Alles ist überall
»Wer wird den Schießbefehl geben?«
1. Auswanderung wohin?
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The story has been told, die Geschichte ist
erzählt, und jetzt, da
sie alle kennen, die Bauern auf Kamtschatka und die Bauern
auf Feuerland und die Bauern auf Madagaskar und alle armen
Jungen und alle jungen Armen überall - jetzt soll sie nicht mehr
wahr sein? Kein Kalifornien oder Deutschland für alle? Das
mag ja noch angehen. Doch kein Kalifornien oder Deutschland
für niemanden da draußen außerhalb der EU, Japans und des
»God blessed country«, dem angeblich von Gott eigenhändig
gesegneten Land der Vereinigten Staaten von Amerika?
Wirklich kein Traumleben für niemanden, der noch nichts hat?

Niemals.
Die globale Gleichschaltung zeigt Wirkung. Wo immer
Fernsehbilder und Touristen den Lebensstandard der bisherigen
Industriestaaten dokumentieren und das eigene Land
außer Armut nichts zu bieten hat, bereitet sich die junge,
lebenshungrige Generation auf die Wanderung in die gelobten Länder
vor. Erst vor gut einem Jahrhundert exportierte Europa sein
enormes Bevölkerungswachstum und seine Armenheere auf
andere Kontinente. 18 Millionen Auswanderer verließen allein
Großbritannien, das entsprach der sechsfachen Einwohnerzahl
Londons, der damals weltgrößten Stadt.
(80)
Auch heute
nimmt auf der Insel und in anderen EU-Staaten die Armut wieder
zu, es wäre Zeit für eine neue Migration. Doch wohin?

2. Festung Europa
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Statt dessen drängeln Menschen, denen es noch viel schlechter
geht, über den Rio Grande in die gepriesenen USA und übers
Mittelmeer in die Job-Krisenregion Europa. Schon in den siebziger
Jahren waren 20 Prozent aller Arbeitskräfte Algeriens emigriert,
ebenso wie zwölf Prozent der Marokkaner und zehn
Prozent der Tunesier im arbeitsfähigen Alter.
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Die EU schließt
sich längst ein, verweigert Visa und Arbeitsgenehmigungen.
Und doch läßt sich die Festung Europa nicht verriegeln, der
Wassergraben ist zu schmal. Sogar auf einem einfachen Surfbrett
mit selbstgebasteltem Segel läßt sich über die Meerenge
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von Gibraltar die Grenze zwischen Arm und Reich in kurzer
Zeit überwinden. Die Regierungschefs der Europäischen
Union rüsten längst ihre Grenzschützer auf. »Millionen werden
kommen«, erwartet
Bertrand Schneider
vom Club of Rome. »Wer wird den Schießbefehl geben, um sie davon
abzuhalten?«
(82)

3. Diktatur mit beschränkter Haftung
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Anmerkungen
(80)
Weiner, Myron, The Global Migration Crisis, MIT, New York 1995.

(81)
Weiner, Myron, The Global Migration Crisis, MIT, New York 1995.

(82)
Gespräch am 27. 10. 1992 in Paris.

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