make war not love


Vor dreissig Jahren standen sie mit Blumen in den Haaren und erweiterten Pupillen auf den Barrikaden. Unter massivem Einfluss von THC und LSD kämpften sie für eine friedvolle und gerechte Welt. Zu Tausenden protestierten sie gegen den barbarischen Vietnamkrieg und verweigerten selbstverständlich auch den Wehrdienst: Anstelle von Militärschuh und Marschmusik huldigten sie den Jesussandalen und Holzgitarren. Von den im Drogenrausch gezeugten Kindern liessen sie sich natürlich konsequent beim Vornamen nennen. Ein Mami oder Papi war ebenso tabu wie das spielen mit Spielzeugpistolen.
Ein paar von ihnen sind leider nie mehr von ihrem esoterischen Selbsfindungstrip nach Indien zurückgekehrt. Der harte Kern aber hat völlig selbstlos den erbarmungslosen Gang durch die Institutionen auf sich genommen. Um die Welt zum Guten zu verändern war ihnen nichts zu schade: Weder der Gang zum Frisör noch der Tausch der Birkenstocksandalen gegen ein paar Turnschuhe (in einem Bundestag ist's schliesslich immer noch voll die Provokation).
Und nun endlich an der Macht, da donnern sie schon los. Aus dem bunt bemalten VW Bus sind tarnfarbene Kampfflugzeuge geworden und die Bomben, die in Vietnam noch auf bestialische Weise unschuldige Kinder zerfetzten verbreiten nun Freiheit und Demokratie in Ex-Jugoslawien. "Make War not Love", haben sie doch damals trotzig verkündet und den bürgerlichen Spiessern damit gezeigt, dass sie alles besser machen würden. Oder irrt sich da ihr von früheren Drogenexzessen zerfressenes Gehirn?
Momentan sind sie leider trotzt ihrem ökologischen Bewusstsein manchmal dazu gezwungen auf dem Rückflug ein paar übriggebliebene Bomben in der Adria zu versenken. Doch dies ist immer noch besser als ihre Hippieideale über Bord zu werfen. Recyclingtonnen für leere Patronenhülsen und der 3-Liter Panzer sind sicher bald serienreif.

Ja die Welt ist verdammt schön geworden, seit die 68'er Generation an der Macht ist. So schön, dass sie einzig noch von Uriella verbessert werden könnte.

inkulant #1 / 1999