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Fliegen 05.09.2003

Ich war als Thermikfreak natürlich sehr gespannt, ob die kleine Libelle mit dem für mich ungewohnt hohen Gewicht (mein erster Großsegler!) überhaupt entsprechend fliegt. Die ersten Starts erfolgten daher auf einer großen Hangwiese bei Tulbing im Tullner Becken. Der Start war mal problemlos, trotz des geringen Gegenwindes nahm sie sofort Fahrt auf und gleitete ruhig Richtung Tal. Nach den ersten Kreisen fasste ich ein bisschen Vertrauen und versuchte die schwache Abendthermik zu nützen. Dabei fiel mir auf, dass sie das Steigen zwar gut mitnimmt und auch relativ langsam fliegen kann, aber bei etwas zuviel Höhenruder (oder mehr Anstellwinkel) zu Sinken bzw. Abzukippen beginnt. So passierte mir dann das Malheur, nach ca. 15 Minuten Flugzeit und leichter Startüberhöhung kam ich etwas zu nahe an die Bäume und ich versuchte den Kreis enger zu ziehen. Irgendwie hatte das aber überhaupt keine Wirkung, sondern sie flog plötzlich geradeaus weiter (Sackflug?) und setzte sich raschelnd in eine Baumkrone. 

Uuups!?! Zuerst konnte ich es gar nicht glauben, aber das gute Stück lag in ca. 10 Meter Höhe im Baum. Klarerweise war der Stamm unterhalb viel zu dünn zum Klettern. Ich und mein Schwiegervater Gerhard waren ratlos. Klettern nein. Leiter ja..aber woher? Nach ein paar Telefonaten mit Bekannten aus der Gegend konnte Gerhard einen Feuerwehrmann auftreiben um die Lage zu inspizieren. Der meinte aber, nein, so eine hohe Leiter gäbe es nicht und außerdem wäre das zu gefährlich, weil man die nicht einfach an die dünnen Äste anlehnen kann. Pffff. Was nun? Er meinte, es bliebe nur seine Kollegen aus Tulln anzurufen, die hätten eine Kranwagen..aber ob die raufkämen - die Zufahrt zu der Wiese bestand aus einem schmalen schottrigen Feldweg? Kurz und gut, mit viel Schwung und Einsatz schaffte es der Kranwagen der FFW Tulln den holprigen Weg und die steile Wiese hochzufahren, obwohl 240 PS für 15 Tonnen nicht wirklich arg viel sind. Mit Präzision wurde der Korb auf die Höhe der Libelle gefahren und diese vorsichtig rausgehoben. Und..es hatte sich gelohnt, die Libelle hatte nichts, gar nix, keinen Kratzer. Spitze, mit einem entsprechenden Unkostenbeitrag und einem kräftigen Händedruck bedankten wir uns bei der Feuerwehr und konnten uns über den glücklichen Ausgang freuen.

Vorläufiges Fazit: Die Libelle von Graupner ist sehr robust gebaut und sie steckt so einen kleinen Flugunfall erstaunlich gut weg. Man könnte sich aber fragen, ob eine etwas gewichtsärmere Bauweise nicht noch bessere Langsamflugeigenschaften bewirkt und so eher dem Modellverlust vorbeugt ;) Die Baumlandung war natürlich mein Fehler, aber nach jahrelangem HLG- und Ellipse2-Fliegen bin ich anscheinend verwöhnt. Da einschlägige Magazine in ihren Testberichten hohe Flächenbelastung immer für gut heißen ("besserer Durchzug..fliegt ja dann erst richtig") werde ich mich wohl darauf einstellen.
 

Alles klar für den Erstflug 15 Minuten später..Autsch!
Die Libelle ist in einem 10 Meter hohen Baum gelandet
Leider zu hoch für eine normale Leiter So brauchten wir eine etwas größere :)
Ein netter 15 Tonnen Kran Und..nichts kaputt, nicht einmal ein Kratzer!
 
Danke Burschen!