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Kinder und Armut Auswirkungen von Hartz IV
Von: Monika Lutzhöft
Der deutsche Kinderschutzbund hat errechnet, dass als
Folge des Hartz-Konzepts ca. 500.000 Kinder in die
Sozialhilfe gedrängt werden.
Der Deutsche Kinderschutzbund hat seit über einem Jahr
auf die drastischen Folgen von Hartz IV hingewiesen.
Schon heute müssen in Deutschland mehr als eine
Million Kinder von Sozialhilfe leben. Mit der
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im
Reformpaket Hartz IV werden es 1,5 Millionen
Kinder sein - jedes zehnte Kind. Wir müssen damit
rechnen, dass in den Großstädten 30% aller Kinder
auf Sozialhilfeniveau leben werden.
Sozialhilfeexperten haben errechnet, dass arme
Familien mit Kindern mit bis zu 20% weniger Geld
auskommen müssen (Handelsblatt 2004).
Die Höhe des Arbeitslosengeldes II orientiert sich an
der Sozialhilfe. Aber für Kinder und Jugendliche
wir sich etwas verändern: Kinder zwischen 7. und 18
Jahren erhalten weniger Sozialgeld als Sozialhilfe.
Kinder unter 7 Jahre hingegen mehr.
Auf dem Papier sieht das Arbeitslosengeld II höher aus
als die Sozialhilfe. Tatsächlich aber sind zu
den 295 Euro Regelsatz der Sozialhilfe Pauschalen
für einmalige Zahlungen in das ALG II mit aufgenommen,
die früher zusätzlich gewährt wurden. (z. B. Bekleidung,
Schuhe usw.) Läßt man dieses außer acht und zieht die
Pauschalen für einmalige Leistungen ab, so
erhalten:
- Kinder unter 7 Jahre mehr Geld als in der alten Sozialhilfe (29.50 E)
- Kinder ab 7 Jahren 5% weniger Geld (15,95 E)
- Jugendliche ab 14. Jahren 10% weniger Leistungen (29.50 E)
Siehe hierzu auch:
Nachgerechnet,
Wie aus mehr weniger wird und
Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe um 19
Prozent zu niedrig
"Geschiedenen und allein Erziehenden drohen
infolge des sog. Hatz IV Gesetze oftmals
finanzielle Nachteile . Dies gilt auch dann,
wenn sie selbst nicht, aber der zum Unterhalt
verpflichtete Partner langzeitarbeitslos wird."
Darauf hat der DGB-Vorsitzende des Kreises
Wesel, Michael Ritberger, aufmerksam gemacht.
Das neu eingeführte Arbeitslosengeld II
gefährde die Sicherung des Unterhalts von
Kinder getrennt lebender Eltern, wenn
ein Partner arbeitslos wird. Anders
als bei der bisherigen Arbeitslosengeld /
Arbeitslosenhilfe werden für Unterhaltszahlungen
von ALG II Empfängern oder deren Partner
an getrennt von ihnen lebenden Kindern
und/oder früheren Ehepartnern kein besonderer
Einkommensfreibetrag mehr eingeräumt,
so Rittberger weiter. Mit ALG II können
die Betroffenen ihrer Unterhaltspflicht
nicht mehr nachkommen, da ihnen das Gesetz
nur das Existenzminimum lässt, aus dem nichts
mehr abgezweigt werden kann.
Mit der oben genannten Darstellung von
Fakten haben wir zunächst nur eine Blick
auf die Einkommensarmut der Kinder gerichtet.
Tatsächlich korrespondiert die finanzielle
Armut in der Regel mit sozialer Armut bzw.
Benachteiligungen sowie gesundheitlichen
Beeinträchtigungen.
Kinder können dann als arm bezeichnet werden,
wenn folgende Kriterien zutreffen:
- Wenn die für ein einfaches tägliches Leben
erforderlichen Mittel unterschritten werden;
- wenn es an unterstützenden Netzwerken für ihre
soziale Integration mangelt:
- wenn sie von den für die Entwicklung von Sozialkompetenz
wichtigen Sozialbeziehungen abgeschnitten werden
- wenn Bildungsmöglichkeiten für ihre intellektuelle
und kulturellen Entwicklung fehlen.
- wenn sie in ihrem Umfeld gesundheitlichen
Beeinträchtigungen ausgesetzt sind;
- wenn Kinder in Familien vernachlässigt werden;
- wenn Kinder in Familien Gewalt ausgesetzt sind.
Unter Zugrundelegung dieses erweiterten Armutsbegriffs
sind in Deutschland mehrere Merkmale Armutsäußerungen.
Geringe Haushaltseinkommen, mangelhafte Bildung und Ausbildung
stehen in einer wechselseitigen Beziehung. Sie bauen
aufeinander auf, verstärken und bedingen sich gegenseitig.
(sehe: www.bürgerportal).
Die Arbeiterwohlfahrt hat das Leben und die
Auswirkungen der Armut aufeinander untersuchen lassen.
Sozialhilfeempfänger gelten schon lange
als arm. Seit 10 Jahren wir die Sozialhilfe
nicht mehr an die Preisentwicklung angepaßt
und liegt deshalb nach Berechnungen von Sozialhilfeverbänden
um etwa 6% unter dem gesellschaftlichen Mindestbedarf.
Die klassische Folge ist Isolation, erklärt Sabine
Walther vom Kinderschutzbund Berlin. Kinder gehen
nicht zu Geburtstagen, weil sie kein Geschenk kaufen
können. Vor der Klassenfahrt werden sie krankgemeldet,
fahren schwarz mit der U-Bahn - und schon
sind sie eingestiegen in eine Karriere der
Illegalität die in Kleinkriminalität enden kann.
Beispiel (taz 19.8.04)
Der Kinderreport von 2004 beschreibt die
Auswirkungen auf Bildungschancen armer
Kinder. "Die Armut wird für die Kinder
zum lebenslangen Rucksack. So haben Kinder
von Gutverdienenden eine 7,4 fach größere Chance,
ein Studium aufzunehmen, als Kinder aus
einem Elternhaus mit niedrigem sozialen
Status.
Schon für Kinder gilt: Armut macht körperlich
und seelisch krank. Gesundheitszustand, das
Wohlbefinden sowie die psychische Gesundheit
verschlechtern sich bei Kindern, die in sozialer
Armut leben. Hier spielen insbesondere
Infektionskrankheiten, Asthma, Zahnkrankheiten,
Kopf- und Rückenschmerzen eine Rolle.
Verschiedene Studien belegen, dass die
Zahl der Frühgeborenen und hier besonders
auch in Kombination mit einer Mangel-
bzw. stark verzögerten Entwicklung gerade bei
sozioökonomisch unterprivilegierten Müttern
signifikant erhöht ist.
Arme Menschen haben eine geringere
gesellschaftliche Lobby. Allzu oft wird
Armut mit individuellem Versagen gleichgestellt.
Die Gesundheitspolitik ignoriert die spezifische
Gesundheits- bzw. Krankheitsbelastungen
armer Menschen.
(www. nationale-armutskonferenz.de)

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