Eines Morgens erwachte die Göttin Athene und erinnerte sich beim
Morgenmahl an die Erscheinung der vergangenen Nacht. Sie erinnerte sich
an ihre mit Schlangenhaaren und großen Hauzähnen versehene
Medusenschwester Euryiale, die wehklagte und stöhnte ob ihres Schicksals.
Und sie tat es auf solch erschütternde Weise, daß Athene sich entschloß,
besagtes Wehklagen in ein Instrument zu bannen und so zur Kunst zu
erheben.Allerdings war zu diesem Zeitpunkt von Musik noch nicht die Rede.
So setzte sich Athene also hin und entwickelte und verwirklichte ihr
Vorhaben, indem sie den aulos schuf - einen länglichen Hohlraum mit
Grifflöchern und einem Doppelrohrblatt zur Klangerzeugung, so hart,
daß es dem Spieler des Instruments die Backen beim Pusten sprengen konnte
- so glaubte man jedenfalls.
Aber es war ein Klang, dem menschlichen Atem nahe, wie ein Schrei - das
Leid der Kreatur trefflich ausdrückend. So konnten auch die ersten Werke
für den aulos nur und ausschließlich Klagestücke sein.
Später jedoch als Athene im Spiegel des Baches sah, wie durch das Blasen des
aulos ihr Gesicht entstellt wurde, warf sie das Instrument weg.
Gefunden aber hat es Marsyas, ein bocksbeiniger und gehörnter Satyr(Berg- und
Walddämon), der als Begleiter von Dionysos stets übermütig und lüstern für
jeden Unfug zu haben war. Er fühlte sich mit dem aulos um einiges couragierter,
sodaß er prompt Gott Apollon mit seiner kithara (Leier) herausforderte. Marsyas
unterlag natürlich, worauf ihm der Gott der musischen Künste kurzerhand bei
lebendigem Leib 'das Fell über die Ohren ziehen' ließ ...
Die Urheimat des "Dudelsacks" ist sicher nicht Schottland. Die heutige weltweite
Beliebtheit der Great Highland Bagpipe, der schottischen Sackpfeife, ist wohl
eher auf schottische Regimentskapellen in allen Teilen des britischen Empires
zurückzuführen.
Die erste Erwähnung finden Sackpfeifen schon ca. 2800 v. Chr. - in Form der
Silberpfeifen von Ur (Babylonien) - , später in Assyrien und ägypten (1900 v.
Chr.), Griechenland (450 v.Chr.) und dem Rest der antiken Welt. So soll z.B.
manch römischer Kaiser - neben seinen pyromanischen Vorlieben - auch dem Spiel
auf der Sackpfeife gefröhnt haben ... In der Genesis des Alten Testaments sowie
im Zusammenhang mit Nebukadnezar (3. Buch Daniel) wird ebenfalls von
Sackpfeifen gesprochen.
Dudelsäcke waren also in den verschiedensten Teilen Europas und Nordafrikas
vertreten (allerdings war das Instrument auch im alten China und Indien nicht
unbekannt).
Wissenschaftler glauben zu wissen, daß die Vorfahren der Great Highland Bagpipe
wahlweise mit den Kelten und Römern nach Britannien kamen (vielleicht als
Instrument der Infanterie), dort auf schon vorhandene Geschwister trafen und
sich nicht nur zur
piob mhor 
(gälisch für große Pfeife) sondern auch zur Northumbrian Smallpipe, Borderpipe,
Lowland Pipe, Chamber Pipe, Hornpipe, Reel Pipe und Halfsize Pipe
weiterentwickelten.
Vieles liegt allerdings im Dunkel, so auch, welche Musik wie auf der Sackpfeife
der Hochländer Schottlands bis in's 16. Jahrhundert gespielt wurde und wie sie
geklungen hat. Man weiß, daß die Pipes im Gegensatz zu heute aus ortsansässigen
Materialien gefertigt wurden und man weiß um den Status der Piper, die zwar zum
Haushalt eines jeden Clan-Chiefs gehörten (Narr, Barde und Pfeifer), aber weit
davon entfernt waren, zur angesehendsten Volksschicht zu gehören. Bis in's 18.
Jahrhundert hinein entsprach das Einsatzgebiet der Piper dem ursprünglichen
Wunsch Athenes, den Schrei der Kreatur auszudrücken: Geburtshymnen,
Versammlungssignale, Wettkampf-, Streit- und natürlich Kriegsmelodien sowie
Totenklagen. Dabei war es dem Pfeifer bei Strafe untersagt, sich in
Unterhaltungsmusik zu üben - dafür gab es ja schließlich Barden und
Harfenspieler.
Als z.B. 1944 die alliierten Truppen in der Normandie landeten, bestand ihre
Vorhut aus einer Pipe und Drum Band. Das mag zwar kurios wirken, entspricht
aber der traditionellen Funktion der Sackpfeife als Militärinstrument.
Bereits vor 1600 erfolgte die musikalische Verständigung
zwischen Pfeifer-Meister und Pfeifer-Lehrling dabei mittels eines Singsangs,
der sowohl Tonhöhe, Tondauer als auch alle Gracenotes (Vorschläge) imitiert.
Aufgeschrieben wurde nichts - alles wurde in Form dieses Canntaireachd, so das
gälisch Wort dafür, weitergegeben. Die klassische schottische Dudelsackmusik -
gälisch Piobaireachd - besteht dabei - ähnlich dem heutigen Jazz - aus einem
immer wiederkehrenden Thema, daß knapp und schnörkellos gehalten ist und aus
etlichen Variationen mit zunehmendem´Schwierigkeitsgrad, die mit frei
komponierten Passagen oder auch einzelnen Tönen gemischt wurden.
überliefert sind leider nur ca. 300 Piobaireachd, was nicht zuletzt auf die
Niederlage der Schotten in der Schlacht von Culloden 1746 und den folgenden
Disarming Act - also dem eine Generation andauernden englischen Verbot des
Kilts, des Kriegsinstruments Sackpfeife und der gälischen Sprache -
zurückzuführen ist. So gerieten möglicherweise nicht nur etliche Tartans in
Vergessenheit ...
Erst im 19. Jahrhundert wurde dann das Canntaireachd der überlieferten Werke in
die gängige Notenschrift gezwungen. Mit dem Aufschreiben der Stücke ging aber
noch etwas anderes einher: es wurde der Weg frei gemacht für schneller lebige
Tanzmusik - also bis hier her beinahe traditionslose - Reels, Strathspeys,
Hornpipes und Jigs, die man vordem lediglich als Fingerübung kannte.
Die Great Highland Bagpipe verfügt über eine konische Spielpfeife (chanter) mit
Doppelrohrblatt (reed), 7 vorderständigen Grifflöchern und einem Daumenloch,
durch den die Melodie erklingt. Durch eine blowpipe wird Luft in den Sack (bag)
geblasen, wobei sich am unteren Ende der blowpipe ein Ventil befindet, daß den
Lufteintritt zwar gewährt einen -austritt aber verhindert. Außerdem inserieren
3 Bordunpfeifen (drones) jeweils in einem eigenen Verbindungsstück (stock) im
Sack, wobei die Baßdrone über der Schulter des Spielers liegt und über eine
Kordel (cords) mit den zwei sich auffächernden Tenordrones verbunden ist. Die
drones erzeugen dabei eine konstante Harmonie im Hintergrund, das reed versetzt
die Luftsäule im chanter in Schwingung und der bag dient als Luftreservoir. Die
Pfeifen werden heute fast ausschließlich aus Grenadill gefertigt - für den pipe
chanter wird aber auch billigerer Kunststoff (Polypenco) verwendet. Der Sack
besteht aus genähtem Leder oder aus Goretex (sog. Canmore bag) und ist mit
einem häufig Tartan-verziertem Stoffbezug (cover) bekleidet.
Auf den kontinentaleuropäischen Besucher mag die erste Bekanntschaft mit einer
Pipe-Band durchaus die gleiche demoralisierende Wirkung haben, wie für den
Gegner auf einem Schlachtfeld. Der produzierte Klang entspricht eben so gar
nicht den hiesigen Hörgewohnheiten. Außer der durchdringenden Klangfarbe der
Instrumente wirkt zusätzlich die Tatsache befremdlich, daß die Intervalle
zwischen den einzelnen Tönen nicht den Intervallen der temperierten Tonleiter
entsprechen, nach der im Normfall gestimmt wird.
Der Grundton der Pipe wird traditionellerweise als "low A" bezeichnet und
(theoretisch) auf 466 Hz gestimmt, was einem real erklingenden b' entspricht.
Der auf der Great Highland Bagpipe spielbare Tonumfang umfaßt 9 Töne: die
Oktave zwischen a' und a'' sowie einem zusätzlichen g'. Dies entspricht der
alten Kirchentonart Mixolydisch, die gegenüber einer reinen Durtonleiter eine
erhöhte Quart und eine erniedrigte Sept aufweist. Die Tenordrones sind eine, die
Baßdrone zwei Oktaven tiefer als der Grundton des chanters gestimmt.