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1-Euro-Job bei der HAB
Dieser Bericht hat in der Presse ein breites Echo gefunden.
Er wurde erstmals in der E-Mailliste des Sozialforums-Hamburg
veröffentlicht. Das Original wird daher hier wiedergegeben.
Letzten Montag, erster offizieller Arbeitstag und
Einweisung.
Zuerst haben wir alle Arbeitskleidung erhalten:
blaue Latzhosen und Jacken, wo groß draufsteht: HAB Eidelstedt
(HAB = Hamburger-Arbeits-Beschaffung ) Das muß so sein, damit alle
anderen Menschen sofort sehen, mit wem sie es zu tun haben (?????),
so hat der "Fallmanager" (so nennen sich die zuständigen
Betreuer/Einweiser/Aufpasser ) es erklärt.
Danach theoretische Einweisung und Verhaltensregeln. Wir haben
erfahren, daß es den ganzen Tag dauern würde und wir nicht auf die
Straßen/Grünanlagen gehen werden.
Einer hat gefragt, warum sie dann diese Latzhosen und Stiefel den
ganzen Tag tragen müssen, wenn sie nicht die Grünanlagen sauber
machen und nur in diesen Räumen rumlaufen sollen...
Antwort: "Damit wir uns an Arbeitskleidung gewöhnen. Und um 6.00 Uhr
anzufangen, daß ist auch nur, damit wir lernen morgens
aufzustehen."
Wir sind dann darauf hingewiesen worden, daß wir natürlich keinen
Alkohol trinken dürfen, keine Drogen nehmen dürfen, uns nicht
prügeln und nicht gegenseitig sexuell belästigen dürfen.
Sehr ausführlich (ca. 2 Stunden!) hat dieser Fallmanager uns dann
erklärt, wo sexuelle Belästigung anfängt. Schon bei Blicken
...und wir müssen immer in der Kolonne bleiben, niemals dürfen
sich eine Person weiblichen Geschlechts und männlichen Geschlechts
zusammen von der Kolonne entfernen. Denn dann könnte es zu
sexuellen Übergriffen kommen.
Er, der "Fallmanager" darf auch nie mit einer weiblichen Person
alleine reden, denn die könnte ihn dann anzeigen, wegen sexueller
Belästigung, oder versuchter Vergewaltigung.
Es gibt zwei Gruppen, Jungerwachsene und Erwachsene. Es wurde den
Erwachsenen dann auch gesagt, sie dürfen keinen Kontakt zu den
Jungerwachsenen haben. weil sie, diese arbeitslosen Erwachsenen ein
schlechtes Beispiel sind. Deshalb sind die Jungerwachsenen in einer
Einrichtung in Volksdorf.
Nun sind in der einen Gruppe auch Menschen, die z.T. bis vor
zwei/drei Jahren gearbeitet haben, jetzt über 50 sind, Kinder groß
gezogen haben und vorher noch nie arbeitslos waren. Hinzu kommt,
daß alle, die jetzt schon da "eingewiesen" werden, freiwillig
gesagt haben, sie möchten so schnell, wie möglich arbeiten und
nicht zu Hause rumsitzen und bis zum 1.Januar warten...
Einige haben sich gefühlt, wie in einer Erziehungsanstalt und
teilweise haben wir gedacht, wir sind alle Schwerverbrecher.
Eine Aussage des "Fallmanagers":
Es werden keine Arbeitsplätze vernichtet, daß ist alles
Quatsch, was da an "Gerüchten" immer wieder auftaucht und
natürlich werden alle 1 Euro-Jobs nur für gemeinnützige
Arbeit verwendet!
1 Euro-Job-Arbeiter nehmen jedoch auch kostenlose Praktikumsstellen
in Anspruch und das natürlich nur in der Hoffnung, anschließend mit
einem normalen Lohn festangestellt zu werden. Eine hat den Antrag
auf den Praktikumsplatz gestellt und wenn ich das richtig
verstanden habe, muß der Betrieb noch nicht mal den einen Euro pro
Stunde zahlen, daß läuft weiter über das Sozialamt.
Ein anderer Kleinstbetrieb würde sofort auch so einen Praktikumsplatz
stellen, den einen Euro auch gerne bezahlen. Er braucht dringend einen
Mitarbeiter und so eine günstige Arbeitskraft zu bekommen, ohne
jegliches Risiko und Verantwortung wäre doch eine gute Sache.
Vielleicht wäre er dann sogar bereit, einen zuverlässigen
Mitarbeiter auch tatsächlich festanzustellen...
Wir sind jedoch der Meinung, es werden Arbeitsplätze vernichtet und
diese 1 Euro-Jobs werden für viele noch ungeahnte Folgen haben.
Als Beispiel dazu: die Freundin meiner Schwester hat natürlich im
Bekanntenkreis auch über dieses Praktikum und 1Euro-Job gesprochen
und gleich ein Angebot bekommen, meine Schwester könnte bei einer
weiteren Bekannten arbeiten, die würde ihr dann schwarz zusätzlich
7.-Euro bezahlen, entweder soll sie die behalten, oder mit der
Freundin teilen, da die schließlich die Anträge für das
Praktikum unterschrieben hat. Also Möglichkeiten ohne
Ende................
Wann es nun wohl die ersten Praktikumsvermittler für
1Euro-Job-Arbeiter gibt? Ob auf die Idee nicht schon mehrere
gekommen sind? Für mich ist unvorstellbar, was da abläuft und noch
ablaufen kann.
Natürlich haben in der Vergangenheit Unternehmen teilweise mit
diesen kostenlosen Praktikumsplätzen auch schon Leute ausgebeutet,
weil sie zu keinem Zeitpunkt vorhatten, wirklich jemanden
einzustellen, aber nun wird das ja noch richtig unterstützt. Diese
Praktikumsplätze sind natürlich nicht mit den Praktikumsplätzen
zu verwechseln, die Studenten, bisher Umschüler, teilweise
Berufsanfänger gebraucht haben und auch in Zukunft noch brauchen.
Weiter in der 1-Euro-Arbeitswoche:
Die ersten Tage waren rum. Die restlichen Tage sahen dann so aus,
daß alle weiterhin in diesem Gebäude waren. Nicht einmal etwas
"sinnvolles" tun durften. Der Tagesablauf sieht so aus,
daß z.B. ein gelernter Maler, 54 Jahre (zum ersten mal seit ca.2 Jahren
arbeitslos), dort aufgestellte Wände streichen muß. Zuerst in
weiß, dann in blau, immer so weiter, bis die Wand "kaputt"
gestrichen ist, dann wird sie entsorgt und eine neue aufgestellt. Daneben
steht eine Wand, da muß Einer, auch über 50 (seit ca. 3 Jahren
arbeitslos, vorher nie ) Fliesen dran kleben, die dann wieder
abgehauen werden und dann wieder neue Fliesen dran. Wieder ein
anderer muß eine Mauer mauern, die wird immer wieder, wenn eine
gewisse Größe erreicht ist umgetreten, dann wieder
aufgebaut...
Eine Ungelernte, hat Teppichreste bekommen und mußte den ganzen Tag
mit einem Teppichmesser Teile davon abschneiden und gleich in einen
Müllsack schmeißen. Wenn mensch nun denkt, daß sie das
machen sollte, um zu lernen, wie man Teppichboden verlegt, oder die, die
nicht streichen können, von dem Maler etwas lernen sollten...
Nein, keiner sagt, ob richtig gestrichen, gemauert usw, wurde...
Sie haben auch "Putzfrauen". Da haben sie welche aus der Gruppe
genommen, die müssen immer wieder den selben Flur putzen. Wenn er
sauber ist, kommt eine festangestellte Mitarbeiterin der HAB mit
einem Eimer voll "Schmierdreck" und macht den Flur wieder dreckig.
Und dann müssen sie wieder von vorne anfangen diesen Flur zu
putzen, acht Stunden am Tag..............
Schon am Donnerstag hat eine wissen wollen, wann sie denn nun
endlich wirklich arbeiten können, denn das kann es wohl nicht sein
und sie fühle sich, wie die anderen auch völlig verarscht. Antwort
vom "Fallmanager": Richtige Arbeit haben wir noch nicht für
sie, da kommen demnächst Angebote und sie müßten die
Leute nun eben einfach irgendwie beschäftigen, darum ist es
völlig egal, was für Teppichstücke geschnitten werden,
denn die kommen sowieso gleich auf den Müll...
Kamen Vorschläge, ob sie dann nicht wenigstens, wie eigentlich
angekündigt Hamburgs Straßen, Grünanlagen usw, sauber machen
könnten, gerade jetzt mit dem ganzen Laub wäre doch da genug zu
tun, oder im Altersheim, wo so ein Mangel besteht... Nein alles
nicht möglich, bis auf weiteres haben sie jeden Tag da zu
erscheinen und diese sinnlosen Arbeiten zu verrichten. Sie könnten
sich aber ja alle um einen Praktikumsplatz bewerben und noch besser
endlich sehen, daß sie selber Arbeit finden. Die ersten haben schon
Depressionen, weil sie da überhaupt nicht mit klar kommen, wie sie
da behandelt werden und ich kann so einen Wahnsinn auch nicht nach
vollziehen....
Einer, der vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat gesagt,
so schlimm war es noch nicht mal im Gefängnis und da wußte er
wenigstens, er hat "Mist" gemacht und muß nun seine Strafe
dafür absitzen. Das hat er gemacht und möchte nur arbeiten,
daß er nun schlimmer behandelt wird, daß hätte er sich
nicht vorgestellt.
Auch die fehlenden Arbeitsschutzmaßnahmen sind ganz schlimm. Die
Leute, die da mauern müssen, rühren z.B. den ganzen Tag ja immer
wieder Zement an und haben keine Atemschutzmasken bekommen. Einer
mußte den ganzen Tag eine Tür abschleifen, war schon über
und über mit diesem feinen Staub voll. Eine Teilnehmerin hat ihm dann
so eine Atemschutzmaske besorgt, weil sie es nicht mehr mit ansehen
konnte. Sie meint die werden auch gesundheitlich einem großen
Risiko ausgesetzt und da will sie nun auf jeden Fall etwas
unternehmen. Die Farben, sind auch Lackfarben dabei, stinken so
grausam, schon dieser Gestank ist zum Teil nicht auszuhalten.
Der "Fallmanager" ist übrigens selbst Gewerkschaftsmitglied.
Auf die Frage, ob er denn nicht etwas gegen diese Zustände unternehmen
könnte, antwortete er: "Nein, das könne er nicht, er wundere
sich zwar selbst schon ein wenig, aber die Gewerkschaften können hier
nicht helfen, weil es sich nicht um Arbeitsverhältnisse
handelt..."
Viel gebe es da noch zu schreiben, aber ich wollte Dir
nur ein wenig aus der Praxis, dieser ersten 1 Euro-Jobs schreiben...

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