Tanzkurs

Die Zähne geputzt, die Schuhe poliert, der Besuch beim Hairstylisten, das kurze Nachbräunen im Solarium sowie Mani- und Pediküre sind erledigt und die passende Abendgarderobe sitzt perfekt. Kurz... du bist bereit dem Auftritt deiner favorisierten Punkcombo beizuwohnen!
Doch schon nach den ersten paar Takten fällt dir auf, dass Eleganz und Virtuosität der Tanzbewegungen wieder einmal mehr Privileg der übrigen Partygäste sind. Deine Freude über die gute Musik manifestiert sich einzig in unbeholfenem Zappeln und peinlichem spastischen Zucken. Um solch beschämende Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, widmen wir uns deshalb heute einer leicht erlernbaren, bei gesellschaftlichen Anlässen von hohem Kulturwert aber oft zelebrierten Tanzform: dem Pogo.

Vorbereitungen:

Vor Beginn des Tanzaktes sollte stets auf eine saubere Bodenfläche geachtet werden: Bierleichen und irrtümlicherweise wiedergegebene Mageninhalte haben auf dem Parkett des etablierten Tanzlokals nichts zu suchen!

Grundschritt:

Deine Füsse stehen im 60° Winkel zueinander und innerlich beginnst du die 4/4 des Pogos mitzuzählen (Lippen nicht bewegen!). Hierbei leistet ein lockeres Mitwippen des rechten Fusses gute Dienste, das zudem deine innere Anspannung erheblich mindert. Auf eins saust du dann urplötzlich von einem animalischen Schrei begleitet wie wild durch die Gegend, wirbelst so schnell du kannst um deine eigene Achse und versuchst dazu dein sympathisches Zahnpastareklamelächeln zu bewahren Der vierte Schlag dient dann zu deiner Erholung, bevor es auf eins wieder von Vorne losgeht.

Variation:

Der fortgeschrittenen Tänzerin bieten sich kleine Variationen an, die sich beliebig in die stetige Wiederholung des Grundschrittes einbauen lassen. Zum Beispiel das unerwartet-den-Tanzpartnern-in-die-Fresse-hauen, das frivole mit-Doc's-den-Anderen-die-Kniescheiben-zertrümmern oder das lustige die-Nächste-mit-voller-Wucht-in-die-Betonsäule-knallen.

Regel:

Stets ist dabei aber das oberste Gebot des Pogos zu beachten: Immer schön fair bleiben!

Vorsicht!

Auf jeden Fall solltest du aber auf das stumpfsinnige Schütteln des Kopfes, (in Fachkreisen Headbangen genannt) verzichten. Dies würde deine streng geheimgehaltene vorpubertäre Heavy Metal-Phase preisgeben, was in kultivierten Punkrockkreisen äusserst unvorteilhafte Auswirkungen auf deine Gesundheit haben könnte.

Folgst du aber den Anweisungen dieser Lektion werden sich schon beim ersten Mal überwältigende Erfolge einstellen, kannst du deinen heheren Gefühlen die gebührende Authenzität verleihen, wirst du zum John Travolta des Punkrocks !!!

Nur Mut!

P.S.
Zum effizienteren Lernen dieser Lektion ist überall im Fachhandel eine Übungskassette mit erlesenem Liedgut erhältlich.

inkulant #1 / 1999