Anti-Society Festival

3./4. August 2001, Tschechien

puh, scheisse. ich versuche, wenn immer möglich, die innenstadt am samstag zu meiden. hunderte von komischen menschen überfluten die stadt, drängeln sich in die läden und grapschen nach allem, was käuflich ist. ich hasse es, wenn ich in solche menschenaufläufe muss, vor allem, wenn es eben solche menschen sind. und das sind es ja fast immer. wenn ich mich ab und zu mal frage, warum eigentlich die ganze welt am abkacken ist dann muss ich nur an einem samstag hier in die innenstadt und mir die menschen anschauen, und alles ist klar, traurig aber wahr. den rest vom tag hab' ich dann zu hause verhängt, nur lesen und sonst nix. fanzines sind was, was ich nie wegwerfe, und so hab' ich auch heute wieder einen stapel alter hefte hervorgekramt und gelesen; obwohl ich einige davon inzwischen fast auswendig kenne - wasted paper zum beispiel. oder alte romp-hefte. die kann ich immer und immer wieder lesen; sind halt cool geschrieben. nächste woche geht die schule wieder los, sehr schön, da darf ich mich dann wieder mit irgendwelchem scheiss rumnerven, der mich eigentlich gar nicht interessiert, nur weil ich den abschluss will. ist ja nicht alles so schlimm, aber bei gewissen sachen muss ich mich richtig zwingen, das zeug zu lernen, weil's mich einfach nicht im geringsten interessiert. und ich finde dann auch immer tausend gründe, um mich selber zu bescheissen und alles andere aussert lernen zu machen, bis jetzt hat das sogar geklappt; hoffen wir mal, dass es so weitergeht...

jau, und jetzt ist samstag abend und ich sitze zu hause. hab auch gar keine lust, noch was zu machen. gestern war ich mal wieder meine oma besuchen; die wohnt eigentlich nur am anderen ende der stadt, aber ich geh da trotzdem viel zu selten hin. weil eigentlich mag ich sie supergut; wirklich eine der weinigen personen aus meiner verwandschaft, die ich abkann. ab und zu lässt sich auch die begegnung mit dem rest nicht vermeiden, aber wenn möglich geh' ich denen aus dem weg. andererseits, wenn ich mal ein paar leute aus meiner verwandschaft getroffen habe fühle ich mich auch nicht schlecht danach. wenn ich sehe, was die für ein scheiss-leben führen; ständig am rumjammern wegen job/hypothek/alimenten/steuern...bin ich froh muss ich nicht tauschen. oder dann sind das so karriere-typen geworden, zahnarzt, bankdirektor oder so, igitt. und haben natürlich nicht das geringste verständnis, dass man das nicht toll findet.

letztes wochenende waren wir mal wieder im dienste des punkrock unterwegs; richtung osten. am deutschen zoll fragte uns dann eine nette bgs-frau, wo wir hinwollen. 'dresden' liess sie als antwort nicht gelten, da anscheinend für das gleiche wochenende in cottbus chaos-tage angesagt waren, und 'aufgrund ihrer äusseren erscheinung stufe ich sie als potenzielle chaos-tage-besucher ein'. so sprach sie zu uns, bevor das bekannte und beliebte 'bitte fahren sie mal rechts ran' ertönte. 'ich werde jetzt ihr fahrzeug durchsuchen' war uns ja noch relativ egal, aber als dann noch ein weiterer bgs-beamter (ratet mal, ob der einen schnauz hatte? richtig!) mit latex-handschuhen auf uns zuschritt schwante uns schon übles...aber wir blieben verschont, und unsere muskeln entspannten sich wieder. die durchsuchung war dann mal zu ende, und mit einem freundlichen 'machen sie sich nicht strafbar' wurden wir verabschiedet.
dresden war dann auch bald mal erreicht, und nach einigem rumgekurve fanden wir auch die garage; wo ein paar punx ein kleines aber feines lokal haben.

am nächsten morgen ging's dann nach einer leckeren pizza zum frühstück nach trutnov, tschechien, wo das jährliche anti-society-festival stattfinden sollte. und fast pünktlich zu unserer ankunft begann's dann auch zu regnen. danach begann es stark zu regnen. und zuletzt setzte das gewitter ein. beim auftritt von konflikt wurde abgebrochen, die restlichen bands gestrichen...und das um etwa 22.00 uhr.
insgesamt sollten ja 37 bands in zwei tagen spielen. nach dem abbruch des ersten tages fielen ein paar dann aus, der rest vom vortag wurde auf den zweiten tag verschoben - es standen uns 17 stunden konzert bevor.
in der letzten zeit war da mal so ein geplänkel wegen loikaemie, weil ein 'fan' von denen die gerne bei uns im kuzeb hätte spielen lassen und wir nicht wollten, weil 1. beschissener bandname 2. blöde songtexte 3. auch sonst nicht gerade originelle äusserungen in interviews und 4. vor allem wir nix über leute buchen, deren e-mail-adresse mit 18 aufhört (jaja, kleinkrämerei, polit-scheisse, szene-spalterei...leckt mich doch am arsch und gebt euch ganz dufte unpolitisch die kugel!). das hatte mich dann doch auch ein bisschen neugierig (oder besser: noigierig) gemacht, ausserdem machte der regen gerade mal eine pause. also loikaemie angeguckt; die haben dann gerade was wie 'skinheads remember the spirit of 69' zum besten gegeben; logo, wo die doch genau diese zeit miterlebt haben...hähä. den anwesenden hat's aber wohl ganz gut gefallen, es wurde getanzt und 'oi oi oi' gerufen, nach den liedern wurden dann auch 'skinhäääd, skinhäääd' gebrüllt, damit wir auch wussten, dass das vor der bühne jetzt also skinheads sind. zum abschluss noch ein cover von menace und gut war. danch kamen kud idijoti, die hatten wohl nicht gerade den besten tag erwischt, jedenfalls fand ich sie nicht so dolle; sodass ich mich lieber wieder richtung bierstand aufmachte. schade, ich fand kud idijoti bisher immer klasse, aber diesmal...wär's 'ne andere band gewesen wär ich wohl noch eher abgehauen. also lieber wieder bei den dresdnern vorbeigeschaut und angestossen; die vielen anwesenden platten-/shirt-/patches- und buttons-kisten durchgewühlt und danach wieder vor die bühne; aurora waren an der reihe. und haben natürlich gerockt wie sau! entsprechend wurden sie auch abgefeiert. und nach der hälfte von ihrem set musste ich dann ganz derbe kacka machen und hab' fast den ganzen rest verpasst. jedenfalls habe ich noch bella ciao mitgekriegt. bei zona a hat's dann wieder zu regnen begonnen, was mich mit dem regenschirm enorm beliebt machte ('darf ich da auch drunterstehen?'). danch n.v.u., die leute am rumtoben, und beim alten gassenhauer 'if the kids are united' (echt spitze, zum ersten mal von einer band gecovert...) war das ganze gelände (bis auf einen) am mitgröhlen und hat fast die anlage übertönt.
inzwischen war's recht sumpfig geworden; den einen oder anderen hat's auch mal umgehauen...besonders geil fand ich die kleine, langhaarige frau mit dem ledermantel, die sich wohl im schlamm gewälzt hat. jedenfalls sah man rundum nur dreck, nur das weisse der augen leuchtete heraus. und jeden, der ihr zu nahe kam, hat sie angeknurrt...und zwischendurch mal einen sehr auf seine sauberkeit bedachten skinhead umarmt und ihn vollgeschmiert. kennt ihr 'das ding aus dem sumpf'? etwa so.
nach n.v.u. kam die nächste band, als die ein saxophon und ein keyboard auf die bühne trugen hab' ich mich schleunigst verzogen; lieber die zeit für was sinnvolles wie etwas essen nutzen als ska hören. nach dem essen nochmal kurz vor der bühne vorbeigeschaut, da spielte inzwischen eine englische skinhead-band mit einem ganz, ganz schlechten schlagzeuger. auch nicht unbedingt was für mich, also lieber ein kurzes verdauungs-schläfchen eingelegt. und genau wie die woche davor in frankreich hab' ich auch hier verpennt ('wieso hast du dir die letzten fünf bands nicht mehr angesehen?). immerhin funktionierte diesmal der weckdienst, und pünktlich zu den varukers war ich wieder auf den beinen und vor der bühne. und sie haben wieder geknallt ohne ende; einfach nur geil! zwischendurch hüpfte mal noch die sängerin von fleas and lice über die bühne, und ein nackter wasweissich spuckte feuer.

unser quoten-bayer hermann war am nachmittag nach einer flasche southern comfort schon abgekackt, soli, inzwischen mit regen-bedingter mike-ness-frisur, war auch schon weg, und ich mochte mich auch nicht länger auf den beinen halten. also zurück zum zelt, auch diesmal klappte das kurz-hinlegen nicht, also durchschlafen bis zum morgen.
am nächsten morgen haben wir dann die erste regenpause zum zelt-abbauen und hermann-wachtreten genutzt. dieser war von seinem whisky immer noch gut bedient, jedenfalls bestand er darauf, dem zöllner ein gedicht vorzutragen (und musste schon fast mit gewalt davon abgehalten werden). back in dresden dann nochmals zu 'sultan's döner'; also wenn ihr mal in dresden seid - da müsst ihr unbedingt essen gehen! die rückfahrt verlief eher unspektakulär, ich entdeckte ein tape von showcase showdown und war selig.

jo, und jetzt ist 22.06 uhr. ich wird' mich wohl noch mit meinen mitbewohnerinnen vor die glotze hocken und so den rest vom samstag totschlagen. morgens spielen raivopäät und peruutetuu im kuzeb, das ist natürlich was ganz feines; mal wieder was punkiges aus finnland live zu sehen.

das wär's dann mal wieder von hier - gehabt euch wohl!

Dieter / 2001 (für eine nicht erschienene inkulant-ausgabe!)