| Menschenrechte
in den USA
Die Vereinigten Staaten als unermüdliche Verkünder von
Freiheit und Demokratie beglücken nicht nur alle Zahlungskräftigen
rund um den Globus mit Coca Cola, Hamburgern und Viagra, sondern
waren auch massgeblich an der Ausarbeitung der Allgemeinen Erklärung
der Menschenrechte beteiligt. Doch während der selbsternannte
Weltpolizist immer wieder gerne Menschenrechtsverletzungen in anderen
Ländern der Welt als Freibrief benutzt, diese mit Bomben und
Granaten zu bestrafen, nimmt er es mit diesen Internationalen Standards
innerhalb der eigenen Grenzen etwas sehr ungenau. Der folgende Bericht
gibt Auskunft über die Menschenrechtssituation in den USA.
Obwohl Amerika
die grösste Wirtschaftsmacht der Welt darstellt, existiert
innerhalb der Landesgrenzen ein krasses Wohlstands- und Machtgefälle.
Grosse Teile der Bevölkerung leiden unter sozialen Problemen
wie Arbeitslosigkeit, mangelnder Krankenfürsorge, Drogen- und
Gewaltkriminalität. Fast jedes zehnte US-amerikanische Kind
und viele Erwachsene leben in extremer Armut und nicht zuletzt aufgrund
des enorm weitverbreiteten Waffenbesitzes ist Mord die Todesursache
Nr. 1 unter schwarzen Jugendlichen. Das durchschnittliche weisse
Familieneinkommen ist fast doppelt so hoch wie dasjenige einer schwarzen
Familie. Statt dieser immensen Probleme bekämpfen die Behörden
aber die Menschen, die darunter leiden. Mit immer neuen diffusen
Patentrezepten wie "broken windows", "zero tolerance"
und "three strikes you're out" (die mittlerweile auch
in Europa auf Akzeptanz stossen) wird gegen diesen missbeliebigen
Teil der Bevölkerung vorgegangen. Immer mehr Menschen werden
aufgrund ihrer (wohl nicht ganz freiwilligen) Zugehörigkeit
zur Unterklasse kriminalisiert und verstärkter Repression ausgesetzt.
Wehe wenn
sie losgelassen: Polizeibrutalität in den USA
Im Dezember
1994 benutzte Anthony Baez und seine Freunde die Abendstunden in
New York um auf der Strasse ein wenig Fussball zu spielen. Dabei
trafen sie mit dem Ball zufällig ein in der nähe stehender
Streifenwagen, woraufhin ein erzürnter Polizist auf Anthony
stürzte und ihn am Nacken packte. Als der Junge bereits mit
dem Gesicht nach unten auf dem Boden lag, kamen andere Beamte hinzu
und knieten sich auf den Rücken des Jungen, so dass er keine
Luft mehr bekam und erstickte. Später stellte sich heraus,
dass der betreffende Polizist seit langem für sein brutales
Vorgehen berüchtigt war und dass er trotz 14 anderen, noch
hängigen Beschwerden im Dienst belassen wurde. Im Zusammenhang
mit dem Tod von Anthony Baez wurde er vor Gericht gestellt und freigesprochen!
Untersuchungen zeigen, dass es sich dabei nicht um traurige Einzelfälle
handelt, sondern dass in den USA ein weitverbreitetes Netz von systematischer
Polizeibrutalität existiert. Überall in Amerika werden
Menschen von Polizisten mit Schlägen, Fusstritten und Fausthieben
gequält. Andere hat man (fast) zum Ersticken gebracht oder
auf sie geschossen obwohl keine Gefahr von ihnen ausging. Bevorzugte
Opfer der um sich schlagenden Polizisten sind einmal mehr Angehörige
rassischer oder ethischer Minderheiten. Oftmals werden sie allein
aufgrund ihrer Hautfarbe für verdächtig taxiert, überprüft
oder misshandelt.
Allein in New York wurden in den letzten Jahren mehrere Tausend
Beschwerden wegen Übergriffen von seiten der Polizei bekannt.
In Washington töteten Polizisten in den letzten fünf Jahren
57 Menschen. Da staatliche Stellen routinemässigen Übergriffen
kaum Bedeutung schenken und zudem Polizeibeamte oftmals das Fehlverhalten
ihrer Kollegen decken, verlaufen strafrechtliche Untersuchungen
oftmals im Sand.
Einsperren
was das Zeug hält: Knäste in den USA
Mittlerweile
hat es Amerika geschafft, zum grössten Kerkermeister der Welt
zu werden. Das heisst, dass in den USA prozentual zur Bevölkerung
mehr Menschen hinter Gittern sitzen, als in irgend einem Land sonstwo
auf der Erde. Im Verhältnis zu "zivilisierten" Ländern
entspricht dies der fünf- bis zehnfachen Gefangenenanzahl.
Zu diesem traurigen Rekord führte eine extreme Aufrüstung
der Gefängnisstruktur und die Verlagerung der Strafvollzugsziele
weg von der Resozialisierung hin zu harten Strafen und dem Wegsperren
von Kriminellen. So dass die USA die Zahl der Inhaftierten zwischen
1980 - 1997 verdreifacht hat. Doch die Behörden haben mit dieser
enormen Erhöhung der Gefangenenzahlen nicht Schritt halten
können. Dies führte zu einer Überbelegung bei gleichzeitiger
Personalknappheit. Die Folge sind eine weitere krasse Verschlimmerung
der ohnehin unmenschlichen Knastbedingungen: verstopfte Toiletten
und Rohrleitungen, dreckige gesundheitsschädliche Verhältnisse
und schmutzige Zellenböden auf denen die Insassen ohne Matratzen
nächtigen müssen sowie Zellen voller Ungeziefer und ohne
rechte Luftzufuhr sind keine Seltenheit. Zusätzlich herrscht
hinter den Gefängnismauern ein Klima der Gewalt. Körperliche
und sexuelle Übergriffe vom Personal auf Insassen und den Gefangenen
untereinander sind an der Tagesordnung. Wehrlose Gefangene werden
nicht von gewaltbereiten Insassen getrennt, Untersuchungshäftlinge
nicht von bereits Verurteilten und sogar Kinder werden mit Erwachsenen
zusammen eingesperrt. Besonders hart trifft es einmal mehr die Frauen.
Sie sind verbalen sexuellen Anzüglichkeiten, dem berühren
intimer Körperstellen im Zuge von Leibesvisitationen, und Vergewaltigungen
durch Vollzugsbeamte fast schutzlos ausgeliefert, da sie aus Angst
vor Vergeltungsaktionen und dem weitreichenden Schweigekodex unter
den Beamten solche Misshandlungen kaum anzeigen können. Dass
in Frauengefängnissen nur noch weibliche Vollzugsbeamtinnen
die Betreuung der Insassen übernehmen dürfen, haben US-amerikanische
Gerichte abgelehnt. Begründung: Die Anstellungsverweigerung
von Männern in Frauenknästen stellt eine Diskriminierung
dar! Auch in der Justizpraxis zeigt sich einmal mehr das rassistische
Antlitz des Grossen Bruders: Obwohl sie nur gerade 12% der amerikanischen
Bevölkerung ausmachen, sind über die Hälfte aller
Gefängnisinsassen Schwarze. Jeder dritte Afroamerikaner zwischen
20-29 Jahren sitzt entweder im Knast, ist auf Bewährung draussen
oder bedingt haftentlassen. Die USA sind mittlerweile dazu übergegangen,
Gefängnisse durch Privatfirmen betreiben zu lassen. Im Rahmen
einer Marktwirtschaft sind diese natürlich in erster Linie
am Geldverdienen und nicht an der menschlichen Behandlung der Gefangenen
interessiert. So ist denn auch kaum anzunehmen, dass sich die Situation
der Inhaftierten in Zukunft kaum verbessern wird. Um noch mehr Gefangene
mit noch weniger Personal unter Kontrolle halten zu können,
stehen den Vollzugsbeamten eine Menge von Zwangsmitteln (Ketten,
Elektoschockgeräte, Gassprays...) zur Verfügung, die oftmals
nicht nur in Notsituationen, sondern willkürlich und in grausamer
Weise eingesetzt werden. Obwohl Internationale Standards dies Untersagen,
werden in den USA immer noch Ketten und Fussfesseln als legale Zwangsmittel
eingesetzt. Es kommt vor, dass Frauen noch während der Schwangerschaft
an Handgelenken, Fussgelenken und der Taille mit Ketten gefesselt
sind. Dies bedeutet eine tödliche Gefahr für das Ungeborene,
da sich die Frauen bei einem Sturz unmöglich mit Händen
abstützen können. Manchmal bleiben die weiblichen Gefangenen
selbst während der Geburt des Kindes angekettet. Als weiteres
Zwangsmittel wird der "Sicherungsstuhl", mit dem einige
der schlimmsten Übergriffe verübt wurden, verwendet. Er
bietet die Möglichkeit, Gefangene an Armen und Füssen
anzuschnallen und mit Gurten über Schultern und Brustkorb völlig
bewegungsunfähig zu machen. Für die Opfer birgt diese
Bewegungslosigkeit über längere Zeit, die Gefahr von tödlichen
Blutgerinseln. In Louisiana wurde ein 18-jähriger acht Tage
(!) auf den Sicherungsstuhl gebunden. Mehrere Häftlinge sind
bei dieser Behandlung schon gestorben. Andere Zwangsmittel, die
zum Missbrauch nur so einladen sind eine Anzahl von Elektroschockgeräten
(Gürtel, Schilde, Gewehre...), die in Kanada und den meisten
europäischen Ländern wegen deren Gefährlichkeit verboten
sind. In US-Knästen werden sie aber auch schon mal dazu benutzt,
Gefangene etwas unsanft aus dem Schlaf zu reissen.
Der Staat
als Massenmörder: Todesstrafe in den USA
Seit der Wiedereinführung
der Todesstrafe 1976 hat Amerika mehr als 500 Menschen hingerichtet
und über 3300 weiteren Gefangenen im Todestrakt droht ebenfalls
der Vollzug der Todesstrafe. Eine so hohe Anzahl von Todestraktinsassen
ist aus keinem anderen Land bekannt. Im weiteren haben die USA letztes
Jahr mit 74 Hinrichtungen die höchste Zahl seit 40 Jahren erreicht
und sind im Begriff, die Hinrichtungsmaschinerie entgegen internationalen
Trends noch weiter anzukurbeln. Lange Zeit rechtfertigten Politiker
die Todesstrafe mit ihrer angeblich "abschreckenden Wirkung"
auf potentielle Mörder. Da sich diese Behauptung aber sehr
leicht mit Fakten widerlegen lässt, sind die Todesstrafebefürworter
dazu übergegangen, die Beibehaltung der Todesstrafe als Forderung
des Volkes darzustellen. Selbst Bill sä ässhoul Clinton
liess es sich nicht nehmen, 1992 seine Wahlkampfreise zu unterbrechen
um persönlich einer Hinrichtung beizuwohnen. Härte und
gnadenlose Bestrafung gegenüber Kriminellen zu fordern, ist
in den USA zu einem erfolgsversprechenden Wahlthema geworden. Der
Bezirkstaatsanwalt von Oklahoma-City warb 1994 z.B. mit dem Verweis
"44 Mörder in die Todeszelle geschickt zu haben"
für seine Wiederwahl. Rassismus spielt bei der Verhängung
der Todesstrafe immer wieder eine massgebliche Rolle. Wie in den
Gefängnissen generell, sitzen auch in den Todestrakten überproportional
viele Schwarze. Für sie ist das Risiko zum Tode verurteilt
zu werden viermal höher als für einen Weissen. Zusätzlich
wird für die Ermordung eines Weissen viel eher die Todesstrafe
verhängt als für die Ermordung eines Schwarzen. Nicht
zuletzt weil diejenigen, die letztendlich über Leben und Tod
des Angeklagten entscheiden (also Bezirksstaatsanwälte, Geschworene....)
meistens weiss sind. Schon bei der Auswahl der Jury, die durch den
(wahrscheinlich weissen) Staatsanwalt erfolgt, kann beeinflusst
werden, ob letztendlich eine Verurteilung zu erwarten ist oder nicht.
In einem 1987 veröffentlichen Schulungsvideo für die Zusammenstellung
einer Jury heisst es: "Es ist wenig wahrscheinlich, dass Schwarze
aus einkommenschwachen Gegenden für einen Schuldspruch votieren...Sie
sollten sich nicht wünschen, solche Leute unter den Geschworenen
zu haben... Wenn sie an einen weissen Lehrer geraten, der an einer
schwarzen Schule unterrichtet und die Jugendlichen gründlich
satt hat, den sollten Sie akzeptieren." Selbst Jugendliche
und geistig Behinderte bleiben von der amerikanischen Hinrichtungsmaschinerie
nicht verschont, obwohl weltweit äusserste Zurückhaltung
herrscht, jugendlichen Straftätern das Leben zu nehmen. So
haben die USA seit 1990 acht zur Tatzeit noch minderjährige
hingerichtet und über 40 weitere erwarten in den Todestrakten
die Vollstreckung ihres Todesurteils. Einzig die Länder Iran,
Jemen, Nigeria, Pakistan und Saudi-Arabien haben dies in den 90'er
Jahren auch noch praktiziert. Pech hat, wer sich keinen eigenen
(teuren) Anwalt leisten kann. Ihm wird dann ein Pflichtverteidiger
zugeteilt. Dabei handelt es sich aber öfters um Leute mit mangelnder
Erfahrung oder Motivation, da sich die guten Anwälte ihr Geld
lieber mit millionenschweren Sammel- oder Schadenersatzklagen verdienen
und kaum an schlechtbezahlten Pflichtverteidigungen interessiert
sind. Mittellose Angeklagte können daher ihr Recht nicht vollumfänglich
in Anspruch nehmen und sind deshalb viel eher gefährdet zum
Tode verurteilt zu werden. Bisher sind 75 unschuldige Menschen,
die "irrtümlich" zum Tode verurteilt wurden, noch
rechtzeitig aus den Todeszellen entlassen worden. Dass es so weit
gekommen ist, verdanken sie ein paar wenigen, engagierten Rechtsanwälten,
die oftmals unentgeltlich oder für ein geringes Honorar arbeiten
und über Unterstützungszentren für zum Tode verurteilte
vermittelt werden. Genau diesen Zentren hat der Staat aber nun die
Bundesmittel gestrichen, so dass viele von ihnen gezwungen waren,
ihre Arbeit einzustellen. Wieviel unschuldige Menschen bereits hingerichtet
wurden, kann niemand sagen. In einer ganzen Reihe von dokumentierten
Fällen bestehen aber starke Zweifel an der wirklichen Schuld
von bereits Hingerichteten.
Wer hat noch
nicht, wer will noch mal: Waffenverkäufer USA
Die USA ist
seit dem Ende des Kalten Krieges mit rund 45% der weltweiten Rüstungstransfers
zum grössten Waffenhändler geworden. Immer wieder gehen
diese Waffenlieferungen an Länder, deren langes Sündenregister
in Sachen Menschenrechte allgemein bekannt ist. Darunter sind Ägypten,
Bahrain, Bolivien, Israel, Kolumbien, Mexiko, Pakistan, Saudi-Arabien
und die Türkei. Dass mit ihren Waffen rund um die Welt gefoltert
wird, scheinen die USA nicht im geringsten davon abzuhalten, weiterhin
Rüstungsgüter in die entsprechenden Länder zu verkaufen.
Problematisch ist vor allem ein enormer Mangel an Transparenz bei
Lieferungen von Kleinwaffen und Aufruhrbekämpfungsmittel (z.B.
Elektroschocker, Daumenfesseln, Gassprays...). Über den Handel
mit solchen Produkten existieren kaum offizielle Daten, obwohl gerade
damit die meisten Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Erst
Waffenverkäufe in der Grössenordnung von mehr als 14 Millionen
Dollar sind gegenüber dem Kongress meldepflichtig. Dies ist
ein Finanzvolumen, das bei Transfers mit leichten Waffen kaum je
erreicht wird. Viele der Rüstungslieferungen wickeln die USA
verdeckt, manchmal auch über Drittstaaten ab. Sie gelangen
meist erst Jahre danach durch Ermittlungen von Journalisten und
Menschenrechtlern an die Öffentlichkeit. Zusätzlich zu
Waffenlieferungen bieten die USA in über 150 Trainingscamps
auch umfassende Ausbildungsprogramme für ausländische
Streitkräfte an. Darunter finden sich immer wieder Absolventen,
die in ihren Heimatländer für gravierende Menschenrechtsverletzungen
verantwortlich sind. In von offiziellen amerikanischen Stellen erarbeiteten
Schulungsbüchern, die bis 1991 verwendet wurden, wird zum Teil
direkt zu Morden, Zwangsmassnahmen und Misshandlungen ermutigt.
Mittlerweile dürfen in den USA sogar private Firmen ausländischen
Staaten militärisches Training und andere Dienstleistungen
anbieten. Diese werden vermutlich aufgrund ihrer gewinnorientierten
Geschäftspolitik noch unkritischer mit "Kunden" umgehen,
die sich für Menschenrechtsverletzungen, Folter und Massaker
zu verantworten haben.
Material zur
USA-Kampagne von amnesty international sowie das Buch "USA,
Hüter der Menschenrechte?", auf dem diese Zusammenstellung
zur Hauptsache basiert, sind unter der folgenden Adresse erhältlich:
Amnesty International
Schweizer Sektion
Postfach
3001 Bern
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