| "Wir
wollen sein ein einig Volk von Hosenscheissern!"
So oder ähnlich
werden unsere Vorfahren mit bebenden Herzen und zittrigen Fingern
geschworen und damit die Niederkunft Hel(l)vetiens verbrochen haben.
Und bis zum heutigen Tag geben sich die aufrechten Schweizer BürgerInnen
ordentlich Mühe, dieser historischen Maxime treu zu dienen.
Zumindest macht dies den Anschein, wenn die mentale Verstimmung
über eine eidgenössische Abstimmung einmal mehr den Vegiboot
drückt. Bei Volksentscheiden verharrt meine Trefferquote (mit
ein paar Ausnahmen) nämlich seit Jahren stabil im tiefroten
Bereich... Eigentlich könnte mensch sich ja mit der Zeit daran
gewöhnen. Trotzdem fällt es schwer zu verstehen, warum
die Mehrheit der Bevölkerung immer wieder beharrlich gegen
ihre eigenen Interessen stimmt (und etwas weniger, warum sie gegen
die Interessen von Benachteiligten stimmt). Zumal Abstimmungsvorlagen
systembedingt ja sowieso niemals einen revolutionären Charakter
haben!
Aber eben, weiter
Denken als bis zum Feierabendbier scheint hochgradig unpopulär.
Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass Abend für
Abend trotzige EidgenossInnen an den Stammtischen und anderen fruchtbaren,
- ääähm Pardon, furchtbaren - Stätten der Weisheit
ihren Unmut über das ach so gemeine System ins Bierglas weinen?
Dass sie, orchestriert von markigen Rülpsern, vom Alkohol zu
philosophischen Höhenflügen verleitet immer wieder widerborstig
feststellen: "Die in Bern machen ja sowieso, was sie wollen!"...
um dann, noch ehe ihr Rausch verflogen ist, genau so zu stimmen
wie's der Bundesrat und die bürgerlichen Bonzen gewünscht
haben? Gegen billigere Krankenkassenprämien (obwohl viele sie
nicht mehr bezahlen können), gegen besseren Mieterschutz (obwohl
die meisten Mieter sind), gegen weniger Arbeit (obwohl die meisten
Angestellte sind). gegen mehr Ferien (obwohl die meisten zu viel
schuften), dafür aber für eine strahlende Zukunft mit
Atomstrom oder für Steuergeschenke an Superreiche!
Die privilegierte Elite braucht einzig den wurstigen Zeigefinger
zu heben und das Land mit ihrer Standarddrohung zuzukleistern: "Es
wird euch etwas kosten!". Schon stimmen die braven SpiessbürgerInnen
wie gewünscht!
Nun liebe Brüder (und seit 1971 auch Schwestern):
"Scheisst
artig weiter!"
inkulant
#3 / frühling 2004
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