anarchie?!

Natürlich ist der Anarchismus (zur Zeit) Utopie und für den in der heutigen Zeit lebenden Menschen, für den staatliche Kontrolle, gesellschaftliche Ordnung, globale Medienberichterstattung (Verfälschung) und globaler Handel (Konsum) selbstverständlich sind, schwierig zu verstehen. Auch ich glaube nicht (mehr) daran, dass wir eines Tage in einer herrschaftslosen, auf Selbstvernunft basierenden Gesellschaft leben werden.
Dennoch bin ich der Meinung, dass jede/r sein eigenes, funktionstüchtiges Hirn hat. Ich bin der Meinung, dass wer ein eigenes, funktionstüchtiges Hirn hat, überlegen, Entscheidungen treffen und Verantwortung über sein Tun und Lassen tragen kann. Ich bin der Meinung, dass jede/r, der/die überlegen, Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen kann, fähig ist, sein eigenes Leben für sich zu gestalten, ohne sich von oben und unten, von links und rechts, beeinflussen zu lassen. Ich bin der Meinung, dass alle Menschen, unabhängig ihrer Herkunft, ihres Besitzes etc., GLEICH sind, dass folgedessen kein Mensch das Recht hat, über einen anderen Menschen zu bestimmen, zu diktieren und zu regieren.
Dass dies leider nicht der Fall ist und sich eigentlich intelligente Menschen (aus Faulheit, Blindheit, Ignoranz?) gerne führen und blenden lassen, ist leider die brutale Realität.

Soll ich es also all anderen gleich machen, obwohl ich weiss, dass es für mich falsch ist? Soll ich also weiterhin Konzerne und Institutionen unterstützen, welche für das Leid Tausender verantwortlich sind? Soll ich also die Pille schlucken, meine Augen verschliessen und mein Schicksal einfach so akzeptieren?
Ist es nicht mein Recht, meinen eigenen Weg zu suchen und zu gehen ohne von links und rechts stets Zurechtweisungen zu erhalten? Ist es nicht mein Recht, als (Quer-)Denker mich gegen Missstände zu wehren und für mein eigenes freies Leben, frei von Unterdrückung und Ausbeutung, und dessen anderer Menschen zu kämpfen? Habe ich, für mich selbst, nicht auch die Legitimation, notfalls Gewalt anzuwenden? Ich glaube sehr wohl.

Ich kann für mich selbst entscheiden was, gut und was falsch ist. Und wenn ich irgendwo gezielte Gewalt anwende (was auch immer darunter zu verstehen ist), heisst das nicht, dass ich nicht am darauffolgenden Tag der Oma im Bus Platz mache. Wenn ich mich gegen die Arbeitshetze und den Produktivitätswahn der kapitalistischen, ausbeuterischen Wirtschaft zur Wehr setze, heisst das nicht, dass ich zu faul bin um zu arbeiten.

Lieber kämpfe ich, lasse meine Aggressionen und Frust an dem/denen aus, das/die sie verursachen, mit Aussicht auf ein kleinwenig Besserung, als irgendwo in einem Zimmerchen zu resignieren, mich selbst zu belügen oder irgendwelche Depressionen zu erleiden.


In diesem Sinne : Haltet die Ohren steif, lasst euch nicht unterkriegen und versucht euren eigenen Weg zugehen... und nur den eurigen!!!


Greetz,
Nr. 19

inkulant #3 / frühling 2004