einen
Abgeordneten.
Tatsächlich versinkt die eigene Stimme stets in der Flut der menschlichen Masse
der Nullen, die mit ihrer Wahl gegen die eigene Stimme stehen.
Der einzelne ist machtlos, die eigene Stimme gibt nie den Ausschlag, sie
beschafft nicht die Mehrheit. So sagt man.
Damit Demokratie funktionieren kann, muß sich der Staatsbürger als Teil eines
Ganzen begreifen, als Teilmenge, er muß Partei werden, als jemand, der sich
mit anderen gemein macht, eine Regierungsmehrheit abzuwählen.
Das aufgeklärte Individuum, das sich nur auf sich selbst
beruft, hat in der Demokratie nichts zu vermelden, es fällt aus den
Zusammenhang, und da es die Mathematik versteht, ist es der klassische
Nichtwähler.
Der Rechtsstaat schützt die reichen und großen Verbrecher,
weil nur diese die Macht haben, Öffentlichkeit herzustellen. Ein x-beliebiger
Normalbürger, dem kein Hahn nachkräht,
ist jederzeit der Willkür der untersten Chargen des Staatsapparats
ausgeliefert.
Was ist aber die Alternative zum Rechtsstaat?
Im Unrechtsstaat wird der Staat selbst zum größten Verbrecher.
Alles Gutachterunwesen ist ein Gehabe des
Herrschaftswissens.
Wissenschaft die im Gewand der Autorität auftritt, ist reine Scharlatanerie.
Es kann keine wissenschaftliche Aussage geben, die einem Publikum die Aufgabe
der experimentellen und gedanklichen Überprüfung abnehmen kann.
Jede wissenschaftliche Aussage hat den Zweck, einen Sachverhalt überprüfbar
und wiederholbar zu machen, um ihn zur
Diskussion zu stellen.
Wissenschaft sagt nicht die Wahrheit, sie ist ein Prozeß der kritischen Infragestellung,
der Verifikation. Als Herrschaftswissen ist sie nur korrupt. Jede Wissenschaft,
die einen Angriff auf eine Nichtwissenschaft zum Ziel hat, also eine Absicht
über den reinen Erkenntnisgewinn hinaus, ist Korruption.
Kafka hat den juristischen Blick auf die Welt, der uns
zeigt, wie dem Menschen, dem die denkbar größte und empörendste Ungerechtigkeit
widerfährt, durch seinen ärgsten Widersacher nachgewiesen wird, daß er selbst
als das Opfer der Schuldige an seinem Los ist.
Das Opfer ist immer der Schuldige. Diese Wahrheit ist die allgemeine Wahrheit
der Bürokratie, der Justiz, der Ökonomie, des Staates, der Gesellschaft, diese
Wahrheit ist die allgemeinst formulierte Figur der Ausweglosigkeit des
modernen Menschen.
zurück
Beckett zeigt die ungeheure Widerwärtigkeit der Menschen,
aber er zeigt auch, daß diese Menschen keine Zukunft haben.
Sie sind so ungeheuer widerwärtig, daß ihnen fast wie von selbst die Zukunft
aus den Händen fällt.
Wer in einer verkünstlichten Welt aller ästhetischen und moralischen
Verantwortlichkeit entsagt, entsinnt die Welt, um daran Selbstmord zu begehen.
Wer die Hälfte seines Lebens hinter sich hat, will etwas von sich in der Welt
wiederfinden, denn er beginnt das Dasein vom anderen Ende her zu begreifen, von
der anderen Seite des Lebens aus.
Findet dieser Mensch in der Welt von sich nichts wieder, nichts in dem er sich
spiegeln kann, wird er beginnen, die Welt zu verschlechtern. Er wird es als
Getriebener tun, als vom Tode gepackter.
Die Augen der Lügner produzieren Bilder. Die Schönheit
vergeht und man lebt weiter.
Wir nehmen im Flüchtigen das Begrenzte wahr, das Ewige können wir nicht
erkennen.
Was die Welt der Ideen betrifft, wir denken darüber nach, wie über ein Geheimnis.
Es wäre geradewegs unlogisch, von Gott zu erwarten, daß er
sich in der Welt zeigt.
Ein Gott, der von außen hinzu tritt, ist überflüssig, er wäre nur Welt.
Alle Welt ist Projektion und darin nie voraussetzungslos. Das Subjekt
produziert das Bild, das Objekt. Erkenntnis ist Objekterkenntnis.
Man kann Gott nicht erkennen. Gott ist in mir oder gar nicht feststellbar.
Es reicht nicht, sich
selbst oder einen anderen Menschen zu lieben. Man muß die Welt als Ganzes
lieben. Nur so kann man sein Dasein in der Welt und seine Sterblichkeit
ertragen.
Man muß sie lieben, die Welt des Verschwindens. Der Glaube an Gott ist nur ein
Ersatz, der nicht funktioniert. (Es
gibt keine andere Gnade Gottes als den Tod.)
Die Frauen sind in etwa so mies wie die Menschheit
insgesamt.
Wenn die Gesellschaft ihnen erlaubt, ihre Aggressionen auszuleben, tun sie das
so skrupellos wie jedermann.
Der Olymp der Erfolgreichen produziert die Hölle der
Versager, heißt es.
Mögen die Armen der sog. Dritten Welt in einer kollektiven Hölle leben. Die
Armen der reichen Wohlstandsländer jedenfalls leben in der Hölle der
Isolation. Das Problem der Armen in den Wohlstandsländern ist nicht der Hunger,
nicht die Sklaverei, ihr Problem ist ihr reduziertes Vermögen, am
gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Armen der Wohlstandsländer trifft
die Hölle der Totalität des Ökonomischen, die dadurch gekennzeichnet ist, daß
alle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch Geld geregelt ist. In der
Hölle des Ökonomismus gibt es keine ökonomiefreien Räume, kein Gemeineigentum,
kein Reservat des freien Lebens, in dem auch diejenigen geduldet werden, die
sich dem Zwang des Ökonomischen zu entziehen suchen. Der Arme ist kein Mitglied
der Gesellschaft, er ist allenfalls behandeltes Objekt wie zwangsentmündigt und
unter Aufsicht gestellt.
Der Arme, der sich als Besitzer von Welt aufspielen will, wird notwendig zum
Rechtsbrecher. Er muß seine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch das Risiko
der Kriminalität bezahlen, wird zum gehetzten Tier. Er nimmt Teil als
Verbrecher, nur als solcher ist er frei, ist er frei als Subjekt und ein
Ungeheuer. Während sein materielles Überleben gesichert scheint, muß er
tatsächlich asozial werden, um Mensch zu bleiben, muß sich seiner Würde entkleiden,
um anerkannt zu werden.
zurück
Wer zweifelt zielt auf Änderung; das Ziel ist Klarheit.
Wer den Zweifel behauptet, tritt auf vernünftige Art mit dem Anspruch auf Falschheit
seiner Aussage auf.
Dem Zweifel haftet etwas Unentschiedenes an, eine Handlungsunfähigkeit,
keineswegs aber eine Willenlosigkeit.
Der Zweifel tritt wie eine Befangenheit auf, wie ein Gefühl, genauer wie ein
Gefühl der Unklarheit, darum gilt er nicht eigentlich als reflexiv.
Man abstrahiert nicht von sich, sondern man bewegt sich, man will den Zustand
der Unentschiedenheit beseitigen, will festen Boden erreichen. Man negiert
seinen Anspruch auf Richtigkeit der eigenen Behauptung nicht ohne Ziel, sondern
auf eine Entscheidung zu. Man fragt, weil man Gewißheit will, man negiert sich,
aber nur in der Betrachtung, daß es sich dabei um ein Vorläufiges handelt.
Man zweifelt, um zu prüfen, und man prüft für einen Erkenntnisgewinn.
Der Zweifel zielt auf die Selbstveränderung, die der Erkenntnis dient. Er ist
Ausgangspunkt des kritischen Denkens, ohne daß das Subjekt sich in ihm bereits
selbst beobachtet. Vielmehr erleidet sich das Subjekt im Zweifel noch; es ist
noch wie Natur am Beginn sich wahrzunehmen, sich in seinem Denken
wahrzunehmen, um am Ende des Prozesses sich selbst mitzudenken.
Zurechnungsfähig ist, wer sich selbst mitdenkt, also sich selbst als denkendes
Subjekt wahrnimmt und diese Wahrnehmung in sein Denken einbezieht.
Wer sich selbst nicht wahrnimmt, hat keine Erkenntnis, er hat keine Klarheit
über die Voraussetzungen seines Agierens, er sieht nicht seine Möglichkeiten
und Grenzen. Er lernt nicht von seinen Mitmenschen, da er sie nicht als Gleiche
im Erkenntnisstreben anerkennen kann.
Er befindet sich auf einer Stufe der Triebhaftigkeit, seinen Status in der
Gesellschaft aus den Rangkämpfen der einzelnen Gruppenmitglieder abzuleiten und
in allen Äußerungen nur einen Herrschaftsanspruch oder eine Geste der
Unterordnung wahrzunehmen. Er nimmt nicht wahr, was der andere weiß, sondern
nur, was sein Rang und Status ist. Er kann immer nur die Machtfrage stellen. Er
kann im anderen nur seine Befangenheit ausagieren, den anderen im Vorurteil
identifizieren.
Jede Kommunikation ist ihm ein Ritual, sich in Relation zum Rang des anderen zu
offenbaren.
Liebe macht aus den Köpfen der Liebenden Geschlechtsteile.
Sie mytholgisiert die Befangenheit, das projektive Denken, die Abwendung von
der Gesellschaft.
Wahrscheinlich hat die Kunst ihren Ursprung in der Verliebtheit.
Kunst ist der Versuch, durch reine Anarchie statt zum Chaos
zum Werk zu gelangen. Man gelangt ohne Vorschrift zu Inhalt und Stil.
Ein Gedicht ist eine nicht realisierte Vollendung.
zurück
Der wichtigste funktionale Sinn der Demokratie ist, daß die Bevölkerung ihre
Regierung abwählen kann.
Es gibt einen Irrtum der Demokratie.
Der Bürger kann seine Regierung nicht wählen. Er kann nicht einmal eine
Mehrheit wählen. Das Volk wählt eine
Stellvertreterschar. Doch gibt es keine Identität von Volk und Einzelbürgern,
das Allgemeininteresse bleibt fiktional.
So wenig die einzelne Stimme für eine Mehrheit den Ausschlag geben kann,
sondern stets unberücksichtigte Minderheit bleibt, so wenig findet sich auch
das Einzelinteresse des Vertretenen im politischen Handeln abgebildet. Der
Stellvertreter vertritt faktisch nur seine eigenen Interessen, weil das
Allgemeine nicht das Wahre ist.
Das Stellvertretersystem entlarvt sich als ein Korruptionssystem.
Kennzeichend für alle Rückwärtsgewandten ist, daß sie aus der Geschichte
die falschen Schlüsse ziehen. Der rückwärtsgewandte Idealist glaubt an die sich
ewig wiederholende Geschichte. Er will es diesmal besser machen und tut aus den
allerbesten, idealistischen, scheinbar die Gemeinschaft, ja die ganze Welt beglückenden Gründen - das
Falsche.
Man kann aus der Geschichte nichts lernen. Sie wiederholt sich nie.
Wenn man aus der Geschichte lernen könnte, hätte die Menschheit längst den
Krieg und alle Ungerechtigkeiten abgeschafft.
Rationalisierung ist Instrumentalisierung.
Wo man nicht wissen kann, muß man glauben. Das ist der Punkt.
Die Menschen glauben an Gott, wo in ihren Denkzusammenhängen notwendig Gott
seinen Auftritt hat.
Noch korrekter betrachtet, sie glauben an Gott nur insoweit er
notwendig mitgedacht werden muß. Das ist der Grenzfall.
Insoweit Gott nicht mitgedacht werden muß, verhalten sie sich, als habe es ihn
nie gegeben.
Wie wir sehen, ist Gott ein sehr
praktischer Gott, den man Verschwinden lassen kann, wo er keine Funktion hat.
Das Ganze ist wohl eine gesunde Angelegenheit und als Gesundheitsfrage ohne
alle Moral.
Der Kopf der meisten Menschen ist halt nicht für die Metaphysik gebaut, so hat
Gott nur eine Nische.
Die moderne Religion betrachtet Gott im außermoralischen Sinne, wenn er
höchstselbst das Gute ist.
Ein Fehler wäre es nämlich immerhin, den Atheismus als moralische Frage zu
sehen, als gäbe es eine Verpflichtung, Gott zu leugnen.
Gott ist nie das Problem, denn Gott ist mein.
Entweder man hat ein gesundes Verhältnis zu Gott und gebraucht ihn dort und nur
dort, wo es nicht weh tut, sondern für das praktische Dasein nützlich ist, und
wo man seiner nicht bedarf, läßt man ihn weg, oder man hat ein Problem mit sich
selbst und steht vor den Problemen gedanklich reinster Blässe in
Angelegenheiten, die sich aller Überprüfung entziehen, sich also geradewegs im
Nichts aufhalten.
Religion heißt: Gott will nur dort sein, wo er nicht schädlich ist. Gott will
nicht Erkenntnis sein (was eine moralische Frage wäre, also die Angelegenheit
aller), und Gott will nicht zwanghaft weggedacht werden; man findet ihn in
praktischer Lebenserfahrung vor, oder man findet die Welt.
Gott ist wie ein Spiegel, es schaut nur heraus, was hineinsieht. Gott ist ein
privater Gast; man glaubt an ihn, oder man glaubt ohne ihn.
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