Zehn Ideen gegen die 20:80-Gesellschaft
1. Eine demokratisierte und handlungsfähige Europäische Union:
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Die
einzelnen europäischen Staaten sind im hochintegrierten
EU-Binnenmarkt nicht mehr reformfähig. Der EU-Staatenverbund
kann jedoch in seiner derzeitigen Form tiefgreifende
Veränderungen, etwa eine Öko-Steuer, auch nicht beschließen
und durchsetzen, weil den Ministerräten, dem eigentlichen
EU-Gesetzgebungsorgan, die demokratische Legitimation für
Mehrheitsentscheidungen fehlt. Öffentlichkeit für alle Sitzungen
der Ministerräte, Wahl der EU-Kommission durch das
Europäische Parlament und nationale Parlamentsdebatten
über jedes EU-Gesetz unter Beteiligung ausländischer Redner
können die europäische Demokratie mit Leben füllen und politische
Reformallianzen über die Grenzen hinweg ermöglichen.

2. Stärkung und Europäisierung der Bürgergesellschaft:
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Je
mehr die wachsende materielle Ungleichheit den Zusammenhalt
der Gesellschaften bedroht, um so wichtiger wird es,
daß die Bürger selbst die demokratischen Grundrechte verteidigen
und die soziale Solidarität stärken. Gleich ob in der
Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz, bei der Mitarbeit in Kinderläden
und Umweltinitiativen oder bei der Integration von
Zuwanderern, überall gibt es Möglichkeiten, sich der Ausgrenrung
der wirtschaftlich Schwachen entgegenzustellen und auf
Alternativen zu Marktradikalismus und Sozialabbau zu drängen.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Vernetzung
könnten dem millionenfachen Engagement weit mehr
Ausstrahlungskraft verleihen. Es ist das gute Recht eines jeden, bei
der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken, auch in Brüssel. Global
zu denken und lokal zu handeln ist gut, gemeinsam handeln
über die Grenzen hinweg ist besser.
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3. Die Europäische Währunsunion:
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Größe
ist der einzig wichtige Machtfaktor in der globalisierten
Ökonomie. Die Beseitigung von Europas monetärer Zersplitterung
durch den gemeinsamen Euro kann das Kräfteverhältnis
zwischen den Finanzmärkten und den europäischen Staaten
vom Kopf auf die Füße stellen. Die Wechselkurse können
stabilisiert werden, und der monetäre Außenwert europäischer
Produkte auf den Märkten in Asien und Amerika läßt sich mit
den Partnern in Übersee verhandeln und bleibt nicht der Willkür
der US-Notenbank und der Geldhändler in London, New
York oder Singapur überlassen. Gelänge es, den Euro zur führenden
Währung auszubauen, bekäme die EU genügend wirtschaftliche
Potenz, um auf die Trockenlegung der Steueroasen
zu drängen und private Zinsgewinne wieder der Steuerpflicht
zu unterstellen.

4. Ausdehnung der EU-Gesetzgebung auf die Besteuerung:
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Die
Steuerpolitik ist der Schlüssel zur demokratischen Lenkung
der wirtschaftlichen Entwicklung ohne dirigistische und
bürokratische Eingriffe in den Markt. Europas Wirtschaft ist
so hochgradig verflochten, daß solche Steuerung aber nur noch
auf europäischer Ebene durchführbar ist. Zudem läßt sich nur
so der EU-interne Wettlauf um die niedrigste Unternehmensbesteuerung
und die gegenseitige Abwerbung von vermögenden
Steuerzahlern beenden.

5. Erhebung einer Umsatzsteuer auf den Devisenhandel (Tobin-Tax)
und auf Euro-Kredite an nichteuropäische Banken
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Der
volkswirtschaftliche Schaden durch spekulativ verursachte
Wechselkursschwankungen läßt sich mit einer Devisenhandels-
und Kreditsteuer, wie sie der US-Ökonom
James Tobin
vorschlägt, erheblich vermindern. Weil sich das Geschäft
mit Zinsdifferenzen zwischen den einzelnen Währungen
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weniger lohnen würde, gewänne die Europäische Zentralbank
die Autonomie, die Zinshöhe der europäischen Konjunkturlage
anzupassen und müßte nicht der amerikanischen Vorgabe
folgen. Die Devisensteuer erschließt zudem dringend benötigte
Einnahmequellen für die Unterstützung jener Länder des Südens,
die auf den globalen Märkten nicht mithalten können.

6. Soziale und ökologische Mindeststandards für den Welthandel:
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Regierungen
in Entwicklungsländern, die mit Kinderarbeit,
rücksichtsloser Umweltzerstörung und Hungerlöhnen, die nur
mittels Repression gegen Gewerkschafter durchzusetzen sind,
ihrer dünnen Oberschicht Handelsgewinne am Weltmarkt
verschaffen, betreiben Raubbau an den menschlichen und
natürlichen Ressourcen ihrer Nationen. Würde die Welthandelsorganisation
WTO Sanktionen gegen solche Länder verhängen,
deren Machthaber nachweislich - und von Uno-Behörden
bestätigt-demokratische und ökonomische Grundrechte brechen,
wären die zumeist undemokratischen Eliten des Südens
gezwungen, eine Entwicklungspolitik zu betreiben, die ihre
Völker tatsächlich voranbringt.

7. Eine europaweite ökologische Steuerreform:
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Die
Besteuerung des Ressourcenverbrauchs kann arbeitsintensive
Gewerbe fördern und das ökologisch verheerende Wachstum
des Gütertransports über immer größere Distanzen
begrenzen. Menschliche Arbeit würde aufgewertet, energieintensive
Automation wäre weniger rentabel. Die Umschichtung
der Steuerlast bietet zudem die Chance, die Finanzierung des
Sozialstaats von den Einkommen der Beschäftigten zu trennen.
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8. Einführung einer europäischen Luxussteuer:
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Kapitalgewinne
auf seiten der Unternehmen lassen sich im
weltweiten Wettbewerb nicht straflos über dem Weltdurchschnitt
besteuern. Dies würde nur die Preise für Europas Produkte
und Dienstleistungen steigern und Investoren außer
Landes treiben. Um die Gewinner der Globalisierung dennoch
zu gerechten Anteilen an der Finanzierung staatlicher Aufgaben
zu beteiligen, ist eine erhöhte Mehrwertsteuer auf Luxusgüter
ein angemessener Ersatz, also eine 30prozentige Abgabe
auf alles, was Reichen Spaß macht: Immobilienkäufe über den
Eigenbedarf am Wohnort hinaus, Luxuslimousinen, Hochsee-Yachten,
Privatflugzeuge, hochwertiger Schmuck, kosmetische
Chirurgie...

9. Europäische Gewerkschaften:
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Das
größte Versäumnis von Europas Gewerkschaftsfunktionären
war ihr bisheriger Verzicht auf den Aufbau einer schlagkräftigen
EU-Organisation. Nur darum gibt es keine funktionierenden
europäischen Betriebsräte, nur darum lassen sich
die Belegschaften der Betriebe in verschiedenen Ländern
gegeneinander ausspielen. Würden die Arbeitnehmervertreter
ihre Kleinstaaterei beenden, wäre es mit der Übermacht der
effizient organisierten Unternehmenslobby im Brüsseler
Gesetzgebungsverfahren vorbei und die EU-Sozialpolitik könnte
Gestalt annehmen.

10. Stopp der Deregulierung ohne sozialen Flankenschutz:
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Die
Auflösung der bisher staatlich organisierten Monopole für
Kommunikationsdienstleistungen und Energieversorgung sowie
die Öffnung bislang geschützter Marktsektoren für den
internationalen Wettbewerb haben verheerende Auswirkungen
auf den Arbeitsmarkt. Wenn nicht sichergestellt werden
kann, daß wenigstens annähernd so viele Arbeitsplätze neu
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geschaffen werden, wie durch die Liberalisierung verlorengehen,
sollte jede Marktöffnung so lange vertagt werden, bis die
Arbeitslosigkeit wieder sinkt.

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