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zuletzt aktualisiert: 03.02.2012









Was jeder über die Zecken-induzierte Borreliose vom Typ

Lyme-Krankheit, bzw. Lyme-Borreliose

vor dem Gang zum Hausarzt wissen sollte!





Zusammengestellt von: Hartwig, A. (ins Internet gestellt 4/2004)





Fotos: Bologna, S. und Hartwig, A.





Dieses Merkblatt (Literatur Recherche) beruht auf Veröffentlichungen und Dissertationen aus der





Neurologie, allgemeinen Humanmedizin, Parasitologie, Immunologie, Genetik, Epigenetik etc.,





Ringvorlesungen an der Uni-GÖ 2004 (1 Fortbildungspunkte der Ärztekammer Niedersachsen pro Vorlesung),





Besuch der DBG-Konferenz 4/2008 (12 Fortbildungspunkte der Ärztekammer Niedersachsen),





Besuch der DBG-Konferenz 10/2008 (7 Fortbildungspunkte der Ärztekammer Hessen),





Besuch der DBG-Tagung 03/2009 (16 Fortbildungspunkte der Landesärztekammer Thüringen),





Besuch der DBG-Tagung 05/2010 (14 Fortbildungspunkte der Landesärztekammer Baden-Württemberg)





Besuch der DBG-Tagung 04/2011 (20 Fortbildungspunkte der Ärztekammer Nordrhein)





und Ausstellungen zum Thema Mikrobiologie und Parasiten.










Erklärungen zu den in eckigen Klammern gestellten Verweisen, z.B. [1] u. [A] siehe Ende der Seite












Übertragung:





Die Übertragung ist in der Regel Vektor (Überträger) vermittelt, als Überträger dienen vorrangig Zecken und vereinzelt auch Stechmücken, Wadenstecher, Pferdebremsen, Milben und unter entsprechenden Umständen auch die gemeine Stallfliege. Läuse gelten derzeit nicht als Überträger von Lyme-Borrelien (letzteres nicht bewiesen) [90/93].





Die Lyme-Borreliose oder “low-dose-borreliosis“ wird zu den sogen. Zoonosen gezählt, was besagt das es eine Erkrankung ist, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann.





Unsere heimischen Zecken sind erst ab 5-10 °C aktiv, das bedeutet also, dass etwa von Februar/März bis Oktober/November Zeckengefahr besteht. Die höchste Gefahr von einer Zecke gestochen zu werden, bzw. sich mit Borrelien zu infizieren, besteht in den Monaten Mai bis Oktober mit einem Maximum bis zum Juli [71].





Die Borreliose kann von jedem Entwicklungsstadium der Zecke auf dem Mensch übertragen werden, da schon 1-3 % der Zeckenlarven transovariell (= Infektion über das Ei) und ca. 10-20 % der Nymphen mit Borrelien durchseucht sind - regional unterschiedlich [1/68]. Zwar ist die Durchseuchungsrate der Zeckenlarven somit nicht sehr hoch, dies wird aber durch ihre Unauffälligkeit (glasig, 0,5-0,8 mm groß) mehr als wett gemacht.






Zecken-Larve beim Stechakt im Vergleich Körperhaare


Entfernte Zecken-Larve abgelegt auf Millimeterpapier






Kleine glasige Zecken-Larve (< 1 mm) im direkten Größenvergleich zur farbigen Zecken-Nymphe (ca. 1,5 mm)





Die maximal beobachtete Durchseuchungsrate mit Borrelien beträgt bei der Zeckengattung Ixodes ricinus (Holzbock) 42 % [68], die minimale 2,1 % [74]. Die Durchseuchung ist bei erwachsenen Zecken (adult) etwa doppelt so hoch wie bei Nymphen [74]. Weiter wurden Doppelinfektionen bei Zecken mit verschiedenen Borrelien-Stämmen (Genotypen) schon mehrfach beschrieben [76]. Untersuchungen in Bayern haben z.B. folgendes Ergebnis erbracht: 1,7 % der Zecken sind mit zwei verschiedenen und 0,3 % mit drei verschiedenen Borrelien-Stämme infiziert [75]. Aus vorgenanntem Grund ist eine Mischinfektionen beim Menschen durch den Stich von nur einer Zecke nicht als unwahrscheinlich abzutun! Zu möglichen Mischinfektionen siehe auch Kap.: „Borrelien, Klassifizierung und Subspezies“.





Anhand von Tierversuchen (verschiedene Nagetiere) konnte gezeigt werden das der nicht sehr Wirt-spezifische Borrelia Geno-Typ 1 (B. burgdorferi / Bb.ss.) weniger effizient übertragen wird, als z.B. Borrelia Geno-Typ 3 (B. afzellii / Bb.sl.) [134]. Inwieweit dies auch für den Menschen als Wirt gilt, bleibt unklar.





Die Übertragung oder Anwesenheit von verschiedenen Borrelia-Genotypen, hat wahrscheinlich auch mit Einfluss auf den Verlauf und die Schwere einer Borrelieninfektion [111] - siehe Seite: “Modellvorstellung Borrelieninfektion Mimikry / Immunopathie“.





Am häufigsten findet man die Borrelien im Verdauungstrakt der Zecken, aber auch in der Speicheldrüse und anderen Zeckenorganen. Bei 5-35 % der mit Borrelien versuchten Zecken konnte man diese in anderen Organen der Zecken nachweisen, wie z.B. Eierstöcken (= Ovarien) und Speicheldrüsen [187]. Explizit in den Speicheldrüsen konnten Borrelien in 10-25 % der untersuchten Zecken nachgewiesen werden [187]. Dies erklärt, warum manchmal schon innerhalb von wenigen Stunden (> 2 Stunden) bzw. sofort nach dem Stich der Zecke Borrelien übertragen werden können, sie müssen nicht immer erst den langen Weg vom Zeckendarm ins Opfer zurücklegen. Insbesondere ziehen sich die Borrelien auch in die Ovarien (Eierstöcke) der Weibchen zurück, was die transovarielle Weiterreichung erklärt (adultes Zeckenweibchen -> Eier -> Zeckenlarve) [97].





Zur Borrelien-Infektion (Bb. sl.-Komplex) genügt nach neuester Kenntnis eine Saugzeit ([2] Stand 2/2004) der Zecke von nur 2 h, insbesondere bei Nymphen und Larven!! Nymphen bergen das größte Risiko einer Borrelieninfektion, da sie schon hoch infektiös, klein und unauffällig sind. Die Übertragung der Borrelien kann deutlich schneller geschehen, 6 bis 12 Stunden Saugzeit bedarf es hierzu nicht immer [207]! Es haben mehrere Studien gezeigt, dass die Nymphen das Zeckenstadium sind von dem am häufigsten Menschen befallen werden (Stand 2010 [230]).






Vollgesogene Zecken-Nymphe im Bauchbereich


Vollgesogene Zecken-Nymphe im Achselbereich






Vollgesogene Nymphe abgelegt auf Millimeterpapier


Vollgesogene Nymphe neben Millimetermaß





Unter den gegebenen Umständen erscheint die früher gelehrte These, das es unter 12 Stunden Saugzeit so gut wie nie zur Übertragung von Borrelien kommt, als hinfällig. So spielt es auch keine Rolle ob die Zecke schon durch den Saugakt am Hinterleib dick angeschwollen ist, was auf ein mehrstündiges Festsitzen hinweisen würde und früher als Hinweis verstanden wurde das die Zecke für eine mögliche Infektion lang genug am Menschen festgesessen hat. Die entfernte Zecke sollte in jedem Fall zur Untersuchung auf Borrelien eingeschickt werden.





Borrelien des sensu latu Komplexes (siehe Absatz: Borrelien Subspezies) werden unter den Zecken ausschließlich durch die Gattung Ixodes übertragen [67], die Rückfallfieber-Borrelien auch durch andere Zecken. Für die Übertragung von Rückfallfieber-Borrelien, die zu einer "Sonderform" der Neuroborreliose führen können, genügt sogar nur eine Saugzeit von 15-90 Minuten [68]!





Beim Saugakt sondern die Zecken zytolytische Substanzen mit ihrem Speichel ab, welche an der Einstichstelle zur Auflösung der Wände der kapillaren Blutgefäßen führen. Durch den Effekt nimmt die Zecke neben dem Blut auch Zellbestandteile und weitere Gewebesäfte des Wirtes auf [L] [67]. Das warme Blut (~ 37 °C) und der veränderte pH-Wert führen in der Zecke dazu, dass die Borrelien ihre Oberflächenstruktur verändern, ihr Osp-A (Oberflächenprotein), mit dem sie sich in der Zecke anheften, gegen Osp-C (anderes Oberflächenprotein) austauschen, so dass sie frei beweglich werden und vom Vektor (Zecke) in den Wirt (Tier o. Mensch) abwandern können [68]. Inzwischen sind 156 [189] verschiedene Osp´s (Oberflächenprotein) bekannt, unter denen sich ca. 70 verschiedene Osp-C Variationen befinden die sie im Wirt anlegen können – je nach Borrelien-Unterart (Bb.-Subspezies). Circa 50 Prozent der Borrelien in der Zecke sind nach Beginn des Saugaktes in Bezug auf die Oberflächenproteine heterogen, das heißt, sie tragen ein Gemisch aus Osp-A, Osp-C und VlsE an ihrer Oberfläche (siehe Abs. Tarnstrategien), dies ermöglicht vermutlich einigen Borrelien einer Antikörperbindung im Wirt (z.B. Mensch) zu entgehen [90].





Der Speichel der Zecken spielt auch eine große Rolle bei der Infektion des Wirtes mit (z.B. Mensch), da der Zeckenspeichel die Entzündungs- und Gerinnungskaskade beeinflusst und somit den Borrelien gewissermaßen den Weg in das Gewebe des Wirtes erleichtert. Der Zeckenspeichel enthält neben dem “Zement“ mit dem sich die Zecke in der Haut fixiert analgetische (schmerzlindernd, betäubend), anti-inflammtorische (entzündungshemmend) und hochwirksame Immunsystem unterdrückende (immunsuppressive) Substanzen. Diese Substanzen verhindern so lange wie die Zecke am Opfer sitzt i.d.R. eine Reaktion des Immunsystems. Einige dieser Zeckenproteine binden die Borrelien anfangs sogar in ihrer Oberfläche ein, sie nutzen diese quasi bei und auch noch kurz nach dem Übertritt in den Wirt (z.B. Mensch) als Maskierung bzw. Tarnung [189/207/230].





Aus vorgenanntem Grund geschieht vermutlich auch wesentlich häufiger eine erfolgreiche Übertragung der Borrelien durch Zecken als durch die anderen oben genannten Vektoren (z.B. Mücken etc.), obwohl diese meist wesentlich schneller und häufiger den Wirt wechseln. Eine Übertragung vom Wirt auf den Vektor (z.B. Zecke) geschieht schneller, als umgekehrt, vom Vektor auf den Wirt [230].





Interessanterweise kann sich auch eine bis dato nicht mit Borrelien infizierte Zecke über einen Wirt infizieren, der eigentlich nicht infiziert ist, hierzu muss nur eine mit Borelien infizierte Zecke gleichzeitig am gleichen Wirt eine Blutmahlzeit halten. Bei diesem Vorgang spricht man vom sogenannten Co-feeding. Der Wirt muss nichteinmal ein Reservoirtier [230].





Die als klassisches Zeichen einer Borreliose betrachtete Wanderröte (Erythema migrans / EM), tritt nur in ca. 40-60 % einer pathogen (krankhaft) verlaufenden Borreliose auf.






Typische Wanderröte bzw. Erythema migrans (EM) wie sie jeder Hausarzt wohl schon gesehen hat





Im Klartext heißt dies, dass bei vielen Infizierten keine Wanderröte auftritt. Weiter weiß man heute (seit 2004), dass sich die Wanderröte (EM) je nach Borrelia-Geno-Typ unterschiedlich entwickeln und ggf. unterschiedlich aussehen kann [85/158]. Tritt beim Geno-Typ 3 (B. afzelii) eine Hautrötung auf, entwickelt sie sich eher langsam und ist meist klein und ringförmig ausgebildet, ähnlich in der Form und Ausbildung wie die “klassische“ Wanderröte vom Geno-Typ 1 (B. burgdorferi ss.). Kommt es beim Geno-Typ 2 (B. garinii) zur Hautrötung, zeigt sich in der Regel eher eine Hautrötung die allgemein noch nicht unbedingt als Borrelien-typisch angesehen wird. Die durch Geno-Typ 2 verursachte Hautrötung entwickelt sich meist schnell zu einen großen Fleck, der eine homogene rote Färbung aufweist [85].






Untypische Hautrötung nach entfernter Zecke


Untypische Hautrötung mit vollgesogener Zeckenlarve





Die Erythemen (EM) sind gelegentlich schuppend, vereinzelt mit Bläschenbildung oder enthalten einen zentralen kleinen Knoten (Bb.-Lymphom) und weisen gelegentlich eine Randsaumerhöhung auf. Bei ca. 20 % der Erythema-Betroffenen geht das EM direkt in die eigentlich chronische Hauterscheinung Akrodermatitis chronica atrophicans (ACA) über. In der ACA kann man bei 73 % der Patienten Immunkomplex-Einlagerungen [36][C] nachweisen, bei der frühen Form des EMs jedoch noch nicht. Bei ca. 4-14 % (Mittel 5-8 %) der Infizierten kommt zu mehrere über den Körper gestreute EMs, sogen. Multiple EM [158].





Bei den vielen Patienten die keine Erythema (EM) zeigen, bei denen aber später typische Borreliose Symptome auftreten, muss nach Meinung einiger Fachleute davon ausgegangen werden, dass die Zecke beim Stich direkt ein Blut- oder Lymphgefäß getroffen hat. Hierdurch soll es zu einer direkten Streuung über das Blut oder die Lymphflüssigkeit kommen, wodurch es im Anschluss gleich zur Symptomatik des 2. Stadiums kommen kann – das 1. Stadium bleibt in diesem Fall der Borrelien-Inkubation häufig aus (siehe auch Seite: Multiple Sklerose, dendritische Zellen / DCs).





Das Ausbleiben des Erythema migrans (EM) kann meiner Meinung nach aber auch vielmehr bedeuten, das eine Infektion mit einem Borrelien Stamm (Borrelia Sub-Geno-Typ) statt fand der dem entsprechenden Wirt (z.B. Mensch) angepasster ist als jene bei dem es zum Erythema (EM) kommt. Ist das Erythma migrans (EM) doch nur ein Zeichen das eine frühe Abwehrreaktion bzw. Entzündung stattfindet. So gibt es Borrelien die sich der sogen. angeborenen Immunabwehr durch Anbinden bestimmter Immunfaktoren (z.B. Faktor H – siehe auch Kap. Tarnstrategien der Borrelien) entziehen können, hierdurch vorerst eine Entzündung (z.B. Hautrötung wie das EM) ausbleibt. Die sogenannte angeborene Immunabwehr ist quasi entwicklungsgeschichtlich der ältere Teil der Immunabwehr, er besteht aus bestimmten zellulären und molekularen schnellen Abwehrreaktionen. Allerdings funktioniert diese erste meist sehr schnell einsetzende Immun-Abwehrreaktion nur bei weit verbreiteten Antigen-relevante Strukturen der Mikroorganismen, nicht unbedingt bei ausgeklügelten Tarnstrategien bestimmter Krankheitserreger (z.B. Borrelien). An dem ersten Erkennungsprozess sind neben dem Komplement (Blut-Plasma-Immunabwehrprotein) vor allem dendritische Zellen (DCs), Makrophagen (Fress- u. Antigen-Aufbereitungszellen) und neutrophile Granulozyten (kurz: Neutrophile = Identifizierungs- u. Fresszellen) beteiligt. Makrophagen sind aber gerade selbst bis zu einem bestimmten Grat Opfer der Borrelien (z.B. übermäßiges Makrophagen coiling, CD14-Rezeptor Beeinflussung etc.) [16/24/241/245], was weitere fatale immunologische Folgen haben kann. Da Makrophagen normaler weise als nächstes mittels chemischer Signalstoffe (IL-12 u. IL-15) die sogenannten Natürlichen Killer Zellen (NK-Zellen) aktivieren, welche als Folge wiederum ein chemischen Lockstoff ausschütten (Interferon-gamma) der wiederum als effektivster Lockstoff für Makrophagen gilt. Also ein Teufelskreislauf bei einer Störung dieses ersten immunologischen Abwehrsystems. Die NK-Zellen sind z.B. für eine schnelle Abtötung von bakteriell oder virusinfizierter Zellen verantwortlich (sogen. intrazelluläre Lyse), vermeiden somit i.d.R. schon auf recht früher immunologischer Ebene ein Festsetzen des Erregers und somit auch dessen kontinuierliche Ausbreitung. Aber gerade auf dieser ersten Ebene der angeborenen Immunabwehr, wie z.B. Komplement, Makrophagen und NK-Zellen liegt bei einigen Infektionen mit Borrelien eine Störung vor (siehe z.B. Kap.: Tarnstrategien der Borrelien). Kommt es auf dieser ersten Abwehr-Ebene zur Unterdrückung , z.B. durch den Zeckenspeichel und der Einbindung bestimmter Immunfaktoren, bleibt die Erst-Erkennung des Krankheitskeims aus, wodurch dieser schon erfolgreich eine Hürde genommen hat. Kein Erythema migrans (EM) trotz Infektion würde also bedeuten, der eingedrungene Borrelia-Stamm ist für den betroffenen Patienten sehr wahrscheinlich gefährlicher, da angepasster, als wenn es zum EM gekommen wäre. In diesem Fall wäre auch erst später mit einer Borrelien-spezifischen Antikörperreaktion zu rechen, wenn sie überhaupt auf dieser Borrelien spezifischen Ebene abläuft und nicht erst sehr viel später auf der Ebene der autoreaktiven Antikörper bzw. zellulären Abwehr (z.B. LFA1, GM1, GD1b, GT1b, anti HSP 90 T-Zellen usw. - siehe unten mehr hierzu).










Einzelfallbeschreibungen (dokumentiert) berichten auch von einer sogenannten intrauterinen Borrelia-Infektion, das heißt, die Mutter überträgt während der Schwangerschaft die Borrelien auf das Baby (Fötus bzw. Embryo). Ein etwas höhere Gefahr dieser Art der Übertragung besteht wohl aber auch nur in der Frühphase einer mütterlichen Borrelien-Infektion, also zum Ende des 1. Stadiums im Übergang zum 2. Stadium, dann nämlich wenn sich die Borrelien über den Körper streuen und ihren Rückzugsnischen zustreben. In der chronischen Phase (> 2. Stadium) würde ich eher eine geringe Gefahr der Übertragung sehen, da sich in dieser Phase die Borrelien i.d.R. in ihren Nischen (z.B. Unterhautfettgewebe, ZNS etc.) zurückgezogen haben.





Der Fachmann spricht bei dieser Form der Infektion eventuell auch von einer “Vertikalen Infektion“, hiermit ist eine Erregerübertragung von einem Wirt zu seinen Nachkommen gemeint. Diese Form der Infektion kann zur sogenannten Immuntoleranz führen, d.h. das Immunsystem “toleriert“ den Erreger (bekämpft ihn nicht), obwohl dieser langfristig negative Auswirkungen auf den Organismus hat. In diesem Fall wäre der Erreger nicht nachweisbar; der Fachmann spricht dann auch von einer okkulten oder maskierten Infektion. Die negativen Langzeitfolgen bei der maskierten Borreliose sind vermutlich Schizophrenie oder Multiple Sklerose (siehe Seite “Symptome“).





Bei Göttinger Studien [3] gelang der Nachweis, dass ca. 0,7 % der Frauen während der Schwangerschaft mit Borrelien infiziert sind. Besteht auch nur ein klinischer Verdacht auf Borreliose, sollten sie in jedem Fall behandelt werden [42] - siehe auch unter Absatz Tarnstrategien, Immuntoleranz u. CB1-Rezeptor. Bei der Geburt sollte dann das mütterliche Blut und auch das der Nabelschnur entsprechend auf Borrelien-Anzeichen untersucht werden.










Die Übertragung von Borrelien durch Bluttransfusionen kann nach heutiger Kenntnis auch nicht ausgeschlossen werden, weil die Borrelien eine Kühlschranklagerung überstehen. Da die Borrelien bei einer Infektion aber immer nur kurzzeitig im Blut zirkulieren, geht man von einer derartigen Übertragung eher selten aus (derzeitig gängige Meinung 2004 in der Fachwelt bzw. Forschung). Da diese Gefahr aber besteht, der Nachweis von Borrelien nicht 100 Prozent gesichert ist, wird bei einigen Blutspendeorganisationen ein Blutspender generell abgelehnt der nachgewiesener Weise mit Borrelien infiziert ist/war. So wird die Übertragung mittels Bluttransfusion von der Labormedizin folgendermaßen eingeschätzt [208]: bei frischer Infektion hoch, im späten Borreliose-Stadium eher für gering.





Allerdings muss man sich hier auf die Angaben der Blutspender verlassen, da es keinen wirklich sicheren Test gibt. Selbst bei der Organtransplantation werden Borrelien zur Zeit auch noch nicht berücksichtigt. Zur Zeit (10/2004) werden die Spender nur auf nachfolgende Erreger routinemäßig untersucht: HIV (Aids-Erreger), Hepatitis B u. C, HTLV-1 (humane T-Zell-Leukämievirus) und auf Treponema pallidum (Erreger der Syphilis).










Beim Menschen gelang der Nachweis von Borrelien neben dem im Blut und Nervenwasser (Liquor) verbreiteten auch im Speichel, Sperma, Urin und Schweiß [187]. Ob hier auch immer ausreichend zwischen krankmachenden (pathogenen) und nicht krankmachenden (apathogenen) Borrelien unterschieden wurde, kann ich hier nicht beantworten und beurteilen. Eventuell wurde bei den Studien nicht mit der nötigen wissenschaftlichen Sorgfalt vorgegangen, und z.B. B. refrigens (= Borrelia Subspezies im Geschlechtstrakt vorkommend) nachgewiesen, welche normalerweise als apathogen (= nicht krankmachend) eingestuft werden.





Ich konnte jedenfalls nirgends in der Literatur einen Hinweis darauf finden, dass ein Partner durch geschlechtlichen Kontakt (Küssen, Geschlechtsverkehr etc.) infiziert worden ist, so das es zu einer akuten oder chronischen Borrelien-Erkrankung kam. Histologische Untersuchungen zeigen z.B. zwischen dem Syphils-Erreger (Treponema pallidum) und Borrelien Unterschiede auf, die gegen eine direkte geschlechtliche Übertragung von Borrelien sprechen. Mittels immunhistochemischen Anfärben der Erreger und der neu entwickelten “Focus Floating Microscopy“ (FFM)-Methode konnte gezeigt werden, dass sich die Syphilis-Erreger in den äußeren Hautschichten zurückziehen (Epidermis) während die Borrelien immer in den tieferen Hautschichten zu finden sind. Aus vorgenannten Grund wird der Syphilis-Errger über geschlechtliche Reibung (Geschlechtsakt) frei und übertragen, Borrelien hingegen mit hoher Wahrscheinlichkeit über diesen Weg (Reibung; Haut/Haut-Kontakt) nicht (Stand 5/2010 – Quelle [249]).





Es gibt allerdings Arbeiten die den Erreger der Lyme-Borreliose (Bb.sl.-Komplex) als sexuell (sogen. horizontale Übertragung) übertragene Pandemie (weltweite Verbreitung) bzw. epidemische Erkrankung (örtliche phasenweise Erkrankungshäufung) darstellen, bzw. die Frage stellen ob dies so sein könnte. Es wird z.B. aufgrund von US-Studien vorgeschlagen, bei denen unspezifische multisystemische Erkrankungsbilder und Symptome von Patienten in Verbindung mit der Lyme-Borreliose gebracht wurden, das die Borrelien auch durch Sperma auf das Ungeborene (Fötus bzw. Embryo) übertragen werden können. Auch wird spekuliert das die Partnerin durch mit Borrelien infiziertes Sperma ggf. infiziert werden kann. Bei diesen Studien wurden in den USA Gebiete einbezogen, in denen der klassische Erreger der Lyme-Erkrankung Borrelia burgdorferi ss. (Borrelia Geno-Typ 1) bzw. dessen Hauptvektor nicht vorkommen soll, aber eben Patienten positiv auf Borrelien getestet und erfolgreich antibiotisch behandelt wurden (z.B. [242]). Ich halte eine Infektion auf sexuellen Weg eher für gering wahrscheinlich, da die Spermien schon harte immunologisch Angriffe überwinden müssen um überhaupt in Richtung Eizelle zu gelangen. Das Immunsystem der Frau ist nämlich in der Gebärmutter darauf ausgerichtet, möglichst schnell fremde Zellen und Gewebe, so auch Spermien, zu erkennen und zu beseitigen, um eben auch auf diese Weise eindringende Krankheitserreger, wie z.B. Borrelien, zu eliminieren. Selbst der Fötus und die Plazenta wird unter Umständen anfangs noch von den Immunzellen als Fremdkörper angegriffen und ggf. abgestoßen. So kann ein sehr aktives Immunsystem der Frau sogar zur Unfruchtbarkeit führen.





Sicher, es wurden schon Borrelien (Bb.sl.-Komplex Borrelien ?) im Sperma nachgewiesen, aber führen diese auch unter den vorab genannten Kriterien zur krankmachenden (pathogenen) Infektion?





Eine sexuelle Infektion wird zwar aufgrund der Tatsache häufig behauptet weil manchmal auch der Lebenspartner einer von der Lyme-Borreliose betroffenen Person hierunter leidet oder Borrelia-Antikörper aufweist, dies ist aber kein beweisender Grund für die Annahme das diese eine gefährliche epidemische Geschlechtskrankheit ist. Das beide Partner Borrelia-infiziert sind, hierzu langen i.d.R. gemeinsame Aktivitäten in der Natur um eine hohe Wahrscheinlichkeit zu erreichen das beide unter eine durch Zecken übertragende (Lyme-)Borreliose leiden. Das fast weltweite endemische Vorkommen (dauerhafte Pandemie) der (Lyme-)Borreliose würde ich eher darauf zurückführen, dass es (Lyme-)Borrelien (Bb.sl-Komplex Borrelien) gibt die vorrangig in Vögeln, so auch in Zug- und Seevögeln, ihren Hauptstapelwirt finden – z.B. Borrelia garinii, Borrelia valaisianae etc. welche bisher (Stand 2010) überhaupt noch nicht alle in der Routinediagnostik berücksichtigt werden (insbesondere USA). Auch in den USA wurden erst in den letzten Jahren neue Borrelia-Subspezies gefunden, so z.B. Borrelia californiensis (1997) und Borrelia carolinensis (2009). Und warum sollte z.B. Borrelia bissetti in den USA nicht krankmachend (pathogen) für den Menschen sein, wo er in Europa doch eindeutig aus Patienten nachgewiesen wurde die unter unspezifischen Symptomen litten. Auch nicht zu vernachlässigen sind sicherlich Rückfallfieber-Borrelien wie z.B. Borrelia persica (syn.: Borrelia usbekistana) etc., die zu dem Lyme- (kurz: LB) bzw. Neuro-Borreliose-Formkreis (kurz: NB) zugeordnete Erkrankungsbildern führen können (siehe auch Kap.: Borrelien, Klassifizierung und Subspezies). So kann man in einigen Arbeiten lesen, dass (Lyme-)Borrelien nicht nur in der nördlichen Hemisphäre vorkommen und durch Zecken übertragen werden, sondern z.B. auch in: Japan, China, Russland, Türkei, Irak, Brasilien etc. (Stand 2010 / Quellen z.B. [225], [251], [252]).





Ich halte die (Lyme-)Borreliose bzw. low-dose-borreliosis eher für eine endemische (dauerhaft in verschiedenen Regionen), fast überall auf der Welt (Pandemie) vorkommende Vektor-vermittelte (Überträger) Zoonose (von Tier zu Menschen und umgekehrt übertragbar). Zu dieser Erkenntnis bin ich schon 1995 bei meinem Literaturstudium gelangt, siehe meine damals gefertigte Karte unter Seite: Prävalenz bzw. Verbreitung – Borreliose – Multiple Sklerose.





Als außergewöhnliche Übertragung von Borrelien muss wohl eine Beschreibung in der Literatur bewertet werden, bei der Borrelien durch den Biss eines Pferdes [68/187] sowie durch eine Maus [187] übertragen wurden.

















Größe und Aussehen der Zeckenstadien (Ixodes ricinus / Holzbock):










Zeckenlarven: < 1 mm bzw. ca. 0,5-0,8 mm, drei Beinpaare, glasig bis farblos





Nymphe: 1,5 mm, vier Beinpaare, schwarze Grundfarbe, am Korpus hellbraun abgesetzt.





Adultes Männchen [*]: 2-3 mm, vier Beinpaare, schwarze Grundfarbe, am Korpus dunkelbraun abgesetzt





Adultes Weibchen: 3-5 mm, vollgesogen bis 8 mm, vier Beinpaare, schwarze Grundfarbe, am Korpus dunkelbraun abgesetzt










In Europa spielen neben Ixodes ricinus die Nest und Höhlen bewohnenden Zeckenspezies Ixodes hexagonus (Igelzecke) und Ixodes canisuga (Fuchszecke) eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Borrelien.





In den USA überträgt vor allem Ixodes Dammini (Hirschzecke), heute Ixodes scapularis (schwarzbeiniger Holzbock bzw. Hirschzecke) genannt, die Lyme-Komplex-Borrelien.










In Deutschland konnten bis 2003 insgesamt 35 Säugetierarten und 45 Vogelarten sowie einige Reptilien als Wirte für Ixodes ricinus eingegrenzt werden, von ihnen sind einige auch Stapelwirte für weitere durch Zecken übertragene Krankheiten (z.B. Ehrlichia, Babesia, Ricketsia u. FSME-Viren usw.).










[*] - Die Männchen der Ixodes-Arten saugen nur gelegentlich kleine Mengen Blut, spielen somit eine untergeordnete Rolle bei der Borrelienübertragung.

















Entfernen der Zecke:










Zecken niemals mit Öl, Klebstoff oder ähnlichem ersticken – würde unweigerlich zur Übertragung der Krankheitskeime (z.B. Borrelien, FSME-Viren etc.) durch „Erbrechen“ der Zecken führen.










Die Zecke immer vorsichtig mittels Nadel, Pinzette oder sogenannt Zeckenkarte [*] raushebeln, wenn der Stechapparat (Hypostom) oder Kopf der Zecke in der Haut verbleibt, ist dies weniger schlimm. Allerdings sollte man peinlichst drauf achten, dass man den Körper der Zecken hierbei nicht quetscht. Anschließend sollte die Einstichstelle desinfiziert werden. Als eine sinnvolle neue Art der Zeckenentfernung wird der Gefrierschock mittels Kältespray beschrieben (z.B. mit dem österreichischen Produkt “Tickner-Zeck-Weg“). Die Schockfrostung soll so schnell von statten gehen, das es zu keiner Reaktion (z.B. Erbrechen) vonseiten der Zecke mehr kommen kann [187].










[*] - Die Zeckenkarte ist meiner Meinung nach das beste Gerät, mit ihr ist die Gefahr am geringsten, dass man die festsitzende Zecke versehentlich quetscht. Weiter kann man diese immer im Portmonee bei sich tragen, da sie die praktische Größe einer EC-Karte hat.











Zecken-Karte


Zecken-Zange


Pinzette


Scharfes Messer





gut für alle Zeckenstadien (Larven, Nymphen u. adulte Zecken) geeignet - eventuell Kerbe mit Schnitt nacharbeiten.

gut für adulte Zecken und Nymphen geeignet, für Larven ist sie zu grob.

für alle Zeckenstadien geeignet, wenn Hilfsperson vorhanden (da nicht selbstklemmend)

für geübte Personen Entfernungshilfe erster Wahl, aber nur, wenn die Stichstelle gut einsehbar u. erreichbar ist


















Als besonders gut zum Entfernen von allen Zeckenstadien hat sich ein Eigenbau, nach dem Muster Zeckenkarte bewährt. Für diesen Eigenbau benötigt man nur eine Schere bzw. scharfes Messer und einen alten Joghurtbecher (Sahnebecher oder ähnliches), schon kann man sich schnell eine gut funktionierende Zeckenkarte selber basteln. Da der Kunststoff der Becher meist recht dünn ist, und man den ausgeschnittenen Keil nur in einen Schnitt übergehen lassen kann, bekommt man hiermit sogar gut die kleinsten Zecken (Larven) ohne sie zu quetschen rausgezogen (Tipp von Fr. B. Vogel aus Deutschland, BGL, Ramsau).





Fotos: Hartwig, A. (9/2004 u. 11/2008)










Anmerkung: Die Bewertung beruht auf persönliche Erfahrung des Autors, nicht auf Hinweise in der Literatur !










Der beste Gesundheitsschutz ist allerdings einen Zeckenstich möglichst zu vermeiden. Eine Hilfe hierbei sind bedingt entsprechende Repellents (Insektenschutzmittel), hierunter versteht man Duftstoffe, die die Körperausdünstungen überdecken und so den Menschen als Wirt für die Zecken unattraktiv machen. Es sind verschiedene Repellents-Mittel auf dem Markt, die allerdings nicht alle gleich gut bei den durchgeführten Versuchen abgeschnitten haben. Zitat aus (Spiegel Online 2. April 2001):





Berlin (dpa) – “Von 18 getesteten Mitteln gegen Zecken schützen nur 4 wirkungsvoll vor deren Stichen. Dies berichtet die Stiftung Warentest in der April-Ausgabe ihres Magazins >>test<<. 10 Mittel erhielten die Note Mangelhaft: Neun hätten gar keine Wirkung oder schützen nur sehr kurze Zeit. Eins sei gesundheitsgefährdend. Testsieger wurde das Mittel >>Zanzarin Bio Hautschutz<<, gefolgt von >>Nexa Lotte natur Hautmilch-Schutz<<. Ebenfalls ein “Gut“ erhielten >>Autan Active Lotion<< und >>Taoasis Floh Zecken Stop Spray<<. Einen absoluten Schutz vor Zeckenstichen biete aber auch das wirksamste Mittel nicht, ....





Kürzlich (Stand 5/2008 [175]) wurde eine neuer Repellent-Stoff synthetisiert, der hautfreundlich und gesundheitlich unbedenklich für den Menschen sein soll. Bisherige Repellents, die auch einen gewissen Schutz gegen Zecken bieten, enthalten i.d.R. teilweise nicht ganz gesundheitlich unbedenkliche Wirkstoffe wie z.B. N,N-Diethyl-m-toluamid (DEET) oder Permethrin. Der neue Wirkstoff mit der chem. Bezeichnung (11Z)-Eicosadienylacetat basiert auf das Abwehr-Sekret der sogen. “Thrips“ (Suocerathrips linguis), welches diese gegen Ameisen absondern um nicht gefressen zu werden. Allerdings soll das neue Repellents erst in circa ein bis zwei Jahren käuflich zu erwerben sein.





Aber vielleicht hilft auch ein anderes biologisches Naturprodukt als Zecken-Repellents, so soll sich z.B. bewährt haben sich mit Knoblauchzeheneinreibung zu präparieren. Die Wirksamkeit soll sogar in einer Doppelblindstudie bestätigt worden sein [187]. Auch ich selbst habe hiermit gute Erfahrungen im Slowenischen Karst gemacht, allerdings nur zu empfehlen wenn man auf einsamen Pfaden in der Natur unterwegs ist - sonst schützt Knoblauch nicht nur vor Zecken :-)





Die Bundeswehr will hier den Weg mit vorinprägnierter Kleidung gehen, die mit Permethrin (Stoffgruppe der Pyrethroide) behandeld wurde. Die Kleidung soll selbst nach 100 Waschdurchgänge ihre Schutzwirkung nicht verloren haben und die Abgabe von dem Insktizid an den Träger soll ca. bei 1/5 der zulässigen Obergrenze liegen. Die Schutzwirkung liegt ungefähr bei 95 Prozent, was bedeutet das ein Infektionrisiko weiterhin besteht [206] - insb. Bei Soldaten die im Freien übernachten müssen und sich abends vorm Schlafengehen wegen Lichtmangel und entsprechenden Umgebungs-bedingungen nicht richtig absuchen können. Was für ein trügerischer, toxischer (siehe oben) Schutz!!










Die weitläufig verbreitete Meinung als Schutz vor Zecken lange, helle, enggewebte Hosen zu tragen, diese möglichst in die Socken zu stecken, kann ich nur eingeschränkt zustimmen. Dies ist nur sinnvoll wenn man ständig, bzw. nach Kontakt mit Zeckenansitzen (z.B. hohe Gräser), diese sofort auf Zecken absucht. Ansonsten besteht die Gefahr, das sich die Zecken in bzw. an den Hosen, eventuell unbemerkt, versteckt halten und so abends auf dem Wäsche Stapel mit abgelegt werden. Auf diese Weise können die Zecken dann leicht an/in andere Kleidungsstücke gelangen, z.B. in Oberkörper-Bekleidung (T-Shirt etc.- siehe hierzu Seite: Wissenswertes über Zecken, Abs.: Überleben von Zecken im persönlichen bzw. häuslichen Umfeld). Am nächsten Tag, wenn man die Kleidung dann eventuell wieder anlegt, können die Zecken so leicht in Bereiche gelangen wo sie normalerweise unbemerkt nur schwer hinkämen (z.B. Genitalien, Bauchnabel, Achseln, Haaransatz etc.). Auch wird die Haut der Beine durch das ständige Reiben der Hosen desensibilisiert, wodurch man eine am Bein krabbelnde Zecke eher weniger bemerkt. Ich pers. empfehle daher aus den vorgenannten Gründen, eher kurze Hosen als Zeckenschutz zu tragen. Da die Zecken i.d.R. erste eine gut durchblutete Stelle zum Saugen suchen, sie sich hierzu zu ca. 95 Prozent immer erst an den Beinen des Wirtes aufwärts bewegen, meist in Richtung Kniekehle. Hierbei spürt man entsprechend sensibilisiert das Krabbeln der Plagegeister, so dass man sie sofort absammeln kann. Wenn man sich dann noch angewöhnt so ca. alle halbe Stunde die Beine, insbs. Die Kniekehlen abzusuchen, wird man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen Zeckenstich vermeiden (pers. Erfahrung Autor: A. Hartwig).










Den allgemein ausgesprochenen und abgedruckten Empfehlungen als Schutz vor Zecken auf Wegen zu bleiben, Gebüsch, Dickicht und hohes Gras zu meiden, kann ich mich nur anschließen.





Das Verlassen der Wege lässt sich nur nicht immer vermeiden, insbs. in folgenden Berufen: Militär, Forst, Garten und Landschaftsbau, Zaunbau, Landvermesser, Landwirte, Umwelttechnik (insbs. Altlastenerkundung, Grundwasserüberwachung etc.), Deponiepersonal, Strassenmeistereien, Wasserbauer, Überland-Leitungsbau (Telekommunikation, Hochspannungstechnik etc.), Waldkindergärten und wohl noch einige Berufe mehr, alle die, die mehr oder weniger in der Natur tätig sind. Da in diesen Berufs-Gruppen zum Teil schwere Sicherheitskleidung vorgeschrieben ist (die nicht unbedingt auf Zeckenschutz ausgerichtet ist) und häufig nicht die hygienischen Bedingungen, wie z.B. ein ausreichend heller Umkleideraum für die Pausen zur Verfügung steht (wo man zum Absuchen auch mal die Hose runterlassen kann), muss wohl generell in diesen Berufsgruppen von einem erhöhten Infektionsrisiko durch Zecken ausgegangen werde. Insbs. bei Personen, die einen entsprechenden “naturnahen“ Beruf ausüben, der mit ständig wechselnden Einsatzgebiet verbunden ist (z.B. Lohnarbeiter im forstl. Bereich, Zaunbauer, Umwelttechniker etc.). Bei diesen Personen muss wohl davon ausgegangen werden, dass sie z.B. mit wesentlich mehr Borrelia-Subspezies in Kontakt kommen als Standorttreue (z.B. Park-Gärtner), somit einen wesentlich höheren multiorganen Infektionsrisiko unterliegen. Das bedeutet, diese Personen sind im Beruf einen wesentlich höheren Infektionsrisiko (z.B. Borreliose etc.) ausgesetzt als z.B. in ihrer Freizeit. Bei all diese Personen muss vorrangig davon ausgegangen werden, dass bei einer Infektion von durch Zecken übertragenen Erkrankung, diese im Beruf erlangt wurde und nicht in der Freizeit. Hier stehen i.d.R. 5 Arbeitstage 2 Freizeit-Tagen (WE) gegenüber, somit ist die Infektions-Wahrscheinlichkeit berufs-bedingt mit ca. 71 zu ca. 28 Prozent freizeit-bedingt anzusetzen. Da das eigentliche Infektionsgeschehen (Zeckenstich) gerade in diesen Berufen sehr wahrscheinlich häufig unbemerkt geschieht, muss bei diesen Berufsgruppen z.B. im Fall einer Borreliose diese als Berufskrankheit anerkannt werden. Jeder Gutachter der hier einen anderen Entscheid trifft, handelt in meinen Augen sozial und ethisch unverantwortlich (pers. Meinung von A. Hartwig, beruhend auf 14 Jahre Erfahrung- und Auseinandersetzung mit der Zecken-Thematik / Stand 2008) !






















Was machen mit der entfernten Zecke?










Vorweg ein Auszug aus einem Gerichtsurteil, in dem die späteren serologischen diagnostischen Schwierigkeiten am Patienten sehr schön verdeutlicht werden. In diesem Fall wurde die Klage des Patienten (Kläger) abgewiesen und dem Beklageten (Arzt) Recht gegeben - Zitat aus [146]:





Zitat Anfang: >> Beklagten beantragten, die Klage abzuweisen.





Die Beklagten behaupten, der Beklagte zu 1) habe bei dem Kläger nach der Untersuchung am 24.09.2000 eine dem damaligen gültigen ärztlichen Standard entsprechende Behandlung mit dem Medikament Doxycyclin über 10 Tage durchgeführt, da die deutsche Gesellschaft für Neurologie bei einem Borrelioseverdacht eine 7 – 10-tägige Behandlung mit Doxycyclin 200 mg empfehle. An diese Empfehlung habe sich der Beklagte zu 1) gehalten. Dem Beklagten zu 1) könne nicht vorgeworfen werden, dass er keine Kontrolluntersuchung des Titers nach der 10-tägigen Behandlung im September 2000 angeordnet habe. Eine Abnahme des Borreliose-Titers zu einem solch frühen Zeitpunkt sei nämlich nicht sinnvoll und dementsprechend medizinisch nicht indiziert gewesen, da bei einer bestehenden Borreliose-Infektion der Titer durchaus negativ sein könne. Umgekehrt könne ein positiver Titer vorliegen, ohne dass eine behandlungsbedürftige Borreliose bestehe. Insgesamt habe daher ohne klinische Anzeichen für eine Erkrankung nicht die Notwendigkeit bestanden, bei dem Kläger eine Blutuntersuchung durchzuführen. Auf die vom Kläger nach dem 24.09.2000 ihm gegenüber geäußerten Beschwerden habe der Beklagte zu 1) ordnungsgemäß reagiert. So habe der Beklagte zu 1) den Kläger, nachdem dieser über einen Drehschwindel mit Umfalltendenz geklagt habe, nach einer groben neurologischen Untersuchung an einen HNO-Arzt überwiesen. Darüber hinaus habe der Beklagte zu 1) dem Kläger Blut entnommen, um den IgG- und IgM- Antititer überprüfen zu lassen. Die Laboruntersuchung habe zwar den Verdacht auf eine frische Borrelieninfektion ergeben. Bei einer Nachkontrolle ein halbes Jahr später sei jedoch festgestellt worden, dass keine wesentlichen Änderungen zum Vorbefund vom 22.02.2001 bestanden hätten. Es habe mithin kein Anhalt für eine zurückliegende Borrelieninfektion vorgelegen. Im Krankenhaus ......... sei sodann bei dem Kläger eine Liquoruntersuchung durchgeführt und ausgeschlossen worden, dass bei ihm eine Neuroborreliose vorliege. Diese Untersuchung sei auch ordnungsgemäß durchgeführt worden. Bei dem vom Kläger angegebenen Symptomen Schwindel, Konzentrationsbeschwerden, Augenzucken, Taubheitsgefühl im Gesicht rechts, Lichtscheue, phasenweises Ohrensausen und an machen Tagen Sprachstörungen handele es sich vielmehr um Symptome, die eindeutig nicht borreliosetypisch seien. Die Angaben über einen steifen Nacken, Müdigkeit und Abgeschlagenheit seien zu unspezifisch, als dass diese als Diagnosesicherung für eine Borreliose verwertet werden könnten. Auch der positive Nachweis auf borrelienspezifische Antikörper allein weise keine aktive Infektion mit Borrelia burgdorferie nach. Einerseits könnten Borrelien-Infektionen auch mit asymptomatischer Serokonversion vorkommen. Andererseits könnten auch über Jahre anhaltende erhöhte IgG- und IgM-Antikörper-Titer im Serum oder Liquor nach ausreichend behandelter Borreliose bei gesunden Menschen auftreten. Es müsse in diesem Zusammenhang ebenfalls an die Möglichkeit gedacht werden, dass der Kläger bereits zuvor unerkannt oder unbestätigt mit Borreliose infiziert worden sei. Es sei nämlich von den objektivierbaren Befunden her nicht auszuschließen, dass bereits zuvor eine Infektion bestanden habe, deren Spuren sich bis heute noch im Blut des Klägers fänden. Ebenso könne eine intrathekale Borrelia-burgdorferie-spezifische Antikörperproduktion viele Jahre oder Jahrzehnte persistieren. Umgekehrt könne in der frühen Phase einer Borrelien-Infektion – insbesondere bei frühzeitiger antibiotischer Behandlung – die Borrelien-Serologie negativ sein. Schließlich sei, gestützt auf die Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur Neuroborreliose, zu berücksichtigen, dass falsch-positive Borrelienserologien bei Epstein-Barr-Infektionen, Zytomegalie-Viruserkrankungen, Lues und Hepatitis vorkommen könnten. Hinsichtlich des von dem Kläger erhobenen Vorwurfs einer Aufklärungspflichtverletzung behaupten die Beklagten, bei der Behandlung am 24.09.2000 sei der Kläger durch den Beklagten zu 1) über die Gefährlichkeit eines möglichen Zeckenbisses aufgeklärt und auf die Gefahr von Langzeitschäden hingewiesen worden. Durch diesen Hinweis habe die Bereitschaft, die verordnete Antibiose wie vorgeschrieben bis zum Schluss durchzuführen, gesteigert werden sollen. Der Kläger sei darüber hinaus auch darauf aufmerksam gemacht worden, dass er sich im Fall von Komplikationen sofort wieder vorstellen sollen. << Zitat Ende - weiter im Zitat, der Sachverständige: >> .... So schließe eine negative Serologie – besonders im Frühstadium – eine Lyme-Borreliose nicht aus. Das Erythema migrans sei sogar in 50 % der Fälle seronegativ. Andererseits könnten hohe IgG-Antikörper-Titer nach einer früheren – möglicherweise klinisch inapparenten – Infektion über Jahre persistieren. Außerdem bestehe die Möglichkeit des Auftretens falsch-positiver Reaktionen auch bei anderen Krankheiten wie z. B. Autoimmunerkrankungen, bakteriell bedingten Erkrankungen wie Syphilis und viral bedingten Krankheiten wie Epstein-Barr- und anderen Herpes-Virus-Infektionen. Da die serologischen Verfahren vorläufig nicht standardisiert seien, müsse mit diskrepanten Befunden verschiedener Untersucher gerechnet werden. Früher durchgemachte Infektionen oder erhöhte Antikörper-Titer im Serum stellten in der Regel keinen Schutz gegen eine erneute Infektion dar. ....<< Zitat Ende.





Nach den Ausführungen fragt man sich warum überhaupt serologische Untersuchungen am Patienten durchgeführt werden, sie erscheinen doch als sehr unbrauchbar, wenn man die Unzulänglichkeiten der Tests mit dazu verwenden kann, um eine Klage abzuweisen. Angesichts dieser Argumente vor Gericht, erscheint einen die hochspezifische Borrelien-Untersuchung der angesogenen und entfernten Zecke doch als einzig brauchbare Diagnostik - sofern man die Zecke bemerkt und entfernt hat. Hat man den Zeckenstich nicht bemerkt, dann bleiben wohl oder übel nur die serologische Untersuchung auf Borreliose-Antikörper sofern Symptome auftreten die auf eine Borreliose hinweisen. Nur bei diesen letztgenannten Patienten, die keinen Zeckenstich bemerkt haben, hat die serologische Diagnostik (Such- u. Bestätigungstest) am Patienten meiner Meinung nach eine Berechtigung. Doch dies sollte jeder selbst für sich und mit seinem behandelnden Arzt erörtern und abmachen - es gibt Ärzte die durchaus dbzgl. meiner Meinung sind, siehe nachfolgendes Zitat aus [147]:





Zitat Anfang: . . . Ich selbst bin ein Verfechter der Untersuchung der Borrelien-PCR in der – entfernten – nativen Zecke. Meine Überlegungen sind dabei Folgende: Der PCR-Test ist hochsensitiv und spezifisch. Ein positives Testergebnis erhöht damit erheblich die Wahrscheinlichkeit einer Borrelienübertragung auf den Patienten. Natürlich ist mit dem Nachweis von Borrelien in der Zecke noch lange keine Erregerübertragung auf den Patienten bewiesen. Aber muss man zwingend diesen Beweis führen? Mein Vorgehen ist demnach: Jede Zecke (bei gleichzeitig mehreren Zecken ein Zeckenpool) wird mittels PCR auf Borrelien untersucht. Ist der Befund negativ, wird abgewartet und kritisch beobachtet. Ist der Befund Borrelien-PCR-positiv, wird antibiotisch über 14 Tage behandelt und nach sechs Wochen serologisch nachkontrolliert. Die Konsequenz, aus dem Borreliennachweis in der Zecke bereits eine Indikation für eine antibiotische Behandlung zu stellen, ist nicht die Lehrmeinung. Aber welche Gründe sprechen tatsächlich gegen dieses Vorgehen, außer einer eventuellen nicht notwendig gewesenen Antibiotikagabe, weil es eben nicht zu einer Erregerübertragung gekommen ist? Wir reden hier also auf der einen Seite über ein paar Euro (14 Tage Tetrazyklin) und übersehen dabei auf der anderen Seite den Gewinn für diejenigen Patienten, die sich tatsächlich infiziert haben und mangels eines Auftretens eines Erythema migrans unerkannt geblieben wären. Diese werden nun zu einem sehr frühen Zeitpunkt behandelt und damit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geheilt . . . Wie will man seine abwartende Haltung denjenigen Patienten gegenüber rechtfertigen, die mit einem Zeckenbiss in die Praxis gekommen sind, dann symptomlos die Stadien I und II der Borreliose durchlaufen haben und schließlich im Stadium III arbeitsunfähig im Rollstuhl vor einem sitzen? ...Zitat Ende.





So vertrete ich nicht alleine die Meinung, dass es am besten ist wenn man die angesogene entfernte Zecke/n zur Borrelien-Untersuchung einschickt. Auf diese Weise bekommt man eine fast sichere Info, ob in der Folge mit einer Borreliose zu rechnen ist [R].





In Österreich (Universität Wien) arbeitet man derzeit schon an einem sogenannten Genchip zur Untersuchung von Zecken. Mit dem Genchip soll nicht nur die Unterscheidung der einzelnen Borrelia-Genotypen gelingen, sondern sogar auch das Wirtstier charakterisiert werden, an dem die Zecke ihre letzte Blutmahlzeit gehalten hat. Die Kenntnis vom letzten Wirtstier kann eine wesentliche Hilfe dabei sein, ob eventuell auch nach anderen Infektions-Keimen gesucht werden muß - z.B. nach Borna Viren [92], wenn das letzte Opfer der Zecke z.B. ein Pferd, Schaf oder eine Katze war.





Von einigen Krankenkassen werden (wurden) die Kosten von circa 25 € (Stand 11/2004) für die Zeckenuntersuchung übernommen, sofern eine Überweisung vorliegt. Aber auch nur die Einreichung der Rechnung wird (wurde) manchmal anerkannt. Leider haben die meisten (wenn nicht inzwischen alle) Krankenkassen den Vertrag zur Zeckenuntersuchung auf Borrelien im Rahmen der allgemeinen Kosteneinsparungen aufgekündigt - meiner Meinung nach ein Schuß, der nach hinten los geht.





Ist die Zecken-Untersuchung auf Borrelien doch der sicherste Weg, nach positivem Borrelien-Befund, gesundheitlichen Spätschäden mittels eingeleiteter präventiver Antibiose entgegen zu treten.





Da Borrelia burgdorferi (Bb.sl.-Komplex Borrelien) sein äußeres Erscheinungsbild durch Umweltreize ändert und unter entsprechenden Bedingungen seinen Stofwechsel einstellen kann, dieser Wandlungsvorgang primär eine passive Reaktion darstellt, kein aktiver genetischer Vorgang ist, wird es im Verlauf der Infektion immer schwieriger den Erreger zu erreichen (Stand 2006 [138]). Einen ruhenden stoffwechsel-inaktiven Erreger kann man nur schwer, wenn überhaupt, therapeutisch medikamentös eliminieren. Eine spätere serologische Untersuchung am Patienten würde eine nur sehr unsichere Aussage ergeben, selbst beim Vorliegen der typischen Borrelien-bedingten Wanderröte (Erythema migrans / EM) zeigen nur 20 bis 50 Prozent der Patienten eine positive Antikörperreaktion (Stand 2007 [137]). Bezieht man die Patienten mit ein die keine Wanderöte zeigen, liegt die serologische Nachweisbarkeit mit ziemlicher Sicherheit weit unter 50 Prozent! Zwei wichtige Aspekte dafür, weswegen ich (A. Hartwig) für eine präventive Antibiose nach positiven Borrelien-Zeckenbefund plädiere.





Für eine Antibiose quasi als Ausschluss-Diagnostik plädieren auch Tschechische Kardiologen z.B. bei Herzmuskelschwäche (dilatative Kardiomyopathie / DCM), die nach Herzdurchblutungsstörungen (koronaren Herzerkrankung / KHK) als die zweithäufigste Ursache für Herzunterfunktion (Herzinsuffizienz) gilt. Insbesondere wenn eine Virus-Infektion (z.B. Enterovieren, Coxackie B) als Ursache hierfür ausgeschlossen werden konnten und der Patient aus einem Gebiet stammt bzw. sich in einer Region aufgehalten hat (Urlaub, Dienstreise etc.) in dem endemisch Borrelien vorkommen, auch wenn der Patient serologisch negativ (IgM / IgG) auf Borrelien getestet wurde. Die Kardiologen kommen zu dem Schluss, dass Borrelien-Infektionen wahrscheinlich eine wichtige Ursache für eine ansonsten unerklärliche Herzmuskel-schwäche (DCM-Erkrankungen) sind (Stand 2009 [234]).





Auch die weiteren nachfolgenden Ausführungen bestärken mich noch mehr für ein präventives Therapievorgehen nach positiven Borrelien-Zecken-Befund.





Derzeit weiß man noch nicht so genau, ab welchem Zeitpunkt (siehe unten) der Infektion eventuelle Immunopathien durch Affinität oder molekulare Ähnlichkeiten auftreten. Bisher konnten molekulare Bindungen (sogen. Affinität) von Borrelia-Strukturen zu Gliazellen des Nervensystem und dem Bindegewebe bei In-vivo-Versuchen (im lebenden Organismus an Labortieren) nachgewiesen werden.





Bei solchen Versuchen konnten drei Rezeptoren bzw. Proteine der Borrelien aufgedeckt werden, die für eine Anheftung der Borrelien an den Nervenzellen (Neurone, Glia- u. Schwannschen Zellen), bzw. an deren Myelin-Komponenten (Glykophingolipid) verantwortlich sind. Es handelt sich hierbei um die Borrelien-Proteine mit dem Molekulargewicht von 41kD, 62 kD und 67 kD (siehe Seite: Gegenüberstellung der Molekulargewichtsspuren von Genotyp 1 u. Genotyp 2). Nach dem Anheften der Borrelien kann es dann zur erhöhten Ausschüttung von den Zytokinen IL6 und TNF-a kommen, wodurch lokale Entzündungsherde entstehen, mit der Folge von Verletzung und Schädigung der entsprechenden Nerven [98].





Inzwischen (Stand 2008 [190]) konnte auch der Beweis erbracht werden, dass die Borrelien nicht nur zu den eben beschriebenen indirekten Schädigungen der Nerven führen können, sondern das diese sogar in einigen Zellen des Gehirns eindringen (intrazellulär) und diese wahrscheinlich für längere Zeiträume als Rückzugsnischen nutzen. Die teilweise zystischen, intrazellulären, stoffwechselinaktiven Borrelien verursachen dann aller Wahrscheinlichkeit nach Jahrzehnte später Demenz (Alzheimererkrankung / AD) beim Infizierten.





Mitte bis Ende der 90er Jahre hat man in verschiedenen Arbeitsgruppen [52] den Beweis erbringen können, dass nicht nur Sequenzhomologien (deckende Gen-Abschnitte Wirt/Krankheitskeim) entscheidend für eine Kreuzreaktivität (Krankheitskeim zum Wirt) sind, sondern vielmehr strukturelle Ähnlichkeiten einen wesentlich höheren Stellenwert besitzen (siehe Seite: Immunorgane / Disposition / Kreuzreaktion – Antigenstrukturen mit ähnlicher Wirkung). Dies muss man sich ungefähr so vorstellen, dass an einem Puzzleteil aus Pappe nicht nur weitere Teile aus Pappe angefügt werden können, sonder z.B. auch Teile aus Sperrholz oder Kunststoff, wenn sie die entsprechende passende oder ähnliche Anschlussform besitzen, obwohl sie aus einem vollständig anderen Material bestehen [H]. Bei diesen Untersuchungen an Lyme-Arthritis-Patienten hat man auch beobachten können, dass häufig nur T-Zellen (Zellen der spezifischen Immunabwehr) von therapieresistenten Patienten ein bestimmtes Borrelien-Antigen (Osp-A) erkennen, nicht jedoch die T-Zellen der Patienten mit akuter Lyme-Arthritis. Dies spricht alles für eine Struktur-dominante Prädisposition der betroffenen Patienten. Die Struktur-dominante Prädisposition kann aber nicht einfach mit einem Abgleichen von Borrelien-Erbgut und dem menschlichen Erbgut aufgedeckt werden, da sie nicht in sich deckenden Gen-Abschnitte (Sequenzhomologie) zu finden ist.





In der Folge konnten viele kreuzreaktive Peptide (relevante Kontaktstellen) z.B. zwischen dem Borrelien Osp-A und dem untersuchten menschliche HLA-DR4 [44/50] und dem MBP (basisches Myelinprotein engl.: myelin basic protein) identifiziert werden. Hierbei konnte nachgewiesen werden, dass Osp-A-spezifische T-Zellen Selbstantigen-Peptide erkennen, obwohl diese nicht eine einzige Aminosäure des eigentlichen Borrelien-Osp-A aufweisen.





So ist inzwischen klar, dass die T-Zellen wesentlich flexibler Antigenstrukturen (Peptide) erkennen, als bisher in der Immunologie gelehrt wurde. Die verschiedenen Arbeitsgruppen [53] konnten beweisen, dass kreuzreaktive T-Zellen wesentlich häufiger vorkommen und aktiviert werden, als man bis vor einigen Jahren geglaubt hat [I]. Weiter wurde bei den Untersuchungen eine sogenannte “Bystander Aktivierung“ beobachtet. Unter “Bystander“ versteht man Immunzellen (T-Killer- u. Helferzellen mit CD8- o. CD4-Protein-Rezeptor), die eigentlich nicht spezifisch auf die Antigenstruktur des Krankheitskeims (Borrelien) ausgerichtet sind, die aber zu entsprechenden Entzündungen beitragen und letztendlich zu Immunopathien (Autoimmunreaktionen) führen können (Zur Bystander-Aktivierung“ siehe auch unter Kap.: Tarnstrategien der Borrelien-Subspezies, Makrophagen). Diese Form der Autoimmunaktivierung gilt allerdings nicht nur für Borrelien, sie kann auch von anderen Krankheitskeimen ausgelöst werden, so z.B. von Mycobacterium Tuberculosis (= Erreger der Schwindsucht). Bei der Borreliose ist das Gehirn mit betroffen (Neuro-Borreliose / NB), da u.a. Mikroglia-Zellen (Immunzellen im ZNS) die durch B. burgdorferi aktiviert wurden Entzündungsreaktionen herbeiführen, die dann auf die umgebenden Nervenzellen toxisch wirken und diese als Folge zum Absterben bringen [254] .





Normalerweise benötigen T-Zellen aber immer mindestens zwei Signale damit sie aktiv werden und sich vermehren, zum einen das Signal von der Bindung eines Antigens (z.B. Struktur des Krankheitskeim) und zum anderen ein körpereigenes Signal über einen entsprechenden Rezeptor auf ihrer Oberfläche. Das Fatale, die Borrelien sind in der Lage dieses zweite Signal mittels sogen. TLR-Rezeptor (Toll-like-Protein) zu geben (Stand 2008 [189]). Die Folge, die T-Zellen werden aktiv ohne die eigentlich nötige Rückkontrolle des körpereigenen Kontrollsystems zu erhalten. Was dies für fehlausgerichtete T-Zellen bedeuten kann, kann sich jeder selbst ausmalen.





Neben der Beeinflussung der T-Zellen können die Borrelien mit ALLEN (!!!) Körperzellen des Wirtes interagieren, so der heutige Kentnisstand (Stand 2008). Sie sind in der Lage sich an viele verschiedene Körperzellen anzuhaften wie z.B.: Thrombozyten (Blutplätchen; Blutgerinnung u. Entzündungs-botenstoffe), Fibroblasten (Stammzellen; Bindegewebe), Lymphozyten (weiße Blutkörperchen; T- u. B-Zellen), Epithel- (Auskleidungszellen; Hohlorgane u. d. Haut) und Endothelzellen (Auskleidungszellen; Lymph- u. Blutgefäße), Die Borrelien haben immer ein unterschiedliches Äußeres je nach befallenen Organ (Gelenk, Herz etc.) [205]. Sie tragen nie die gleichen Osp´s (Oberflächen-proteine) an ihrer Oberfläche (Stand 2008 [189]). So wurden bestimmte Osp-C-Typen der Borrelien schon in den Organen wie Haut, Gehirn (ZNS), Herz, Gelenke und Blase beobachtet. Sie sind in der Lage in bestimmten Zellen (Neuronal- u. Endothelzellen sowie Synovialgewebe) intrazellulär zu wachsen was sie dann schwer Therapeutisch erreichbar macht (Stand 2008 [197/205]). So haben in-vitro Versuche im Labor gezeigt, wenn menschliche Endothelzellen den Kulturen beigefügt werden, die Borrelien sich innerhalb recht kurzer Zeit an ihnen heften und nach spätestens 72 Stunden in ihnen eingedrungen sind [203].





Als gesichert gilt inzwischen auch, dass durch die sogenannten Galaktolipide der Borrelien (Bb.sl.-Komplex) eine autoreaktive Antikörperbildung ausgelöst werden kann, welche man mit folgender Kurzbezeichnung benennt: GM1, GD1b und GT1b. Diese Antikörper sind allesamt Autoimmun-Antikörper, die sich vor allem kreuzreaktiv gegen die Plasmamembran der Nervenzellen (Gangliosid) richten und dort insbesondere an deren Einschnürungen bzw. Unterbrechungen der Markscheiden (Ranvierschen Knoten) Entzündungen verursachen. Die Borrelien-Galaktolipide können aber auch direkt zur Aktivierung von Makrophagen führen, die dann Entzündungen an den Gliazellen hervorrufen [98] (Zu Makrophagen siehe auch unter Kap.: Tarnstrategien der Borrelien-Subspezies, Makrophagen - Bystander-Aktivierung“)..





Hier kurz ein Zitat aus [77]: "So weist die Neuroborreliose im zerebralen Befallsmuster häufig große Ähnlichkeiten mit der MS auf. Die Standard-Elisa besitzen im Fall der Borreliose – aus einer Vielzahl von Gründen (z.B. Immunsuppression, HIV-Infektion, Erregerheterogenität) – eine reduzierte Sensitivität, die immer wieder zu den beobachteten Therapieversagern und „Steroidkatastrophen“ bei vermeintlichen MS-Patienten führt. Letztgenannte sind in Wirklichkeit serologische „Non-Responder“ einer Borreliose".





Nach Dr. med. H. Bennefeld (Mitglied im >> Qualitätszirkel BcE / Borreliose und cytotoxinassoziierte Erkrankungen<<) verbergen sich derzeit (Stand 10/2008) hinter Zweidrittel der MS-Patienten in Wahrheit Borreliose-Patienten, so seine jahrelange klinische Erfahrung [193].





Eins kann man aber mit großer Sicherheit sagen: war die entfernte Zecke (o. Zecken-Pool) Borrelien-positiv, dann sind wahrscheinlich auch Borrelien übertragen worden - insbesondere dann, wenn es sich um eine Larve oder Nymphe gehandelt hat (siehe oben Abs.: Übertragung / > 2h). Eine serologische Blutuntersuchung würde erst Wochen später einen sehr unsicheren Befund ergeben, bzw. zu ca. 60-70 % einen falsch negativen Befund (siehe unten Abs.: Diagnose). Die Folge wäre, dass die zwingend notwendige frühstmögliche Antibiose nicht verordnet würde, die Borrelien so Zeit bekämen ihre Nischen (Endothel- u. Synovialzellen) aufzusuchen u./o. eine Fehlleitung und Regulation der Immunabwehr einzuleiten. Das können z.B. die Kreuzreaktionen Bb-Osp-A zu HLA-DR4, Bb-Osp-A zu MBP oder eine Regulation der Gene ICAM-1 und MIP-2a sowie weiterer menschlicher Gene sein (siehe Absatz: "Tarnstrategien der Borrelien").





Dieser Zeitgewinn für die Borrelien würde somit mit relativ großer Sicherheit zu hohen Kosten für das Gesundheitsystem führen, da durch diese unverständliche Sparmaßnahme einiger Krankenkassen eventuell ein chronisch Erkrankter mehr ins Dilemma entlassen würde. In 60-70 % der Fälle (= AK-negative Patienten im 1. Stadium) würde dann eine Odyssee von Facharzt zu Facharzt beginnen, deren Kosten allemal höher wären als die Kosten der Zeckenuntersuchung inclusive anschließender präventiver Antibiotikum-Therapie bei positivem Borrelienbefund der Zecke/n.





Anmerkung zum Thema präventive Antibiose bei positiven Borrelien-Zeckenbefund siehe unten unter Punkt [X]










Die Untersuchung der entfernten angesogenen Zecke auf Borrelien kann man z.B. bei folgender Adresse durchführen lassen:










Stiftung Tierärztlichen Hochschule Hannover





> Institut für Parasitologie – Zentrum für Infektionsmedizin <





Bünteweg 17





Gebäude 217





30559 Hannover





http://viro08.tiho-hannover.de/idz/cms/upload/Merkblatt_Borrelien.pdf










Zum Versand steckt man die Zecke/n am besten zusammen mit feuchten Gras in eine Filmdose oder ähnlichen Gefäß (z.B. Pipettenspitze – siehe unten), die Dose muß hierzu mit kl. Luft-Löchern (Nadelstiche) versehen werden.











Fotos: Hartwig, A. (10/2004)







Neben Filmdosen sind auch Pipettenspitzen aus dem Laborhandel gut als Versandbehälter für Zecken geeignet, diese haben am spitzen Ende schon eine kleine Öffnung, durch welche frische Luft in den Innenraum gelangen kann. Der Verschluss erfolgt am besten mit einem Ohrstöpsel aus Schaumkunststoff. Nachdem die Zecke vorsichtig zusammen mit einem feuchten Grashalm in die Pipettenspitze getan wurde und diese mit dem Ohrstöpsel verschlossen ist, haben wir eine stabile Verpackung, die man gut zusammen mit einem Begleitschreiben in einem Briefumschlag versenden kann. Den Versandbehälter (Pipettenspitze) sicherhalshalber auch mit Name und Datum beschriften, damit es im Labor zu keiner Verwechslung kommen kann.










Der Zeckenschnelltest auf Borrelien kann z.B. auch bei folgenden Labor durchgeführt werden:










Medizinisches Labor Bremen





Haferwende 12





28357 Bremen










In diesem Untersuchungslabor können auch tote Zecken eingesendet werden, die in einer kleinen Plastiktüte verpackt sind oder auf einem transparenten Klebestreifen geklebt wurden. In diesem Labor kann mittels sogen. Real-Time-PCR zwischen den Borrelien-Unterarten unterschieden werden sowie auch die Borrelien-Keimanzahl pro Zecke bestimmt werden. Auf diese Weise kann Anhand der Befallsstärke auch ein gewisser Rückschluss erfolgen ob eine starke oder eher schwache Infektionsgefahr durch die entfernte Zecke bestand.















Muster eines Begleitschreibens:










Abs.: Muster Mann / Straße 0 / Wohnort





Kasse: z.B. BG, AOK, TK etc.





Vers.-Nr.: 00000000





Patient: Muster Mann





E-Mail: m.mann@dienst.de










Abs.: Muster Mann / Straße 0 / 00000 Wohnort






!! V o r s i c h t z e r b r e c h l i c h !!






I n s t i t u t f ü r P a r a s i t o l o g i e






Zentrum für Infektionsmedizin






Stiftung TiHo Hannover








Bünteweg 17, Gebäude 217






30559 Hannover











Wohnort, 00.00.00000










Betr.: Borrelienuntersuchung










Sehr geehrte Damen und Herren,










Ich bitte um Untersuchung der beiliegenden Zecke auf Borrelien. Da ich mir die Zecke während meiner beruflichen Tätigkeit zugezogen habe, ist mir das Untersuchungsergebnis besonders wichtig. Sie können mir den Befund auch per E-Mail zusenden.










Für Ihre epidemiologische Statistik:





Die Zecke hat mich im Großraum Wohnort befallen.















Mit freundlichen Grüßen





Muster Mann




















Das Begleitschreibens sollte die komplette Adresse des Absenders (Patienten) enthalten, wenn vorhanden auch die E-Mail-Adresse, die Berufsgenossenschaft (bzw. Krankenkasse) mit entsprechender Versicherungsnummer und man sollte angeben, dass die Zecke auf Borrelien untersucht werden soll. Als Zusatzinformation für die epidemiologische Statistik sollte wenn möglich der Ort angeben werden, wo man sich die Zecke “eingefangen“ hat.










Beisspiele von Kostenerstattungsanträgen an die Berufsgenossenschaft oder Krankenkasse befinden sich unter der Seite “Beispiele von Kostenerstattungsanträgen“:






















Neuinfektion mit Borrelien pro Jahr in Deutschland:










Keine Panik bei den nachfolgenden großen Zahlen, die Borreliose ist keineswegs eine neue Seuche!





Vielmehr konnte der Lyme- bzw. Neuro-Borreliose in den letzten Jahren einige eigenständige, teilweise tödliche Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, Parkinson etc.[4]) zugeordnet werden, die zumindest teilweise durch eine möglichst frühe Antibiose vermeidbar wären.





Wichtig ist daher eine entsprechend hohe und lange Antibiose, möglichst zeitnah zum Zeckenstich, bevor die Borrelien ihre Nischen (Ziel-Zellen) aufgesucht haben.





Voraussetzung hierfür sind natürlich entsprechend aufgeklärte und sensibilisierte praktizierende Ärzte (Hausärzte), die sich zutrauen, eine klinische Diagnose zu stellen, da selbst die neuesten Tests nur ein zu 33 % sicheres Ergebnis im frühen Stadium anzeigen (Stand Mitte 2008). Da selbst die neuesten Tests erst im späten Stadium (3. und 4. Stadium), aber auch dann nur bei 85 % der Borrelien-Stämme (Sub-Spezies) ein 100 % sicheres Ergebnis anzeigen, ist und bleiben die klinische Symptome sowie das Wissen das eine Zecke gestochen hat, die einzige Möglichkeit eine Diagnose im frühen Stadium zu stellen.





Ich denke nicht die Borreliose muss bewiesen werden, sondern, dass keine andere Krankheit vorliegt, die nicht mit einer Antibiose erreichbar ist (z.B. FSME, Influenza bzw. Grippe etc.). Gelingt kein viraler Infektionsnachweis, dann ist bei einer klinischen Borreliose eine entsprechend hohe und lange Antibiose auf Borrelien-Verdacht hin mit Sicherheit angebracht (Meinung des Autors und einiger Fachleute, siehe auch Einleitung Symptome)!





Das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt hierzu, "der Erfolg hängt wesentlich von einem frühen Behandlungsbeginn ab".





Nach einer Hochrechnung, die auf serologisch abgesicherte Borreliosefälle im Großraum Göttingen [3/5] beruht, muss von mindesten 50.000 Neuinfektionen pro Jahr in ganz Deutschland (= 0,06 % der Gesamt-bevölkerung / 82 Mio.) ausgegangen werden. Die Hochrechnung beinhaltet nicht die unklaren Fälle (circa 48 % z.B. L-Form Borreliose etc.), bei denen die Borreliose mit den derzeitig verwendeten Testmethoden (= z.B: kein Aufbrechen der Komplexverbindungen) nicht eindeutig abgesichert werden konnte – Stand 1/2004 [3].





Schätzungen des RKI in Berlin gehen sogar von 60.000 Neuinfektionen pro Jahr im gesamten Bundesgebiet aus. Die vorsichtige Schätzung des RKI beruht auf den seit 1991 gemeldeten, abgesicherten Borreliose-Fällen aus den östlichen Bundesländern (siehe Abs.: Anzeigepflicht / Meldepflicht). Im Jahr 2004 zeigte die Datenerhebung des RKI, das auf 100.000 Einwohner 26,4 Neuerkrankungen kommen [71].





2002 wurden dem RKI 2275 Syphilis-Fälle (eine andere Spirochätose) gemeldet, dies ist ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von rund 720 Fällen. Bei diesen doch recht geringen Zahlengrößen spricht man von besorgniserregenden Zahlen [5], da bei der Syphilis im vierten Stadium das Nervensystem so stark geschädigt wird, dass der Patient hierdurch schließlich zu Tode kommt.





Ähnliches ist inzwischen z.B. von der vaskulitischen Form der Neuro-Borreliose (z.B. zerebrovaskuläre Borreliose) auch bekannt, aber bei den 50.000 bis 60.000 Borrelien-Neuinfektionen pro Jahr spricht niemand von besorgniserregenden Zahlen. Liegt es vielleicht daran, dass die "low-dose-borreliosis" (Lyme-Borreliose) bis 1991 nicht zu den meldepflichtigen Erkrankungen gehörte, somit nur sehr lückenhaft und sporadisch, klinisch sowie epidemiologisch erfasst wurde?





So erscheint auch die Zahl von circa 2000 AIDS-Neuinfektionen [6] pro Jahr (Jahr 2003), gegenüber der Zahl von 50.000 bzw. 60.000 Borrelien-Neuinfektionen pro Jahr, fast verschwindend gering. Vor AIDS hat ein jeder Angst, obwohl man sich vor einer Aids-Infektion in über 95 % gut schützen kann, die Borreliosefälle will aber kaum jemand wahr haben.





Von den 50.000 bzw. 60.000 Borrelien-Neuinfektionen gehen allein 5000 bis 10.000 (~ 10-20 %) in die klinsch sich bemerkbar machende zweite Phase (2. u. 3. Stadium) der “low-dose-borreliosis“ über (Neuro-Borreliose, arthritische Borreliose [Lyme-Borreliose] und Dermato-Borreliose [ACA]). Dem gegenüber stehen circa 500 AIDS-Infizierte (von 2000 Neuinfektionen / Jahr 2003), bei denen die Krankheit letztendlich pro Jahr ausbricht.





Das Risiko an der Borreliose zu erkranken, bzw. erkrankt zu sein, wird bisher verkannt, weil die eigentlichen späten (> 10 Jahre nach der Infektion) chronischen Erkrankungen häufig nicht mit einer Borrelien-Infektion (z.B. L-Form-Borreliose) in Verbindung gebracht werden. Die chronische Borreliose kann sich hinter ca. 150-160 Krankheistbildern verbergen und unerkannt bleiben, sofern nicht mal näher in Richtung Borrelien untersucht wird (z.B. LTT-Borrelien etc.). So steht dann im Totenschein als Ursache eventuell nur Schlaganfall, Organversagen oder Ähnliches.





Treten z.B. Durchblutungsstörungen auf, trinkt der Patient gelegentlich Alkohol u./o. Raucht und ist um die 40 Jahre alt, dann denken sicherlich die wenigsten praktizierenden Ärzte auch über eine eventuelle andere Ursache nach, z.B. über Borreliose. Erst wenn zerebrale (= Gehirn betreffende) Durchblutungsstörungen auftreten und dabei sogar Kinder betroffen sind [7], wird vielleicht auch auf Borreliose untersucht, da solche Fälle dann wohl doch beim entsprechenden Facharzt (Klinik) landen.










Fazit:





setzt man die obigen Daten bezogen auf eine Menschengeneration ein, kommen bei einem Altersdurchschnitt von 70 Lebensjahren ungefähr 350.000 chronisch an Borreliose Erkrankte (ohne Dunkelziffer von ca. 48 %) zusammen, das sind ca. 0,4 % (~ 3,3 Mio.) der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung (82 Mio.). Dies bedeutet wiederum, dass jeder 234ste Bundesbürger unter chronischer, subklinischer oder latenter (schlafender) Borreliose leidet bzw. erkrankt ist.





Legt man die Datenerhebung des RKI (Robert-Koch-Instituts) aus dem Jahr 2004 zu Grunde [71], käme man auf ein noch erschreckenderes Ergebnis: demnach wäre ca. jeder 54ste Bundesbürger betroffen.





Stellen wir die vor 1995 jährlich gemeldeten Fälle von unter 300 Betroffenen dem Meldewert von 4465 im Jahr 2004 gegenüber, so muss man zu der Schlußfolgerung gelangen, dass in der Vergangenheit wohl sehr viele Fehldiagnosen gestellt wurden (siehe unten Absatz "Meldepflicht").





Es ist wohl kaum anzunehmen, dass die Durchseuchung der Zecken in circa 10 Jahren um 1388 Prozent angestiegen ist – oder doch? Dann wäre die Lyme-Borreliose doch eine neue Seuche! Für eine “neue Seuche“ bzw. eine erhöhte Borrelien-Durchseuchung der Wirte und Zecken gegenüber früher sprechen allerdings neuere Untersuchungen. Bei diesen Studien (Stand 2010 / Baden-Württemberg Stiftung [247]) wurde über vier Jahre hinweg um die 23.000 wirtssuchende Zecken, in unterschiedliche Gebiete Baden-Württembergs, untersucht - so z.B. Flächen mit gutem und schlechten Müllmanagement, Flächen mit und ohne Beweidung, Flächen die regelmäßig gemäht werden oder welche die man sich selbst überlässt – das Ergebnis:










- Ein gut funktionierendes Müllmanagement senkt die Durchseuchung der Nagetiere (insbes. Wirte der Larven u. Nymphen), bzw. senkt den Nagetierbestand.





Weniger Nager => weniger Zeckenlarven und Nymphen finden ein Opfer => weniger Zecken überleben die frühen Stadien => der Zeckenbestand nimmt insgesamt ab => weniger Borrelien werden von einem infizierten Wirt auf einen neuen Wirt weitergetragen => insgesamt eine geringere Durchseuchung der Wirtstiere und somit auch der wenigen verblieben Zecken = relativ geringeres Risiko für den Menschen von einer infizierten Zecke gestochen zu werden.










- Regelmäßig gemähte Parkflächen, Verkehrsinseln, Gärten, Wiesen usw. bieten ein ungünstiges Boden-Mikroklima bzw. senken der Luftfeuchtigkeit zwischen den Gräsern, wodurch weniger Zecken überleben. Die Zecken die trotzdem überleben haben keine gute Ansitzmöglichkeit um auf einen potentiellen Wirt zu lauern.





Weniger Zecken => geringere Übertragungsrate von einem infizierten Wirt auf den nächsten => insgesamt eine geringere Durchseuchung der Wirtstiere und somit auch der wenigen verblieben Zecken = relativ geringeres Risiko für den Menschen von einer infizierten Zecke gestochen zu werden.










- Flächen die extensiv beweidet werden haben einen mehrfachen Effekt gegen eine hohe Durchseuchung mit Borrelien bei Zecken und deren Wirtstieren. Zum einen wird durch das Abweiden der Bodenbewuchs (z.B. Gräser etc.) kurz gehalten, somit wird der selbe Effekt wie beim Mähen erreicht (ungünstiges Boden-Mikroklima für die Zecken). So manche Zecke wird mit dem Bewuchs zusammen vom weidenden Vieh einfach mit aufgefressen, hierdurch insgesamt eine Dezimierung des gesamten Zeckenbestandes. Zu guter letzt, Wiederkäuer (z.B. Rinder, Ziegen etc.) bilden bzgl. Borrelien eine Sackgasse und wirken somit auf den Zeckenbestand antiinfektiös! Es konnte nämlich in Studien gezeigt werden, dass mit Borrelien infizierte Zecken, welche an Wiederkäuern (z.B. Kühe, Rinder, Ziegen usw.) saugen, hinterher i.d.R. frei von Borrelien sind.





Weniger Zecken insgesamt und geringer infektiös = geringeres Risiko für den Menschen von einer infizierten Zecke gestochen zu werden.










Konkret im täglichen Leben bedeutet dies für uns folgendes:





Wandert man z.B. durch ein mit Ziegen beweidetes Gebiet, lauert einem nur ca. alle zwei Stunden eine mit Borrelien infizierte Zeckennymphe auf und nur ca. alle 12 Stunden ein infiziertes Zeckenweibchen. Hingegen lauern einem in einem Vergleichsgebiet, welches nicht beweidet wird, im Durchschnitt innerhalb einer Stunde 25 mit Borrelien infizierte Zeckennymphen und 7 infizierte Zeckenweibchen auf.





Fazit: Auf einer 12-Stunden-Wanderung kommt man in einem nicht extensiv beweideten Gebiet ca. an 384 mit Borrelien infizierten Zecken vorbei, in einem Gebiet das hingegen beweidet wird, im gleichen Zeitraum, nur an 7!





In Prozent: Die potentielle Gefahr sich mit Borrelien zu infizieren liegt in nicht beweideten Gebieten, gegenüber extensiv beweideten Gebieten, theoretisch um ca. 5400 Prozent höher!





Wenn man nun z.B. den Wandel der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten betrachtet, immer weniger Rinder, Kühe, Ziegen, Schafe usw. in Freilandweidehaltung, sondern immer mehr ein Trend hin zur Stall-Massentierhaltung (Kühe auf der Spaltroste etc.), dies alleine muss schon zu einer generell höheren Borreliendurchseuchung geführt haben. Weiter können immer größere zusammenhängende Ackerflächen beobachtet werden, die “Dank“ Flurbereinigung und der in den letzten Jahren gesteigerten Nachfrage nach Biomasse immer mehr an Größe und Ausdehnung zunehmen. In Rapsfeldern z.B. können Milane zwar durchaus noch die Wege der Mäuse sehen bzw. ausmachen, aber sie können diese zwischen den engstehenden hohen Pflanzen nicht fangen. Es wurden in Laufe der Jahrzehnte auch immer weniger Gehölze (Knicks) zwischen den Feldern, die z.B. als Unterstand für Rehwild (die auch eine Sackgasse für Borrelien bilden) und auch als Ansitz für Raubvögel gedient haben. Also alles agrarpolitische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die zur höheren Borrelien-Durchseuchung beigetragen haben müssen. Wenn man dann noch, wie in den letzten Wochen z.B. in Göttingen in der Tageszeitung (Göttinger Tageblatt [248]) folgendes lesen muss: Grünflächen: weniger Pflege – Unkraut auf Kreiseln, hohes Gras auf den Schillerwiesen und weniger gepflegte Schulgärten: 100.000 bis 140.000 Euro jährliche will die Stadt bei der Grünpflege sparen. Sie will Personal reduzieren, weniger Aufträge an Fremdfirmen vergeben, seltener mähen und Gehölze in Parks seltener pflegen. - dann muss man feststellen, dort provoziert man, Dank kommunaler Sparmaßnahmen, weitere Borreliose-Patienten da man ideale Habitate für Zecken schafft. Kommunales Sparen auf Kosten des Gesundheitssystems und des Patienten - nicht die Kommune zahlt dann die Zeche, sondern der Patient!






















Inkubation:










Tage bis Monate dauert es bis zum Ausbruch der Erkrankung.





Alledings gelten latente (schlafende) Infektionen bei einer Nicht-Behandlung heute (Stand 2006) als die Regel, man spricht dann von persistierender (fortbestehender) Borreliose. Diese Borreliose tritt dann meist spätestens nach 8 Jahren mit unspezifischen klinischen Symptomen in Erscheinung (z.B. Nackensteifigkeit, vorgetäuschter Bandscheibenvorfall usw.), wird dann meist weder vom Betroffenen noch vom Arzt mit einem Zeckenstich in Verbindung gebracht.






















Vermehrung:










in vitro (außerhalb des Körpers) Zell-Zyklen (Generation) der Borrelien ca. alle 6-20 h, in vivo (= im lebenden Organismus) vermutlich laut Statistik wesentlich langsamer (max. alle 5 Tage). Die Vermehrung (Mitose) erfolgt durch Längsteilung der Bakterienzelle.





Die Generationszeit der Borrelien ist für Bakterien außergewöhnlich lang, bei anderen Bakterien geschieht die Teilung in den meisten Fällen wesentlich schneller.





Setzt man die in der Praxis beim Menschen beobachteten Krankheitsschübe zugrunde, die nach Meinung einiger Experten auf die Borrelien-Generationszeiten zurückzuführen sind, kommt man auf einen wesentlich langsameren Vermehrungszyklus (ca. alle 28 Tage). Die Krankheitsschübe treten zu Beginn der Borreliose in der Regel im Monatsrhythmus und später häufig nur noch jährlich auf [88].





Für die Lyme-Borreliose (lowe-dose-borreliosis) gilt ähnliches wie für eine Helicobakteriose (Magengeschwür, Magenkarzinom), sie entwickelt sich langsam mit persistierenden Verlauf [130]. Wenige Borrelien-Erreger befallen den Wirt und etablieren die Infektion, erst nach langer Zeit lösen sie im Zielgewebe Entzündungen aus.





Dies bestätigt im Prinzip auch eine Doppelblindstudie die an Wehrpflichtigen durchgeführt wurde. Bei dieser Studie sind von den Rekruten 5,5 % mit erhöhtem Bb.-IgG (Borrelia-IgG-Werten) in den Dienst eingetreten und 7,7 % mit erhöhtem Bb.-IgG ausgeschieden. Es soll aber nur bei wenige Dienstleistenden eine akute Borreliose in Erscheinung getreten sein, der Rest mit positiven Bb.-IgG-Wert klagte, im Gegnsatz zu den Bb.-IgG-Wert negativen, häufiger über ein allgemeines Krankheitsgefühl und häufiger Müdigkeit [132]. Was sicherlich für eine schwelende, subklinisch verlaufende Erkrankung spricht die eventuell erst Jahrzehnte später durchbricht (Spontanheilung möglich ?).






















Dissemination (Ausbreitung) im Körper:










Nach heutiger Kenntnis (Stand 2006) geschieht die zentrale Ausbreitung z.B an der Einstichstelle oder im Zielorgan (Nischenorgan, z.B. Muskeln) vorrangig extravaskulär (= außerhalb der Blutgefäße) und über den restlichen Körper vaskulär bzw. hämatogen (= über die Blutbahn) u./o. lymphogen (= über die Lymphbahnen und Knoten). Eine Lokalisation der Borrelien zu Beginn der Infektion die nur auf das Erythema (EM) begrenzt ist, gilt inzwischen als überholt, nach heutiger Kenntnis findet von Anfang an eine Streuung statt [158]. So konnte z.B. mit der neu entwickelten “FocusFloating Microscopy“-Methode (FFM) sichtbar gemacht bzw. der Direktnachweis erbracht werden, dass sich die Borrelien schon in sehr früher Phase über die Blutbahn im Körper ausbreiten (Stand 5/2010 - Quelle: [249]).





Die extravaskuläre Ausbreitung gelingt den Borrelien mittels Kontaktrezeptoren, sogenannter Adhäsine (DbpA u. DbpB [V]) durch Bindung an bestimmte Bestandteile (Decorin) der Matrix in den Zellzwischenräumen, vereinfacht gesagt, dem Bindegewebe. Im Bindegewebe interagieren die Borrelien mit Fibroblasten [V], Fibrozyten [V] und dem Fibronektin [V] [90]. Weiterhin hilft ihnen bei der sogenannten extravaskulären Fortbewegung ihre korkenzieherartige sehr schlanke Form und ihre extreme Beweglichkeit, wodurch sie sich im viskosen Medium recht schnell fortbewegen können [67] (siehe Abs.: Tarnstrategien der Borrelien). Im Blutstrom (vaskulär, hämatogen) binden sie Plasminogen [V] des Wirtes und Komplement-Kontrollproteine an ihre Oberfläche ein, wodurch sie Einfluss auf die angeborene Immunabwehr, das sogenannte Komplementen- System [V] nehmen [90]. Auf diese Weise gelingt es den Lyme-Borrelien (z.B. B. spielmanii / Geno-Typ 15) sich der menschlichen Immunabwehr, der Komplement-vermittelten Tötung zu wiedersetzen [145].





Kurz zusammengefasst kann man sagen, ihre bevorzugten Rückzugsorte (Nischen / Verstecke) sind die Gelenkinnenhäute (= Synovialmembran), Gewebestrukturen des Gehirns, Rückenmarks (ZNS) und der peripheren Nerven (PNS) sowie der Herzbeutel [130] und Herzklappen [219]. Im engeren Sinn insbesondere die Epithelzellen (= Auskleidungs- u. Oberflächenzellen) und Makrophagen (= Immunzellen).





Die Epithelzellen bzw. die Epithelschichten werden nur von Nerven versorgt, nicht von Blutgefäßen. Die Nährstoff und Sauerstoffversorgung geschieht mittels Diffusion zum Epithel. Das Epithel ist also ein idealer Rückzugsort um der Immunabwehr vorerst zu entwischen, dessen Zellen ja selbst auch ein Opfer der Borrelien sein können (z.B. Makrophagen - weiteres siehe unter Kap.: Tarnstrategien).





Aus vorgenannten Grund schlage ich (Autor: A. Hartwig) auf der Seite Antibiotikumtherapien“ dasGöttinger Borreliose-Therapieschema“ vor, um alle möglichen Bereiche zu erreichen die von den Borrelien befallen sein können.















In Diskussion [8]:





auch eine sogenannte neurotrope Ausbreitung entlang der peripheren Nerven wird inzwischen von einigen Fachleuten nicht als unwahrscheinlich betrachtet (siehe auch unter Symptome: Facialis-Paresen bzw. Bell-Phänomen). Das Nervensystem setzt sich aus dem vegetativen, zentralen (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS) zusammen. So haben die peripheren Nerven teils ihre Wurzeln direkt im Rückenmark (Rückenmarks- oder Spinalnerven) und im Gehirn (Hirnnerven).





Für diese sogenannte zentripetale Ausbreitung über die peripheren Nervenbahnen spricht nach Meinung einiger Fachleute die häufige Beobachtung, dass die Wanderröte (EM) und eventuelle zentrale und periphere Neuropathien gleichseitig auftreten [68]. Auch konnte in den USA der Beweis erbracht werden, dass die Borrelien in neuronalen Zellen (= Zellen des Nervensystems) überleben können [123/124/190].






















Borrelien, Klassifizierung und Subspezies:










Zuordnung / Taxonomie / Systematik:





Ordnug: Spirochaetales (= spiralig gewundene Bakterienfamilie mit mind. einer vollständigen Windung)





Familie: Spirochaetaceae (= Spirochaetales-Fam. 1: Spirochaeta, Cristispira, Treponema, Leptospira, Borrelia)





Gattung / Genus: Borrelia





Art / Spezies: Borrelia burgdorferi sensu lato Komplex (= low-dose-borreliosis Erreger / Lyme Borreliose)





Unterart / Subspezies: z.B. Bb. Geno-Typ 1 (Borrelia burgdorferi ss.), Bb. Geno-Typ 2 (Borrelia garinii) usw...










Aussehen / Morphologie / Genetik:





Borrelien sind nicht bekapselt. Wenn ein Loch in ihre Zellhülle durch äußere Einwirkung entsteht, platzen sie nicht, da sie nur einen geringen Innendruck aufweisen. Desweiteren können sie entstandene Löcher wieder reparieren [156]. Die Borrelien sind ca. 10 bis 20, max 30 mm lang und haben einen Durchmesser von ca. 0,3 bis 0,6 mm. Sie weisen je nach Subspezies 3-10 (-30) Spiralwindungen auf, sind gramnegativ (= Anfärbverhalten), bestehen aus einem Protoplasmazylinder in desssen Zentrum sich ein DNA-Strang (sogen. Achsenfaden) befindet und die ringförmigen Plasmids lagern (bis zu 32 Stk. [156]). Der Protoplasmazylinder wird von 7-11 sogen. periplasmatischen Flagellen (quasi die Muskeln der Borrelien) umgeben, die lose und beweglich zwischen dem Protoplasmazylinder und der Außen-Zellmembran gelagert sind. Die Flagellen sind für die extrem gute Beweglichkeit der Borrelien verantwortlich. Die äußere Zellhülle wird aus einer dreischichtigen Membran gebildet, welche die sogen. Outer-surface-Proteine (z.B. Osp-A, Osp-C etc.) tragen bzw. bilden. Die äußere Zelloberfläche ist i.d.R. mit einer Schleimschicht ohne erkennbarer Struktur bedeckt.





Zwischen Borrelien aus Europa und Amerika konnten morphologische Differenzen beobachtet werden.





Die wichtigste Energiequelle der Borrelien ist Glukose. Die Glukose wird durch anerobe Glykolyse zu Laktat und in geringen Mengen zu Pyruvat abgebaut. Weiterhin kann die Glukose von den Borrelien zu Dextrin, Glycogen, Maltose und Trehalose für ihr Wachstum verstoffwechselt.















Kurzerklärung zur Schreibweise der Namen:





Gattungsnamen stehen immer vorne und werden groß geschrieben (z.B. Borrelia), dahinter folgt der Artname der immer klein geschrieben wird (z.B. burgdorferi).










Abkürzungen für die Borrelia-Stämme:





Borrelia burgdorferi sensu stricto (Bb. ss.) = Erreger, der im klassischen Sinn für die Lyme-Borreliose (LB) bzw. Lyme-Krankheit verantwortlich gemacht wird.





Borrelia sensu lato (lateinisch: im weiteren Sinne / Bb. sl.) = Im allgemeinen verwendete Bezeichnung für die andern Borrelia-Subspezies der “low-dose-borreliosis“ bzw. der “Lyme“-Borreliose im weiterem Sinne (Neuro-Borreliose / NB, Zerebrovaskuläre Borrelieose etc.).





Alle Lyme-Borreliose (low-dose-borreliosis) verursachenden Borrelia-Spezies werden unter dem Begriff Borrelia burgdorferi sensu lato Komplex (Bb. sl.-Komplex) zusammengefasst.





Wird die Bezeichnung Bb.spp verwendet, sind hiermit alle Gattungen der Borrelien gemeint.











Abb. bearbeitet von A. Hartwig; das Orginalfoto war auf der öffentlichen Ausstellung >>Parasiten – Leben und leben lassen<< (Sonderausstellung des Museums für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin) von 30.11.03 bis 27.02.04 im Göttinger Universitätsklinikum zu sehen.










Borrelia afzelii (Geno-Typ 3) in Großraum Göttingen (Niedersachsen) ist z.B. jede dritte Zecke Träger des Erregers [3], also dort die am häufigsten vorkommende Borrelia-Subspezies die eine Borreliose vom Typ Lyme-Krankheit (low-dose-borreliosis) auslösen kann. Aber in unmittelbarer Nachbarschaft, im Eichsfeld (Nordthüringen), sieht dies schon ganz anders aus. Im Eichsfeld ist z.B. B. valaisiana die dominierendeste Subspezies, gefolgt von B. garinii, B. afzelli und zu guter letzt von B. burgdorferi ss. [230].





Hauptsymptome: Die Borrelia Subspezies Borrelia afzelii (Geno-Typ 3) wird in erster Linie mit einer Dermato-Borreliose (Haut betreffend) in Verbindung gebracht, insbes. mit Initial-Erscheinung des Erythema migrans (EM / sogen. Wanderröte) und der chronifizierten Erscheinung der Akrodermatits chronica atrophicans (ACA / sogen. Bratapfel-Haut) [76]. Diese Borrelia-Subspezie ist somit die Einzige, die alle wesentlichen, klinisch sichtbaren, Leitsymptome einer Lyme-Borreliose hervorrufen kann, wie z.B. EM und ACA [207].





In Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Großraum Kiel) sieht die Häufigkeitsverteilung hingegen ganz anders aus (Stand 4/2004 [60]): 1.- Borrelia burgdorferi s.s. (51 %), 2.- Borrelia garinii (27,4 %), 3.- Borrelia afzelli (13,7 %), 4.- Borelia valaisiana (7,8 %).





In Süddeutschland wiederum abweichend (Stand 4/2004 [74]): 1.- Borrelia garinii (50 %), 2.- Borrelia burgdorferi s.s. und Borrelia afzelii (23 %), 3.- Borelia valaisiana (4 %).















Normalerweise sieht die Häufigkeitsverteilung (Durchseuchungsrate) in Europa (z.B. insbesondere Deutschland, Dänemark etc.) wie folgt aus:





1.- Borrelia garinii ([d/y] Geno-Typ 2): wird seit ca. 1994 für die Neuro-Borreliose (NB u. C-NB) verantwortlich gemacht. Bei dieser Form einer Borreliose sind vorrangig die Nerven, dass Gehirn und Rückenmark (ZNS) betroffen [76/221]. Ein Nachweis, sofern eine - als Borrelien spezifische geltene - Immunreaktion vorliegt, gelingt dann meist auch nur im Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis / Rückenmarksflüssigkeit) bzw. am Serum-Liquor-Index. Allerdings kommt der Liquor-Diagnostik im chronischen Stadium der Borreliose (C-NB) kaum noch eine Bedeutung zu, so zumindest die Meinung einiger Ärzte und Wissenschaftler (siehe z.B. [157]). Das B. garinii besonders ins ZNS einwandert liegt daran das diese Borrelia-Subspezies höhere Temperaturen zum vermehren bevorzugt, und diese Umgebungsbedingungen besonders beim Menschen im Gehirn vorfindet [207]. Das Häufigkeits-Bild von B. garinii in Zusammenhang mit der NB kann auch falsch interpretiert sein, da diese Borrelia-Subspezies in Europa insgesamt am häufigsten in Zecken (insbs. I. ricinus) verbreitet ist und somit wahrscheinlich auch am häufigsten auf den Menschen übertragen wird, wodurch dieser Borrelia-Genotyp dann zwangsweise am meisten am erkrankten Patienten bei einer NB Labor-technisch nachgewiesen wird [218].





Hauptsymptome die bei einer B. garinii Infektion auftreten können: Neuroborreliose (NB), Erythema migrans (EM / siehe oben “Übertragung, Wanderröte“) und ggf. Lyme-Arthrits (LA)





Hauptüberäger für Borrelia garinii eurasischer Typ in Europa und West-Russland: I. ricinus und I. persulcatus





Hauptüberträger für Borrelia garinii asiatischer Typ in Ost-Russland: I. persulcatus





Mittlere Zecken-Durchseuchungsrate mit B. garinii in Deutschland: 39 % [78]





Verbreitung (Quelle z.B. [185]): Europa, Asien insbs. Russland, China (insbs. im Norden [225]), Japan u. Korea. Die regionale große Heterogenität der B. garinii OspA-Serotypen soll für eine große Mobilität der Wirte sprechen, was auch auf die Vögel, die als Hauptwirt verantwortlich gemacht werden (zumindest in Europa), zutrifft [230].





Haupt-Reservior/Stapelwirt (Quelle z.B. [180/184]): Vögel (Aves)










2.- Borrelia afzelii ([d/y] Geno-Typ 3): siehe oben





Hauptsymptome die bei einer B. afzelli Infektion auftreten können: Akrodermatits chronica atrophicans (ACA), Erythema migrans (EM / siehe oben “Übertragung, Wanderröte“) und Lyme-Arthrits (LA)





Hauptüberträger für B. afzelii in Europa und West-Russland: I. ricinus





Hauptüberäger für B. afzelii in Ost-Russland: I. persulcatus





Mittlere Zecken-Durchseuchungsrate mit B. afzelli in Deutschland: 37 % [78]





Verbreitung (Quelle z.B. [185]): Europa, Asien insbs. Russland, China China (insbs. Im Norden [225]), Japan u. Korea





Haupt-Reservior/Stapelwirt (Quelle z.B.[180/184]): Nagetiere (Rodentia) wie z.B. Apodemus-Mäuse (wie z.B.: Waldmaus, Gelbhalsmaus, etc.)










3.- Borrelia bavariensis ([d/y] ehemals als B. garinii OspA Serotyp 4 einsortiert [219/221/222]):





Wird neben B. garinii für die Neuro-Borreliose (NB u. C-NB) verantwortlich gemacht. Eine Mischinfektion von B. bavariensis zusammen mit B. burgdorferie führt häufiger zur Lyme-Arthritis [230].





Hauptsymptome die bei einer B. bavariensis Infektion auftreten können, sind alle Erscheinungsformen die mit einer Neuroborreliose (NB / C-NB) in Verbindung gebracht werden.





Hauptüberträger für B. bavariensis ist I. ricinus





Mittlere Zecken-Durchseuchungsrate: ?





Verbreitung: Europa allgem., insbes. in der Slowakei, Tschechien, Polen, den Niederlanden und Dänemark - in Deutschland konnte B. bavariensis bisher hauptsächlich nur in Bayern nachgewiesen werden (Stand 2004 [230])





Haupt-Reservior/Stapelwirt/e: Nagetiere [222]










4.- Borrelia burgdorferi sensu stricto ([d/y] Geno-Typ 1): Erreger der klassischen Lyme-Krankheit deren Symptom komplex zuerst in den USA beschrieben wurde, heute auch allgem. als Lyme-Borreliose bekannt. Der Geno-Typ 1 wird insbes. für die sogen. Lyme-Arthritis (Gelenke betreffend) verantwortlich gemacht [76]. Eine Mischinfektion von B. burgdorferi zusammen mit B. bavariensis führt häufiger zur Lyme-Arthritis, als bei einer Mono-Infektion nur mit B. burgdorferi [230].





Hauptsymptome die bei einer B. burgdorferi ss. Infektion auftreten können: Erythema migrans (EM), Lyme-Arthrits (LA), Neuroborreliose (NB) und Karditis (Herzbeschwerden)





Hauptüberträger für B. burgdorferi ss. in Europa und West-Russland: I. ricinus





Mittlere Zecken-Durchseuchungsrate mit B. burgdorferi ss. in Deutschland: 15 % [78]





Verbreitung (Quelle z.B. [185/218]): Nordamerika und bei uns hauptsächlich in West-Europa





Haupt-Reservior/Stapelwirt/e: Nagetiere (Rodentia), Niederwild und Vögel










5.- Borrelia spielmanii (sp. nov.), eng verwandt mit B. afzelii ([d/y] [118/137/140/141/142/143/218/219/287] Geno-Typ 15): homogenous-erythema-migrans (= gleichfarbiges EM, ohne Aufhellung im Zentrum), serös nasale Beteiligung, periodisch unterbrochene Hals- und Lendenwirbelschmerzen, häufige Kopf- und Muskelschmerzen (Myalgien), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) sowie ACA (sogen. Bratapfelhaut) usw.





Hauptüberträger für B. spielmanii sp. nov. in Europa (insbs. Süd-Deutschland, Frankreich, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Russland, Dänemark usw. - Quelle z.B. [181/182]): vorrangig durch adulte (erwachsene) I. ricinus





Mittlere Zecken-Durchseuchungsrate mit B. spielmanii sp. nov. in Süd-Deutschland: ca. 6 % aber auch höher, z.B. in München im Englischen Garten beträgt die Durchseuchungsrate ca. 18 %





Haupt-Reservior/Stapelwirt [3/180/184/219]: Bilche (Gliridae); Gartenschläfer (Eliomys), Siebenschläfer (Glis), Haselmäuse (Muscardinus) und das sibirische Backenhörnchen (Tamias sibireus)





B. spielmanii sp. nov. Heterogenität gilt unter Fachleuten als bemerkenswert. Unter Heterogenie versteht man, wenn es für ein Merkmal mehr als ein Gen gibt oder aber wenn durch Mutation Gene so verändert werden, dass sie in Folge ein bestimmtes anderes Merkmal hervorrufen.





Grundsätzlich gelten Zecken die mit B. spielmanii sp. nov. infiziert sind als ansteckender, als z.B. Zecken die B. afzelii in sich tragen. Das Verbreitungsgebiet von B. spielmanii sp. nov. korreliert nach bisherigen Wissen mit ecotonal-Gebieten (z.B. verzahnte Landschaften/Übergangsgebiete: Wald u. Obstbau, Wald u. Weideland etc.) wo Kalkgestein vorkommt [180]. Gebiete mit Kalkgestein sind i.d.R. verkarstet, wodurch die Felsen viele offene Klüfte und Höhlen aufweisen in denen sich die Stapelwirte (Gartenschläfer, Siebenschläfer etc.) von B. spielmanii sp. nov. häufig aufhalten - dies wird wohl schon jeder Karstkundler bzw. Speleologe (Höhlenforscher) beobachtet haben.










Nachfolgende aufgeführte Borrelia-Subspezies des Bb.sl.-Komplex werden bisher teilweise noch als fraglich menschenpathogen (Menschen krankmachend) eingestuft (z.B. [219]). Diese Einstufung halte ich für fragwürdig, gebe es ähnlich Nachweise aus/an menschlichen Medien (Nervenwasser bzw. Liquor, Herzklappe etc.) z.B. bei der Syphilis, würde man diesen Nachweis als Bestätigung dafür ansehen, dass die Erkrankung durch den nachgewiesenen Erreger verursacht wird (bei Borreliose gilt dies scheinbar nicht !?). Aus vorgenannten Grund stufe ich diese hier als Menschenpathogen ein.





Borrelia valaisiana ([d ?/y] [117/181/183/185/218/219/287]): Erythema-Migrans (EM), Grippe-artige Erkrankung mit Fieber, Appetitlosigkeit, Frieren, Mattheit, Durchfall, Arthritis und Neuro-Borreliose ggf. mit einer Lähmung der unteren Glieder bzw. Bewegungseinschränkung der Beine (spastischer Paraparesis) und fortschreitender Rückenmarksschädigung (progressiver myelopathy) – es gelang z.B. ein Nachweis aus Nervenwasser (Griechenland 2004 [226]) oder in Japan (bzw. Kambodscha) aus der vom Patienten entfernten Zecke und dem Blut des Patienten 2005 [227]. Seit dem die Bestimmungsmethoden besser und genauer geworden sind, wird B. valaisiana inzwischen bei wissenschaftlichen Arbeiten immer häufiger mitbestimmt. Dies hat dazu geführt, dass B. valaisiana inzwischen zur dritthäufigste Genospezies das Bb.sl.-Komplex aufgestiegen ist, die in Europa nachgewiesen wird. In manchen Gegenden, wie z.B. in Deutschland im Siebengebirge (Lage in der Nähe von Bonn) oder in Irland ist B. valaisiana sogar die dominanteste Bb.sl.-Subspezies. Mittlerweile wird die Borrelia B. valaisiana in drei Subtypen unterschieden [227].





Verbreitung: England, Irland, Schweden [228], Deutschland, Schweiz, Kroatien, Tschechien, Niederlande bzw. in Teilen Europas und Asiens (z.B. in China im Jangse-Tal [225])





Haupt-Reservior/Stapelwirt [183]: Vögel (Aves) B. valaisiana verwandte bzw. phänotypischen unterscheidbare Stämme kommen z.B. in China, Japan, Korea und Taiwan auch in Mäusen (Apodemus agrarius), Spitzmäusen (Crocidura watasei) sowie Ratten (Niviventer confucianus, Rattus norvegicus, Rattus losea etc.) vor [225]. Untersuchungen in Thüringen geben Hinweise, das auch in Deutschland bzw. Europa andere Reservoir-Tiere neben den Vögeln für B. valaisiana eine Rolle spielen müssen [230].










Borrelia lusitaniae ([a-d ?/y] [181/183/218/219/230]): Lyme-Borreliose mit allgem. Symptomatik, insbs. mit Vasculitis assoziiert (2008). In Portugal war B. lusitaniae der häufigste Vertreter des Bb.sl.-Komplex der nachgewiesen werden konnte [230]. Unter Vaskulitis versteht man verschiedene Formen entzündlicher Gefäßerkrankungen. Vaskulitis ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die unbehandelt i.d.R. zum Tod führen kann [220].





Verbreitung: Portugal, Ukraine, Tschechien, Moldavien bzw. Europa und in Teilen Asiens sowie Nordafrika





Haupt-Reservior/Stapelwirt [182/219]: Eidechsen (Lacerta)










Borrelia bissetti ([a-d ?/y] [140/218/218/219/229]): Herzerkrankungen und Neuro-Borreliose; bisher insbes. aus Herzklappen abgesondert ([219] 2008) sowie aus Nervenwasser (ZNS / Liquor [218]). In Slowenien konnten bisher 9 verschiedene B. bissetti-Stämme und in Deutschland ein B. bissetti-Stamm aus Patienten isoliert werden (Stand 2006 [218]). Zitat übersetzt aus [229]: ...) Die Gegenwart von B. bissettii als eine einzelne Infektion im Menschen mit symptomatischer Borreliose oder Beständiger Borrelien-Infektion unterstützt stark die Tatsache, dass B. bissettii nicht nur ein Mitglied des Bb.sl.-Komplexes ist, sondern auch als ein krankheitsauslösender Erreger der Lyme-Borreliose betrachtet werden muss (...





Verbreitung: (Nord-)Amerika, Europa: insbesondre bisher in Slowenien, Deutschland und Tschechien nachgewiesen. Anderswo wurden noch keine wissenschaftlichen Arbeiten bzgl. diesen Borrelia-Genotyp durchgeführt, bzw. veröffentlicht. Im Zweifelsfall wie die Tschechen verfahren, als letzte Ausschlussmöglichkeit eine ausreichend hohe und lange Antibiose durchführen (besser Kombi-Antibiose) [b]










Anzutreffende Misch-Infektionen in Zecken, wahrscheinlich durch Immunreaktionen des einzelnen Wirtes bedingt die während des Saugaktes der Zecken auf den verschiedenen Wirten stattfinden. Nicht jede Borrelia-Subspezies kommt gleich gut mit dem verschiedenen Immuneigenschaften der verschiedenen Reservoir- u. Wirtstieren klar, wodurch schon in einer Zecke anwesende Subspezies wieder aus ihr verschwinden können [230].





So haben Laborversuche zeigen können, bei denen Zecken mit B. burgdorferi ss., B.afzelii, B. garinii und B. valaisiana infiziert wurden, wurden diese auf Vögel zur Blutmahlzeit angesetzt, überlebten alle Subspezies, außer B. afzelii. Dies mag uns zeigen, dass B. afzelli z.B. auf Vogelblut bzw. deren Komplementensystem sensitiv regiert und in der Zecke vernichtet wird [230]. Der gleiche Effekt mag bei den anderen Subspezies eintreten, wenn sie nicht mit dem entsprechenden Immunsystem des Wirtes klar kommen. Aus Studien in Thüringen kann man z.B. ableiten, das vom Menschen abgesammelte Zecken i.d.R. Fast doppelt so hoch mit B. afzelii infiziert waren (Durchseuchungsrate 66 %), als der Schnitt von im Freiland gefangenen Zecken zeigte (Durchseuchungsrate 34 %). Hingegen war bei B. garinii genau das Gegenteil zu beobachten, hier waren vom Menschen abgesammelte Zecken nur halb so hoch durchseucht (Durchseuchungsrate 15 %) als im Freiland eingesammelte Zecken (Durchseuchungsrate 30 %). Bei B. valaisiana betrug die Infektionsrate bei am Menschen abgesammelter Zecken ca. zwei Drittel (Durchseuchungsrate 16 %) gegenüber dem aus dem Freiland gesammelten Zecken (Durchseuchungsrate 24 %). Dies zeigt uns das die für den Menschen krankmachenden (humanpathogen) Bb.sl.-Komplex Borrelien unterschiedlich sensitiv auf das menschlich Blut (z.B. Komplementensystem) reagieren. Hierdurch werden ähnliche Studien bestätigt, die gezeigt haben das z.B. viele B. garinii-Stämme und einige B. burgdorferi ss.-Stämme Serum-sensitiv sind, und das es Serum- resistente Stämme gibt. So sind z.B. fast alle B. afzelii-Stämme Serum-resistent [230]. Bei den B. afzelii-Stämme könnte man sogar schlussfolgern, dass der Mensch ggf. ein Reservoir darstellt.





Misch-Infektionen in Zecken:





Selten: B. afzelli zusammen mit B. garinii





Häufig: B. valaisiana mit B. garinii oder B. afzelii mit B.bavariensis (ehemals B. garinii OspA Serotyp 4)










Nachfolgend die häufigsten Borrelia-Subspezies sortiert nach dem sogenannten Borrelia burgdorferi sensu lato Komplex (low-dose-borrelia) [223] und Rückfallfieber Borrelien (high-dose-borrelia). Die Sortierung darf nicht als endgültig betrachtet werden, Umsortierungen oder Neuzugänge kann es jederzeit noch geben - siehe nachfolgend z.B. Borrelia persica. Auch die Einteilung als nicht krankmachend (apathogen) oder krankmachend (pathogen) ist nicht endgültig, wie z.B. Borrelia valaisiana [117] in der Vergangenheit gezeigt hat.





Derzeit als Borrelien Subspezies (> 10 Geno-Typen) des Borrelia sensu lato Komplexes (Geno-Typ 1-3 u 15 zählen auch dazu) eingestuft:





Borrelia miyamotoi ([c/z/e] Amerika, Schweden - Europa u. Asien), Borrelia Ionestari ([d/z/e] Amerika, Asien u. Europa), Borrelia andersonii ([a/y] Nordamerika), Borrelia turdii o. turdae ([a/y] Japan), Borrelia tanuki ([c] Japan), Borrelia japonica ( [a/y] Japan / Geno-Typ 4) und Borrelia sinica ([c] China / insbs. im Jangse-Tal [225]), Borrelia californiensis ([c/y] USA (Entdeckung 1997 [219]), Borrelia carolinensis ([a/y] Nordamerika (Entdeckung 2009 [195/219])), Borrelia kurtenbachii ([a/y] Nordamerika), Borrelia finnlandensis sp nov. ( [b] Beschreibung 2011 / Finnland [258])





B. afzelii, B. valaisiana, B lusitaniae, B. japonica sind genetisch enger mit B. garinii verwandt, als mit B. burgdorferi sensu stricto. B. garinii wird inzwischen als der älteste Bb.sl.-Komplex-Stamm angesehen [98]. Die häufigste beobachtete Doppelinfektion bei Zecken ist B. garinii zusammen mit B. valaisiana, beide Bb.sl.- Komplex Borrelien werden vorrangig von Amseln, Drosseln etc. (engl.: passerine birds) verbreitet bzw. auf die Zecken übertragen [219].
















Übersichtskarte der weltweit am meisten verbreiteten Bb.sl.-Komplex Borelien (Lyme-Borrelien), die bisher eher seltener beschriebenen Subspezies wie z.B. B. Ionestari, B. miyamotoi und B. finnlandensis wurden noch nicht mit dargestellt . Zumindest für die Borrelia-Subspezies B. garinii scheinen immer mehr Seevöglen als weltweiter Verbreiter ins Blickfeld zu geraten, innerhalb der Seevögel weisen die B. garinii Borrelien eine große Heterogenität auf. Im subarktischen Raum von Eurasien überlappen sich teilweise zwei unterschiedlich heterogene B. garinii Populationen. Allerdings scheinen die von den Seevögel verbreiteten B. garinii Borrelien (marine B. garinii Stämme) nicht so gefährlich für den Menschen (pathogen) zu sein, wie die eurasischen Festlandstämme (terrestirialen B. garinii Stämme). Für die südöstlichen Regionen der USA kristallisiert sich z.B. immer mehr B. lonestari als Krankheitserreger raus, welcher eine der Lyme-Borreliose ähnliche Symptomatik auslöst . Klinisch sichtbares Zeichen einer Infektion mit B. lonestari ist meist Hautausschlag - sogen. STARI / südlicher Zecken-assoziierter Hautausschlag (Quellen u. a.: [261] - [268] u. [274] - [277]).










Derzeit als Rückfallfieber Borrelien eingestuft:





Borrelia anserina ([c/z] weltweit), Borrelia theilerie ([c/z] weltweit), Borrelia recurrentis ([d] Europa), Borrelia hispanica ([a/z] Spanien u. Nordafrika), Borrelia crocidurae ([a/z] Nordafrika), Borrelia duttonii ([d/z] Zentralafrika), Borrelia parkeri ([c] Asien u. Ostafrika), Borrelia dipodilli ([c/z] Iran), Borrelia caucasica ([d/z] Eurasien), Borrelia persica ([d/e/z] Eurasien), Borrelia usbekistana ([d] Asien), Borrelia letyschewii ([c/z] Asien), Borrelia hermsii ([c/z] Nordamerika), Borrelia davisii ([e/a] West- bzw. Nordamerika), Borrelia turicatae ([c/z] Nordamerika), Borrelia mazzoni ([c/z] Nordamerika), Borrelia coriaceae ([c/z] Nordamerika), Borrelia venezulensis ([c/z] Mittel- u. Südamerika) usw.





Als Sonderform können die Borreliosen der (Rückfallfieber)-Subspezies ähnlich verlaufen wie eine Neuro-Borreliose vom Typ Lyme-Erkrankung oder eine Neuro-Syphilis. Charakterisiert wird diese Sonderform durch Schädigung der weißen Hirnsubstanz, schwache bis starke Fieberschübe mit langen latenten (schlafenden) Infektionsphasen. Insbesondere Borrelia persica, bzw. B. usbekistana kann zu tödlichen ZNS-Komplikationen führen – bekannt seit 2000 [10].










Die Borrelia Subspezies konnten wiederum schon 2001 in über 300 verschiedene Stämme unterschieden werden. Jeder der verschieden Stämme wird mit einen Zahlen-Buchstaben-Kode charakterisiert [9]. Beispiele der Codierung: B. burgdorferi = B31, B. garinii = N34, B. afzelii = pKo, B. valaisiana = VS116, B. spielmani = A14S, usw. - siehe Seite: "Verschiedene Borrelia-Stämme bzw. Gruppen".










[a] – noch unklar ob sie beim Menschen Erkrankungen auslösen (Menschen-Pathogenität)





[b] – Einzelnachweis





[c] – vermutl nicht für den Menschen krankmachend (Menschen-Pathogenität) bzw. Symptomatik noch nicht erfasst





[d] – nachgewiesen das sie Menschen-pathogen (= krankmachend) sind





[e] – Bb. sl.-Komplex / Rückfallfieber Borrelien; Zuordnung unklar - teilwiese provisorische Einteilung als B. Miyamotoi sl. [119/121]





[y] – vorrangig durch Schildzecken (Familie d. Ixodidae) übertragen





[z] – vorrangig durch Lederzecken (Familie d. Argasidae) übertragen, aber auch teilweise durch Schildzecken

















Tarnstrategien der Borrelien-Subspezies:






Pathomechanismen von Borrelien des Bb.sl.-Komplex (Vortragsfolie von A. Hartwig / Mai 2009)











Die wichtigsten Oberflächenproteine des Bb.sl.-Komplex (Vortragsfolie von A. Hartwig / Mai 2009)










Borrelien (nachgewiesen an Bb. ss. bzw. B31) setzen sich zu circa 25-30 % aus sogenannten Lipoiden (= Fette u. fettähnliche Stoffe) zusammen, die massenspektrometrisch und gaschromatographisch in 11 Lipidfraktionnen aufgetrennt bzw. klassifiziert werden konnten. Von den 11 klassifizierten Lipidfraktionnen konnte allerdings nur zweien (beides sogenannte Glykolipide) eine antigene Wirkung beim Menschen nachgewiesen werden [13]. Eine Immunreaktion auf die anderen Lipidfraktionnen konnte bei keinen der untersuchten Patinenten nachgewiesen werden, sie werden also vom menschlichen Immunsystem toleriert - man könnte auch von sogenannten Tolergenen sprechen. Alerdings sollen die Lipoproteine der Borrelien toxische Wirkung haben [207] .





Bis zum Jahr 2002 wurden schon fünf Komplement-Kontrollproteine (Komplementregulatoren) beschrieben, sogenannte CRASPs (Complement regulators-acquiring surface proteins), die mit Borrelien-Proteinen interagieren. Inzwischen konnten schon bis zu fünf verschiedene CRASPs charakterisiert werden, die die Borrelien Komplementresistent machen [116]. Im wesentlichen entziehen sich die Borrelien (z.B. Borrelia spielmanii sp. nov. / Geno-Typ 15) aber dem Komplementsystem [V] durch die Bindung von zwei eigentlich sehr effektiven Komplement-Kontrollproteinen, dem “Faktor H“ (FH) und dem “Factor H-like Protein 1/reconectin“ (FHL-1) [103/104/145]. So ist das sogenannte Borrelien-Oberflächenprotein Osp-E z.B. das passende Gegenstück (Ligand) zum menschlichen “Faktor H“. Das Borrelien Osp-E (OspE related proteins / Erps) ist auch temperaturabhängig, wie z.B. das Osp-A und Osp-C. Der “Faktor H“ befindet sich im Blutplasma und wirkt hemmend (inhibierend) auf das Immunsystem [90]. Der “Faktor H“ ist im weiteren Sinne ein H-Antigen und zählt zum HLA-System (siehe [44/59]), welches der Immunabwehr normalerweise dazu dient, zwischen “Selbst“ und “nicht Selbst / Fremd“ zu unterscheiden.





Auf diese Weise schützt der Körper seine eigenen Zellen (self AG) mit diesen Proteinen (HLA-Antigenen / Komplementregulatoren) vor Angriffen durch die angeborene eigene Immunabwehr, somit also vor der Zerstörung bzw. vor Autoimmunreaktionen. Aber genau mit diesem Schutzmantel, dem “Faktor H“, gelingt es einigen Borrelien-Spezies (z.B. Bb.sl.-Komplex) sich indirekt als menschliche Zelle zu tarnen, wodurch die Immunabwehr als Folge die Borrelien als körpereigen toleriert.





Die Empfindlichkeit der einzelnen Borrelien-Genotypen gegenüber dem Komplement verschiedener Wirte (Vögel, Nager, Mensch etc.) ist unterschiedlich, das heißt, die Borrelien sind einigen Wirten besser und anderen schlechter angepasst [90]. So hat jeder Borrelien-Genotyp wahrscheinlich seinen eigenen Hauptstapelwirt. Hieraus erklärt sich zum Teil die unterschiedlich krankmachende Wirkung (Pathogenität o. Virulenz) der einzelnen Borrelia-Subspezies gegenüber den verschiedenen Wirten, so auch gegenüber dem Menschen.





Hier kommt eventuell auch die sogen. Epigenetik [W] zum tragen. Ich möchte den Begriff Epigenetik nutzen, obwohl er im engeren Sinn nur für die An- u. Abschaltung der Gene von höher gestellten Organismen (Säugetiere, z.B. Mensch) genutzt wird. Die Epigenetik ist die beschreibende Lehre, über einen Regulationsmechnismus (z.B. Methylierung u. Histone) der über die eigentliche genetische DNA-Information hinaus geht, zu Deutsch: Neben- oder auch Übergenetik genannt (siehe auch unten: phylogenetisch Bakterien-DNA).





Bei den Bakterien hingegen spricht man von Operon-Genregulation, da bei ihnen die DNA anders in ihrem Zell-Inneren gelagert (Zellaufbau) ist, als z.B. bei Säugetierzellen. Ein weiterer Unterschied besteht in der andersartigen An- und Abschaltung (z.B. Aktivierung o. Stummschalten) der Bakterien-Gene. Im übertragenem Sinn kann man aber wohl trotzdem von Epigenetik sprechen.





Bakterien-Gene sind in sogenannten Operons organisiert. Bei den Operons handelt es sich um Funktionseinheiten auf der Bakterien-DNA (lineare DNA / Chromosom), welche aus dem sogen. Operator, Promotor und Struktur-Genen besteht. An den DNA-Abschnitten des Operators werden die entsprechenden Funktionseinheiten der Bakterien-DNA geschaltet. Durch bestimmte Stoffe die von der Bakterien-Zelle aufgenommen (v.d. Wirts-Umgebung, z.B. Maus, Mensch etc.) oder gebildet werden (z.B. als Reaktion auf die Umgebung), kommt es zur Aktivierung oder Deaktivierung bestimmter in der Bakterien-DNA vorhandener Funktionen. Dies geschieht durch Anlagerung sogenannter Repressor-Proteine an den entsprechenden Operator-DNA-Abschnitten.





Zu der eigentlichen DNA der Bakterien (sogen. lineare-DNA) können bei ihnen noch sogen. Plasmide (ringförmige DNA) hinzu kommen, welche je nach Funktion in fünf Hauptgruppen unterschieden werden. Plasmide können von den Bakterien artübergreifend weitergereicht werden, teilweise gelingt es den Bakterien diese sogar in die Wirts-DNA (z.B. vom Mensch) einzuschleusen - man spricht dann von Episome. Die Plasmide sind häufig verantwortlich für Resistenzbildung (z.B. auf Antibiotika) und vermutlich auch zur Erlangung von Vorteilen im Wirtsorganismus. Durch die Integration in der Wirts-DNA werden die Episome mit jeder Zellteilung des Wirtes verdoppelt, wodurch sie lange Bestandteil der entsprechenden Wirts-DNA bleiben können.





Bei den Borrelien sind derzeit über 20 unterschiedliche Plasmide (ringförmige DNA-Moleküle) bekannt. Es wird beschrieben, dass mit dem Verlust bestimmter Plasmide (z.B. das sogen. lp25 Plasmid) auch die Infektiösität bzw. Pathogenität (bzw. Virulenz) der Borrelien verloren geht. Dieser Plasmid-Verlust konnte bisher insbesonder bei Borrelien beobachtet werden, die in in-vitro-Kulturen (Reagenzglas) gezüchtet wurden [90]. Dies ist sicherlich ein Beweis dafür, dass die Umgebung (Kulturmedium, Wirtsorganismus etc.) auf die genetische Entwicklung der Borrelien Einfluss hat.





Es konnte schon im Jahr 2001 Bakterio-Phagen (phiBB-1) Borrelia burgdorferi zugeordnet werden, die Plasmide unter den Borrelien weiterreichen können. Dies war der erste Beweis dafür, dass auch bei Borrelien eine laterale Gen- bzw. Plasmid-Weiterreichung möglich ist [291]. So können ggf. Bakterio-Pahgen dazu beitragen, dass ein eventueller Plasmid-/Gen-Verlust wieder rückgängig gemacht werden kann oder auf andere Borrelien lateral (= über Art- bzw. Spezies-Grenzen hinweg) weiter gereicht wird.





Die Epigenetik (Operon-Genregulation) bzw. das An- o. Abschalten, der Verlust sowie die Integration bestimmter Gene erklärt eventuell auch warum die selben Arten von Borrelien-Genotypen, unterschiedlich pathogen sind oder verschieden auf das gleiche Antibiotikum reagieren. So ist es vorstellbar, dass verschiedenen Stapelwirte (Mäuse, Siebenschläfer etc.) auch Einfluss darauf haben, wie pathogen (krankmachend) die Borrelien bei anschließender Übertragung auf den Menschen sind.





Es darf daher vermutet werden, dass Borrelien die durch Zecken von Mäusen auf den Menschen übertragen werden, wesentlich pathogener für den Menschen sind, als z.B. Borrelien die von Igel, Reh oder anderen Wirtstieren stammen. Eine Ursache hierfür könnten die zu 99 Prozent identischen Gene von Maus und Mensch sein. Die fast 100prozentige genetische Gleichheit von Mensch und Maus könnte dazu führen, dass die Borrelien schon in gewisser Weise den richtigen Oberflächencode geschaltet haben, bevor sie in den menschlichen Körper gelangen. Dies würde bedeuten, das jenes Zeckenstadium (Nymphe) was nach dem Stadium (Larve) folgt welches bevorzugt Mäuse als Opfer aufsucht, erheblich pathogener für den Menschen ist. Diese Vermutung wäre eventuell auch eine Erklärung für die vielen Patienten mit Borreliose-Symptomen, die sich weder an einen Zeckenstich noch an ein Erythema (EM) erinnern können. Weiter können sich hinter diesen Fällen eventuell auch die vielen serologisch negativen Borreliose-Patienten verbergen, da sich die Borrelien schon fast 100prozentig auf die entsprechende immunologisch relevante Oberflächenstruktur des Menschen vorab einstellen konnten.





Nachfolgend beschriebener Tarnmechanismus der Borrelien setzt genau bei der variablen, durch Umgebungsbedingungen (epi-)genetisch gesteuerten, dem Wirt angepassten Oberflächenstrukturen an.





Im Jahre 1998 wurde eine der häufigsten Borrelien-Tarnstrategien (USA, Massachusetts) erstmals mittels in vivo Versuchen (Mäusen) bewiesen [11]. Es wurde nachgewiesen, dass die Borrelien in Zecken und Läusen den sogenannten "mvp 33" – Faktor (major-variant-protein) an ihrer Oberfläche tragen und dass sie in der Lage sind, in Säugetieren (z.B. auch dem Menschen) ca. 30 verschiedene Enzyme des Opfers (Selbst-Antigene) in ihrem Osp (outer surface protein) einzubinden bzw. zu mimen (durch Rekombination verschiedener Gen-loci). Den Borrelien gelingt es auf diese Weise, mit bestimmten Eiweißen, sogenannten Komplementregulatoren, sich gegen Angriffe der Immunabwehr zu schützen [12] [292] - siehe oben z.B. CRASPs, Faktor-H etc.





Inzwischen (Stand 2004) konnte aufgeklärt werden, dass die Borrelien in ihrer DNA für das Antigen-Switching ca. 15 bis 20 sogenannte "variable major protein-like sequence-Kassetten (kurz: vls-Kassetten) besitzen. Diese vls-Kassetten bestehen jeweils wiederum aus 12 Genabschnitten, sechs stabile Abschnitte (invariable region / IR) und sechs veränderbare Abschnitte (variable region / VR). Durch die variable Kombination der einzelnen vlp-Kassettenelemente, soll den Borrelien eine nahezu unbegrenzte Variation (Stand April 2004 [14]) an Oberflächenproteinstrukturen für ihre Tarnung zur Verfügung stehen.





Dies muss man sich ähnlich wie die vielfältig möglichen Zahlenkombinationen bei einem sechsstelligen Zahlenschloss vorstellen, ein Treffer der richtigen Zahlkombination ist fast unmöglich. Wenn man sich jetzt noch vorstellt, dass die Zahlenkombination ständig geändert wird, kann fast davon ausgegangen werden, dass man nie die richtige Zahl herausbekommt – ähnlich muss es dem Immunsystem ergehen, sofern es nicht zu Beginn der Borrelia-Infektion gleich durch Zufall den richtigen Treffer landet.





Zum Vergleich, bei Salmonellen genügen drei Gen-Variationen um sich den Immunabwehr-Angriffen des Wirtes weitestgehend zu entziehen. Durch kleine Veränderung, insbes. von zwei Genen (sogen. PoxA- und yjeK-Gen), können die Salmonellen neue Stoffe aufbauen, mit denen es ihnen gelingt sich gegen die Immun-Abwehrmaßnahmen eines Wirts oder Antibiotika zu schützen [255].





Durch das Antigen-Switching gelingt den Borrelien in der Regel eine erneute intravaskuläre (= innerhalb der Blutgefäße) Vermehrung, zumal die stabilen Abschnitte bei den lebenden Borrelien von den veränderbaren verdeckt werden, wodurch ein gezielter Zugriff durch die Immunabwehr unmöglich ist. Inzwischen ist sehr gut bekannt, wie die Borrelien mit den während einer Infektion relativ stabilen Oberflächenstrukturen (Proteine) Osp-A, Osp-B und Osp-C verfahren, diese "verstecken" sie im sogen. periplasmatischen Spalt.





Schon vor 1995 wurde in den USA beobachtet, dass zum Beispiel der Geno-Typ 1, seine als spezifisch geltende antigene Region vom Osp-A, gegen ein Stück des Osp-B-Proteins austauschen kann [16]. Teilweise wurde sogar beobachtet, dass nach einiger Zeit nur noch eine Rumpfversion des ursprünglichen Osp vorhanden war (siehe auch unten: L-Form). In der Folge wurden die Osp-A Oberflächenproteine in sieben und die Osp-C Oberflächenproteine in 70 verschiedene Varianten (sogen. Serotypen) klassifiziert.





Das Antigen-Switching führt dazu, dass die B- und T-Zellen (auch Lymphozyten genannt) der spezifischen (erlernten) Immunabwehr die Borrelien plötzlich nicht mehr erkennen, da ihr abgespeicherter “chemischer Steckbrief“ nicht mehr zutrifft. Die Borrelien sind jetzt also vorläufig nur noch von der unspezifischen Immunabwehr, z.B. den Makrophagen, bedroht, die aber gerade selbst das Ziel der Borrelien sind (vorrübergehende Nischen). Die spezifische Körperabwehr muss somit die Borrelien erst wieder neu identifizieren. Für die Neuidentifizierung bedarf es normalerweise circa 5 Tage, da die antigenstimulierten B-Zellen erst zurück ins Knochenmark wandern müssen, um dort zu antikörperproduzierenden Plasmazellen heranzureifen. In dieser Zeit kann es den bis dahin noch nicht eliminierten Borrelien gelingen, ihre Zielzellen (Nischen) aufzusuchen, so dass nach der Rückkehr der antikörperproduzierenden Plasmazellen ihre Ziele nichtmehr vorhanden wären und dies zur negativen Rückkopplung führen würde, da die Antikörper (AK) mit keinem passenden Gegenstücke (Antigenen / AG) eine Bindung eingehen können. Die Antikörperproduktion würde somit schon auf der relativ “grob“-spezifischen immunologischen Ebene der IgM-Antikörper (AK-Erstreaktion) eingestellt, eine entsprechende spezifischere IgG-AK-Reaktion (AK-Zweitreaktion) würde ausbleiben.





Die Immunreaktionen auf die variablen Antigen-Kombinationen führen wahrscheinlich zu den für die Borreliose typisch auftretenden Krankheitsschüben (häufig mit Symptomverschiebung), welche dann oft fließend ins chronische Stadium übergehen, mit teilweise langen latenten (= schlafenden) Phasen.





Das Antigen-Switching wurde erst so spät entdeckt, da die Borrelien diese Tarnkappen ausschließlich nur im lebenden Organismus (in vivo) anwenden, niemals in Zellkulturen (in vitro / im Reagenzglas).





Das Antigen-Swtiching (Tarnkappen-Wandlung) vom gemimten Selbst-Antigen, zum "mvp 33 bzw. Osp-A", welches die Borrelien in den Zecken und Läusen (= Überträger bzw. Vektoren) überstülpen, ist nachweislich temperaturinduziert [15]. Hierdurch werden vielleicht einige "Rheuma"-Symptome erklärbar, die bisher nicht mit Borrelien in Zusammenhang gebracht wurden.





Anhand von Tierversuchen (Mäusemodell) konnte im Prinzip schon im Jahr 2005 bewiesen werden, das eine ständige Infektion, z.B. mit Borrelia burgdorferi (Bb.ss.), zur Produktion von autoreaktiven Antikörpern (ar-AK), dem sogenannten Rheumafaktor (RF) führen kann [133]. Initiiert wurde der Rheumafaktor (RF / ar-AK) durch im Blut anwesende Immunkomplexe und dem komplizierten Zusammenwirken von bestimmtem B-Zell-Rezeptoren, dem Toll-like-Rezeptor (TLR, TLR2) und T-Zellen [133].





Bei den Toll-like-Rezeptoren (TLR1 bis TLR10 / TLR 11) handelt es sich im Prinzip um eine Untergruppe der sogenannten PRRs (Pattern Recognition Receptors), die der Identifizierung von Antigenen dienen die nur auf Krankheitserregern vorkommen (sogen. PAMPs / Pathogen Associated Molecular Patterns). Mittels der TLRs gelingt es der angeborenen Immunabwehr i.d.R. zwischen Selbsantigen (körpereigen) und Nicht-Selbstantigenen (z.B. Krankheitskeim) zu unterscheiden. Zur angeborenen Immunabwehr zählen z.B. die Barrieren aus den Epithelzellen (z.B. Auskleidung der Blut- u. Lymphgefäße), das sogen. Komplimentensystem [V] (unspezifische Immunabwehr) und bestimmte andere Abwehrmechanismen (z.B. Phagozythose).





So ist es denkbar, dass Borrelien die sich in das Kollagen u./o. Mikrogefäße (z.B. der [Ober]-Haut o. Muskeln) zurückgezogen haben, im Winter physisch (Kälteeinfluss) ihrer Tarnkappe beraubt werden und somit plötzlich die Oberflächenprotein-Struktur des "mvp 33" anlegen, welche sie normalerweise nur im Vektoren (Zecken, Läuse etc.) überstülpen. Die immunologischen Reaktionen auf das "mvp 33" könnte dann zu den rheumatischen Entzündungsprozessen mit den entsprechenden immer im Winter (bzw. Kälte, Nässe) wiederkehrenden chronischen Schmerzen führen.





Gegen folgende Bestandteile können bei Borreliose Auto-Antikörper auftreten [213]:





- LFA1 / Lymphozyten-Funktions-assoziiertes-Antigen 1





- Myelin (Isolierung der Nerven und Hauptbestandteil der Taktgeberzellen im Ghirn)





- Kardiolipin (o. Cardiolipin): Kardiolipin wurde zuerst im Herz nachgewiesen, befindet sich aber in allen Körperzellen bzw. in deren Mitochondrien. Cardiolipin kommt auch in den Membranen von Bakterien vor. Cardiolipin ist aller Wahrscheinlichkeit an der Genregulation durch Anlagerung beteilgt. Neben Borreliose treten auch bei der Syphils AK gegen Cardiolipin auf.





Weiter wird in entsprechender Literatur davon berichtet, dass die TNF- [17], CSF- (Interleukin 6) [18], NAP-1- (Interleukin 8) und IL-1-Produktion im Monozyten-Makrophagen-System durch die Variabilität der Lipoproteine beeinflusst wird. Ist doch z.B. das IL-6 der Wachstumsfaktor der Plasmazellen (Antikörperproduzenten), liegt hier eine Störung vor, unterbleibt die Bildung der entsprechenden spezifischen Antikörper. Der NAP-1-Faktor (neutrophile activating fachtor 1 / = IL-8) ist der stärkste sogen. Chemotaxisfaktor (= vereinfacht "Lockstoff) für Granulozyten [19], er wird vor allem von Makrophagen, Synoviozyten, Endothelzellen u. Fibroblasten gebildet. Als Stimulanz für die Bildung von NAP-1 werden vor allem Immunkomplexe verantwortlich gemacht (siehe Blatt Symptome: Immunkomplexe u. IK-Krankheit).





Bezüglich dem Interleukin 1 (IL-1) hat man in Japan (Fujisaki Institut in Okayama) Ende der Neunziger Jahre ein weiteres Interleukin (= IL) klassifiziert, das heute IL-18 genannt wird und zur Familie des IL-1 gehört. Dem IL-18 spricht man inzwischen eine entscheidende regulierende Rolle im Immunsystem zu. Das IL-18 wird neben den normalen körpereigenen regulatorischen Mechanismen vermutlich direkt, vor allem durch grampositive Bakterien (z.B. Streptokokken usw.) beeinflusst [54]. Borrelien zählen zwar zu den gramnegativen Bakterien, aber auch bei einer Infektion mit ihnen konnte in Studien beobachtet werden, dass die IL-18-Konzentration gegenüber gesunden Personen im Serum signifikant erhöht ist [K].





Das IL-18 ist inzwischen bekannt als Gamma-Interferon (IFN-g) induzierender Faktor, der zum Typ II der Interferone (IFN) gehört. Interferone (Typ I u. II) sind niedermolekulare Proteine (Eiweiße), die als Hemmstoff z.B. gegen die intrazelluläre Virus-Replikation (Virus-Vermehrung) wirken. Im Fall der Borreliose sind sie vermutlich gegen Borrelien in ihren Zell-Nischen oder auch gegen L-Form Borrelien und deren schizontozyte Teilung gerichtet (siehe unten: weitere Tarnmechanismen: L-Form, CWD-Form).





Die Interferone werden durch Gene reguliert; die IFN-Typ I (IFN-a und IFN-b) Gene sitzen auf Chromosom Nr. 9 und die des Typ II (IFN-g) auf dem Chromosom Nr. 12.





Die Interferone (IFN) haben keine direkte zerstörende Wirkung auf den Krankheitskeim im Zellinneren (Replikationsort u./o. Nische). Ihr Wirken ist eher indirekt von außen über die Zellmembran sogenannter Membranganglioside ohne direkt in die infizierte Zelle (Wirtszelle) einzudringen. Sie wirken von dort auf die m-RNA (messenger-Ribonuclease o. Boten-RNA) bzw. im weiteren Sinne auf die sogenannte Eiweiß-Biosynthese (siehe auch unten: fbr-Protein u. IL-1-Rezeptor) der befallenen Zellen. Die Eiweiß-Biosynthese läuft nach dem Schema DNA (syn. DNS / Desoxyribonukleinsäure = Code für Erbmerkmale), RNA (syn. RNS / Ribonucleinsäure) und als Endprodukt Proteine (Eiweiße) ab. Auf diese Weise haben die Interferone eine hemmende Wirkung z.B. auf die Virusvermehrung und auch auf schnell wachsende krankhaft veränderte Tumorzellen.





Welche Rolle die IL-18 Gama-Interferone bei der Borreliose spielen oder was sie auslöst, ist noch nicht vollends geklärt. Eins ist allerdings inzwischen Fakt: die IL-18 Konzentration steht im engen Zusammenhang zu bekannten Merkmalen des sogenannten “Metabolischen Syndroms“ (Raven-Syndrom o. Syndrom X = Stoffwechselerkrankung) z.B. zum BMI (Body-Maß-Index), Körperumfang, Triglyzeriden, HDL-Cholesterin, Nüchtern-Glukose und der Nüchtern-Insulinkonzentration [55] (siehe unter Seite Symptome, Stadium 2, Diabetes mellitus / Spirochäten-Melliturien“). Sichtbare Erscheinung des "Metabolischen Syndroms", meist bauchbetonte Fettanreicherung.





Eine erhöhte IL-18 Konzentration wird heute als eindeutiger Indikator eines aktivierten Immunsystems verstanden, so auch im Fall der klinischen (symptomatisch, ohne serologische Bestätigung) oder serologisch bestätigten (Antikörper-Nachweis) “low-dose-borreliosis“. Die Borrelien sind nachgewiesener Weise fähig, den Prozess der wirtseigenen proteolytischen Enzyme zu beeinflussen, das heißt, der Krankheitskeim greift in die eiweißspaltenden Enzyme (Proteinasen) ein, insbesondere in das der Metallo-Proteinasen (Kollagenasen). Bei der “low-dose-borreliosis“ ist vor allem das Gleichgewicht zwischen der Kollagenase MMP-1 (Matrix-Metalloproteinase) und deren Gegenregulator, der sogenannte TIMP-1 (tissue-inhibitor of metallproteinases = Hemmstoff der Metall-eiweißspaltenden Enzyme) gestört [56].





Im infizierten Gewebe wird nicht soviel TIMP-1 freigesetzt, wodurch die MMP-1 krankhaft wirksam wird und durch sie Gewebebarrieren (Kollagen bzw. Matrix) geschwächt werden. Das MMP-1 hat insbesondere eine hemmende Wirkung auf die genetische Information von stimulierten Fibroblasten [V], die an der Bildung von Bindegewebsfasern beteiligt sind. Durch die Schwächung der Gewebebarrieren gelingt es dann den Borrelien vermutlich leichter in Berreiche vorzudringen, die für sie wohl sonst nur schwer zugänglich wären.





Diesen Vorgang der Disregulation steuern die Borrelien höchstwahrscheinlich selbst zu ihrem Vorteil, indem sie aktiv Zellrezeptoren (sogen. Integrine) des Wirtes nutzen und quasi an- oder ausschalten [Q]. Die Borrelien haben, bzw. besitzen passende Integrin-bindungsfähige Substanzen (sogen. Liganden), welche sozusagen der passende Schlüssel (Ligand) zum entsprechenden Schloss (Integrin) sind. So besitzen die Borrelien z.B. einen Ligand für das Integrin a5b1, welches eng mit der Regulation der vorab erwähnten Metalloproteasen verknüpft ist. Neben diesem Ligand besitzen die Borrelien noch für zwei weitere Integrine den passenden Ligand. Zum einen für das Integrin aIIbb3 (sogen. Plättchen-Integrin), das normalerweise ein Bindungsrezeptor für Fibrinogen, Fibronlectin [V] und Prothrombin ist und zum anderen für das Integrin aMb2, welches ein Zellbindungsrezeptor für die Matrix in den Zellzwischenräumen (ICAM / intercellular adhesions molecule) darstellt und an dem Zusammenhalt der Blut-Gefäßzellen (Blutadern) beteiligt ist (VCAM / vascular cell adhesion molecule) [73]. Liegt z.B. eine Co-Infektion mit Anaplasmen (Ehrlichiose) vor, welche auch eine Induktion der Metalloproteasen verursachen, erleichtert dies den Borrelien das Eindringen ins Gehirn [197].





Schon 1995 wurde beobachtet, zumindest bei in vivo Versuchen (an Mäusen), dass Borrelien in den eigentlich antigenpräsentierenden Makrophagen (im ZNS sogen. Mikrogliazellen) überleben können [16/24]. Dies konnte auch in neueren Studien bestätigt werden, in denen ein vermehrtes sogen. „Makrophagen coiling“ beobachtet wurde (Stand 2004 [241]). Beim sogen. „Makrophagen coiling“ werden quasi die Krankheitserreger, in unserem Fall die Borrelien, eingewickelt und nicht mittels sogen. Vesikel überstülpt bzw. verschlungen (sogen. Phagozytose). Werden die Makrophagen dann über die nachfolgend beschriebenen Mechanismen (CD14, MIP-2a etc.) gelähmt bzw. in ihrem Handeln unterdrückt, sind die Borrelien dort vorerst vor weiteren Immunzugriffen geschützt. Spielen doch gerade die Makrophagen als antigenpräsentierenden Zellen eine wichtige Rolle, da sie wesentlich an der Stimulans der intrazellulären Immunabwehr beteiligt sind. Da die Makrophagen die im Vesikel eingeschlossenen Bakterien erst auf ein Signal der inflammatorischen T-Zellen (CD4-Zelle) hin vernichten, war dies sicherlich der erste Hinweis, dass die Kommunikation der T-Zellen (insbs. CD4-Zellen) und Makrophagen bei der Borreliose gestört sein muss/kann.





Vielleicht gibt es auch parallelen zum HIV-Erreger (AIDS), welcher u. a. auch die Makrophagen nutzt um sich den Angriff durch spezifische Antikörper zu entziehen. Auf diese Weise gelangen die HIV-Erreger sogar mittels sicheren Taxi“ in weitere Organe, wie z.B. hinter die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn (ZNS) [290]. Warum sollte dies den Borrelien nicht auch auf diesem Weg gelingen, wo sie doch auch nachweislich die Makrophagen nutzen und beeinflussen.





Borrelien wirken u.a. auch auf die sogen. CD14-Rezeptoren der Makrophagen ein. Hierbei ist u.a. eine genetische Veranlagung (Prädisposition) des Betroffenen mit entscheidend, ob er viele dieser CD14-Rezeptoren auf seinen Makrophagen aufweist oder nur wenige. Ein Verband zwischen CD14 Mangel auf den Makrophagen, zusammen mit zugenommener bakterieller Last, führt zu einen schwereren Verlauf einer chronischen Borreliose. Durch die vorgenannte CD14-Rezeptor-Beeinflussung der Makrophagen induzieren diese über die sogen. p38-MAPK (mitiogen-activated protein Kinase) eine Immuntoleranz für die Borrelien [243]. Dies ist im Prinzip vergleichbar mit dem AIDS/HIV-Viren, diese wirken nämlich ähnlich mit einem ihrer Proteine, dem sogen. Pg120, auf die p38-Kinase zu Ungunsten des menschlichen Organismus ein. Bei AIDS ist bekannt, das diese Beeinflussung der p38-Kinase zur Demenz führt, es wird nämlich hierrüber auch die Teilung neuronaler Stammzellen (aNPC-Zellen) verhindert, welche im Hippokampus an der Gedächtnisbildung beteiligt sind [245]. Auch bei der Arthritis-Enstehung und Chronifizierung spielt die p38-Kaskade eine Rolle. Dies erklärt aber auch wiederum die Wirksamkeit von Cannabis (Cannabinoide) bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. auch bei MS beobachtet. Cannabionid (Tetrahydrocannabinol.R (+)-Methanandamid) wirkt nämlich über die sogen. Cannabis-Rezeptoren (CB1 u. CB2) u.a. auch auf die p38-Proteine ein und stärkt hierüber das Bindegewebe (Kollagen), erschwert so sogar das Einwandern von Tumorzellen ins Bindegewebe [246]. An diesen Beispiel können wir sehen wie komplex verschiedene Krankheitskeime, Drogen etc. sich ggf. nagativ sowie positiv beeinflussen können, ggf. sogar zu einen stärkeren Krankheitsverlauf führen (siehe auch zu CB1 u. CB2 Kap.: Diagnosehilfen bei klinisch symptomatischer Borreliose, Punkt 19).





Bisher konnten intrazelluläre Borrelien bei in-vitro- (Reagenzglas) und in-vio- (im lebenden Organismus) Versuchen in Fibroblasten [V], Synovialzellen, Endothelzellen und in Muskelzellen des Herzens nachgewiesen werden [67].





Im Fall der Makrophagen kann wohl davon ausgegangen werden, dass die Borrelien neben aktivem Erobern auch passiv auf ganz normalem Weg in sie hinein gelangt sind, wie andere Krankheitskeime auch. Das heißt, die Makrophagen werden die Borrelien aufgespürt und verschlungen (Makrophagen coiling) haben, um ihre Antigene zu präsentieren. Allerdings setzt hier wohl dann die Gen-Manipulation der Borrelien ein, so wie in anderen Wirtszellen (Nischen) auch.





Die durch Borrelien regulierte Gen-Manipulation (Epigenetik) konnte inzwischen bei einigen Versuchen bewiesen werden, hierzu wurden weit mehr als 1000 menschliche Gene unter die Lupe genommen. Als Ergebnis hat sich gezeigt, dass eindeutig 14 menschliche Gene durch die Borrelien beeinflusst werden, insbesondere Gene folgender Funktionsgruppen: Zelloberflächenantige und Adhäsionsproteine, Wachstumsfaktoren, Zytokine und Chemokine, Apoptose assozierte Proteine (Apoptose siehe Seite "Krebs und Borrelien - ein kausaler Zusammenhang?"), Zellzyklusregulatoren, Signaltransduktionsregulatoren, DNA-Reparatur-Proteine und Proteinumsatzregulatoren [67] (Anmerkung vom Autor: einige dieser Genregulierungen können durchaus eine bedeutende Funktion bei der Borrelien-bedingten Krebsentstehung inne haben).





Es konnte auch gezeigt werden, dass einige dieser Gene schon 12 Stunden nach Infektion durch lebende Borrelien unter das Ausgangsniveau reguliert wurden, sind die Borrelien hingegen abgestorben, werden diese Gene bei den entsprechenden Zellen wieder bis zu ihrem Maximum hochreguliert. Zwei dieser durch die Borrelien regulierten Gene spielen eine wichtige Rolle im Entzündungsprozess, deswegen will ich sie an dieser Stelle besonders vorstellen. Hingegen werde ich auf die anderen durch Borrelien regulierten Gene weniger eingehen [N].





Durch die starke Runterregulation des ICAM-1 Gens (intercellular adhesion molecule-1 precursor) können im Blutstrom schwimmende Immunzellen (z.B. Leukozyten [O]) nicht an die Blutgefäßwandungen (Endothelzellen) andocken, da entsprechende Ankerpunkte nicht von den Endothelzellen ausgestülpt werden. Ohne diese Ankerpunkte können sich aber die entsprechenden Immunzellen nicht an den Blutgefäßwänden halten und ins befallene Gewebe (Infektionsgewebe) eindringen. Auf diese Weise werden eventuelle Entzündungsprozesse auf die eigentlich nicht betroffenen Nachbarzellen des Umgebungsgewebes abgelenkt, da bei ihnen im Gegensatz zu den befallenen Zellen das ICAM-1 Gen nicht runter reguliert ist.





Das zweite nicht ganz so stark regulierte Gen wird MIP-2a (Macrophage inflammtory protein 2 alpha) genannt, es ist für einen der Lockstoffe (Chemokine) verantwortlich, die normalerweise Fresszellen (Leukozyten [O]) zum infizierten Gewebe locken. Durch das Eingreifen der Borrelien in die Regulation von diesem Gen (MIP-2a), wird somit das Anlocken der entsprechenden Immunabwehrzellen unterdrückt.





Allein durch die Regulation dieser beiden Gene wird das Immunsystem zum Vorteil der Borrelien recht effektiv beeinflusst. Es werden weder Fresszellen angelockt, noch können eventuell doch angelockte Fresszellen im Bereich des mit Borrelien infizierten Gewebes andocken und in dieses eindringen, um die Borrelien oder geschädigte Zellen dort zu beseitigen. Ist es trotz dieser widrigen Umstände einigen der Immunzellen gelungen, ins infizierte Gewebe einzudringen, gelingt den Borrelien in der Regel die Flucht - siehe unten "Schnelle Fortbewegung der Borrelien in viskosen Medien".





Die durch Borrelien bedingte Störung (Fehlregulation) des Monozyten-Makrophagen-Systems konnte an lebenden Organismen (in-vivo / Mensch u. Tier) beobachtet werden. Der Beweis, dass Borrelien tatsächlich in die Genregulierung eingreifen, konnte jedoch bisher nur in-vitro ("Reganzglas") an menschlichen Endothelzellen der Nabelschnur (human umbilical vein endothelial cells / HUVEC) durch verschiedene Versuche und Messmethoden erbracht werden. Dies tut der Sache aber keinen Abbruch, da Vergleiche zu anderen sogenannten gramnegativen und grampositiven Bakterien gesucht wurden, von denen einige inzwischen auch als intrazelluläre Erreger eingestuft werden [P]. Hierbei konnte eindeutig bwiesen werden, dass z.B. die Regulation der beiden zuvor beschriebenen Gene (MIP-2a u.ICAM-1) Borrelien-spezifisch ist [67]. Dies lässt sicherlich in gewissem Rahmen auch Rückschlüsse auf die wesentlich komplexeren Bedingungen im lebenden Organismus (in-vivo) zu.





Die Makrophagen des Gehirns, die sogen. Mikrogliazellen, wirken unter der Anwesenheit von Borrelien auf umliegende Zellen (z.B. Neuronen) indirekt toxisch. Dies konnte in neueren Forschungsstudien gezeigt werden. Zusammengefasst zeigten diese Studien das Ergebnis, dass B. burgdorferi nicht direkt toxisch (giftig) auf umliegende neurologische Zellen (im Labor-Modell z.B. SY-Zellen) wirkt, sondern diese Zellen in der Umgebung von entzündlichen Mikroglia durch eine Bystander-Effekt absterben. Der Schlüssel des neuronalen Selbstmordes (Apoptose) ist also ein indirektes immunologisches pathogenes Ereignis anwesender (Lyme-)Borrelien. (Stand 2009 [254]).





Neben der eben beschriebene Störung des Monozyten-Makrophagen-Systems, wird das Immunsystem sicherlich auch durch das oben beschriebene Antigen-Switching (VlsE / = wandelbares Borrelien Haupt-Antigen / engl.: variable major protein-like sequence expressed) der Borrelien immunsupressiv (= abwehrhemmend) beeinflusst. Diese Form der Hemmung ist in der Lehre der Immunologie als T-Zell-abhängige Suppression bekannt, vermittelt wird diese durch den sogenannten "SIRS-Faktor" (engl.: Soluble Immune Response Suppressor). Der SIRS-Faktor regt wiederum die Makrophagen an, weitere immunsuppressive (unterdrückende) Signalstoffe auszuschütten. Diese Irritation tritt "immer" dann auf, wenn gleichzeitig oder kurz hintereinander zwei oder mehrere "bekannte" Antigene auf das Erkennungssystem der Immunabwehr treffen. Was dies für die Borrelien bedeutet, die nach heutiger Kenntnis mit ihrem VlsE-Antigen eine schier unbegrenzte Oberflächenstruktur mimen können, kann sich jeder selbst ausmalen!





Als Fakt gilt inzwischen (USA 2005), dass eine chronische Infektion mit Borrelien zur Unterdrückung der "Natürlichen Killerzellen" (NK, natural killer cells, T-Killerzellen) bzw. zum erniedrigten Wert im peripheren Blut führen kann. Bei der akuten Borreliose oder anderen Erkrankungen soll hingegen der Wert bzw. die Absolutzahl der "Natürlichen Killerzellen" (NK-Zellen) im normalen Bereich liegen. Es wird von den Borrelien quasi im Laufe der fortbestehenden Infektion (Persistenz) eine Art Immunschwäche- bzw. Defektkrankheit ausgelöst. Borrelien sind zur Zeit die einzigen bekannten, den Menschen krankmachenden (Menschenpathogen) Erreger die "immunregulatorische natürliche Killer T-Zellen" (kurz: iNKT) direkt beeinflussen! Die iNKT-Zellen sind entscheidend an einer Immun-Toleranz oder Aggression beteiligt (Stand 2009 [244]). Sie haben z.B. u.a. die Funktion das Immunsystem entsprechend regulatorisch zu unterdrücken, wodurch sie die Selbsttoleranz des Immunsystems im wesentlichen mit beeinflussen (NK-Zell-Störung = ggf. Autoimmunität).





Fachleute sprechen hier von einer gehemmten bzw. unterdrückten Immunabwehr. So werten einige Borreliosespezialisten (z.B. [99/100]) den Unterdrückungsgrad der NK-Zellen auch als Zeichen, wie stark die Borrelien aktiv sind. Sie gehen sogar weiter in der Bewertung des NK-Zellen-Spiegels. Sie bewerten diese immunologische Erscheinung anhand von Studien und Fallbeobachtungen sogar als Borrelien-spezifisch (siehe oben), in dem sie sagen, dass chronisch kranke Patienten mit normalem NK-Zellen-Spiegel wahrscheinlich andersartig erkrankt sind und nicht an Borrelien. Unter "Natürliche Killerzellen" verstehen Immunologen vereinfacht gesagt CD8-T-Zellen, die eine Untergruppe der Lymphocyzen bzw. T-Zellen sind. Das T steht für im Thymus gereift . Die andere Untergruppe der T-Zellen wird durch die sogenannten CD4-T-Zellen gebildet, welche auch "Helfer Zellen" genannt werden. CD8-T-Zellen reagieren auf Fremd-Proteine (z.B. von Viren, Bakterien etc.) oder mutierte körpereigene Proteine (z.B. Krebszellen), die direkt von einer infizierten oder mutierten Zelle präsentiert werden. CD4-T-Zellen hingegen benötigen die Präsentation von Fremdproteinen durch andere spezialisierte Immunzellen, z.B. den Makrophagen (siehe zur Aktivität von T-Zellen auch unten "CD4- und CD8-T-Zellen" und Diagnosehilfen "CD57-Verminderung").





Ob es sich hierbei nun um eine echte NK-Zellen-Unterdrückung handelt (Immundefekt), oder um eine der zwei nachfolgend von mir beschriebenen Varianten, sei dahingestellt. Eventuell ist es auch ein Zusammenspiel aus beiden Varianten.





Die Vorstufe der T-Zellen (Thymozyten bzw. Prä-T-Lymphozyten) entstammt dem Knochenmark und werden wie die ausgereiften T-Zellen (T-Lymphozyten) einer Untergruppe der sogenannten weißen Blutkörperchen (= Leukozyten) zugeordnet. Nachdem die Prä-T-Lymphozyten (T-Zell-Vorstufe) in das Thymus-Organ eingewandert sind, bilden sie eine zufällige Kombination an Antigen-Rezeptoren aus um erst anschließend selektiert zu werden. Der Thymus ist mittels sogen. Blut-Thymus-Schranke im gesunden Zustand gegen körperfremde Antigene abgeschottet, wodurch die heranreifenden T-Zellen somit dort nur mit körpereigenen Strukturen (Selbst-Antigenen) in Kontakt kommen können. Dies ermöglicht überhaupt erst eine entsprechende Selektion der T-Zellen gegen Selbst- u. Fremdantigene. Bei den heranreifenden T-Zellen-Klone die MHC-Moleküle [44] erkennen wird im Thymus eine Vermehrung angeregt (sogen. positive Selektion), und erst im zweiten Schritt der Selektion werden dann jene T-Zellen aussortiert die körpereigenes Gewebe (Selbst-Antigene) erkennen (sogen. negative Selektion). Es werden im Thymus also jene T-Zellen in den Selbstmord (sogen. Apoptose) getrieben, die nicht den MHC-Faktor erkennen, und jene die sich fälschlicherweise ans körpereigene Gewebe (Selbst-Antigene) anheften würden (Affinität). Durch diese Selektion erhalten die ausgereiften T-Zellen überhaupt erst ihre Selbsttoleranz gegenüber dem körpereigenen Gewebe-Strukturen (Selbst-Antigene). Somit ist der Thymus ein sehr wichtiges Organ zur Heranreifung und Ausbildung eines funktionierenden Immunsystems. Allerdings bildet sich das Thymus-Organ schon ab dem pubertären Alter zurück (sogen. Involution), wodurch auch teilweise die unterschiedliche Erkrankungsverläufe im Kinds- und Erwachsenenalter erklärt werden können. Eventuell auch die Verschleppung einer Erkrankungsbereitschaft, die z.B. in Zusammenhang mit der Multiple Sklerose (MS) wie folgt aussieht. Personen die vor dem 15. Lebensjahr (Pubertät) ihr Geburtsland verlassen, erlangen das MS-Risiko des neuen Heimatlandes (hoch oder niedrig). Personen die im höherem Alter ihr Heimatland verlassen, nehmen das Erkrankungsrisiko des Ursprunglandes mit (siehe auch Themenseite Multiple Sklerose“). Doch jetzt zurück zu den - zirkulierenden - T-Zellen, zu denen auch die oben schon kurz erwähnten Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen, NK-T-Zellen, T-Killerzellen etc.) gezählt werden.





Es konnte bzgl. dem Verhalten von T-Zellen beobachtet werden (Göttingen Wissenschaftler [191]), das diese bei bestimmten Antikörpern die gegen Multiple Sklerose (MS) und Rheuma helfen könnten, ein Anheften von T-Zellen in der Milz und den Lymphknoten indizieren und somit ein Auswandern ins eigentliche Zielgebiet verhindern. Als weiterer Effekt tritt eine vermehrte Ausschüttung von Zytokinen auf, welche Entzündungen hervorrufen können.





So könnte die Anwesenheit bestimmter Antigen-Strukturen der Borrelien dafür verantwortlich sein, das die NK-Zellen nur in geringerer Zahl als normal im freien Blutstrom zirkulieren. Das heißt, die NK-Zellen sind eigentlich in genügend hoher Anzahl vorhanden, aber sie sind örtlich in den Lymphknoten und der Milz gebunden und es wird so eine Verminderung vorgetäuscht. Bei dieser Theorie von mir wäre das Rätsel auch gelöst was die NK-Zellen mit den Borrelien zu tun haben, nämlich, in direkter Weise nichts! Es würde aber die erhöhte Zytokin-Aktivität bei einer Borrelien-Infektion und den erniedrigten NK-Zellen-Wert erklären. Es wäre also “nur“ ein Nebeneffekt der Infektion, oder doch eine “gewollte“ modulierte immunologische Reaktion der Borrelien? Da die NK-Zellen nach heutigem Verständnis der Immunologen wahrscheinlich eine Kontroll-Funktion bei eventuellen autoreaktiven Reaktionen mit inne haben, käme die Beeinflussung dieser Immun-Zell-Untergruppe den Borrelien doch entgegen, da hierdurch eventuell ein Teil der Immunreaktion von den Borrelien auf das körpereigene Gewebe abgelenkt werden würde. Doch dies sind nur Spekulationen von mir, die eventuell eine mögliche Erklärung liefern.





Ich möchte hier an dieser Stelle einmal die Frage stellen: Was machen eigentlich natürliche Killerzellen? Wenn sie nicht gebraucht werden zirkuliert ein Teil von ihnen im Blut (Normalwert) und der Rest ruht in den Lymphknoten. NK-Zellen, wurden sie aktiviert, greifen infizierte und veränderte Körperzellen an! Sie spüren diese auf, stellen eine Kontakt zu diesen her und zerstören sie anschließend. Daher wäre eine andere Erklärung für den beobachteten erniedrigten NK-Zellenspiegel bei der Borreliose eventuell auch wie folgt zu verstehen. Gehen wir davon aus das bei einer chronischen Borrelien-Infektion sich viele Borrelien intrzellulär in den Körperzellen zurückgezogen haben, dann dürfte es bei diesen Zellen zu Veränderungen an deren Oberfläche kommen - es erscheinen Antigene an ihrer Oberfläche, die vorher dort nicht vorhanden waren. Diese Veränderungen der Zellen sollte wiederum verstärkt NK-Zellen im betroffenen Gewebe binden, wodurch meiner Meinung nach der NK-Zellen-Spiegel im peripheren Blutkreislauf erniedrigt sein dürfte - somit auch in einer eventuell entnommen Blutprobe. Sind die intrazellulären Borrelien bzw. die befallenen Zellen nach einer durchgreifenden Antibiose durch die NK-Zellen erst einmal beseitigt, dann dürfte der NK-Zellen-Blutspiegel nach einem gewissen Zeitraum auch wieder ansteigen.






Beispiel eines Befundberichtes mit stark verminderten CD57 + NK-Zellen Spiegel im peripheren Blut





Weiter kommt hinzu, dass den Borrelien gelungen ist phylogenetisch (= im Laufe der Evolution) dem Menschen einen Abschnitt ihrer DNA ins Erbgut einzuschleusen; dies erbrachte ein Vergleich von Borrelien- und Menschen-DNA [20/21]. Dieser DNA-Abschnitt befindet sich beim Menschen im sogenannten CB1-Gen, welches für den sogenannten Cannabis-Rezeptor (CB1) verantwortlich ist.





Bakterien-Gene in der menschlichen DNA (= sogen. Episome) sind nicht unbedingt etwas besonderes, es sind inzwischen mehr als 200 Gene von Bakterien im menschlich Erbgut identifiziert worden. Da der menschliche Körper (auch anderer höher entwickelter Säuger) sich normalerweise hiergegen zu schützen weiß, muss die eingeschleuste Bakterien-DNA nicht unbedingt Schaden anrichten [150]. Ganz im Gegenteil, manche Bakterien oder Virus-DNA hat sich der menschliche Körper selbst zum Nutzen gemacht, so z.B. beim Produzieren von männlichen Keimzellen (Spermien). Da ein Mann pro Sekunde ca. 1000 Keimzellen bilden kann, dies eine recht hohe Teilungsrate ist bei der viele Erbgut-Kopierfehler passieren können, bedarf dies einen besonderen Kontroll-Mechanismus. Für diese hohe Anforderung bei der Qualitäts-Kontrolle hat der menschliche Körper dauerhaft Erbgut von einem Virus eingebaut, von einem sogenannten endogenen Retrovirus, welches dem AIDS-Virus (Immunschwäche-Krankheit) sehr ähnelt. Das eingebaute Virus-Erbgut (Gen-Abschnitt, Kontroll-Faktor „p63“) führt in diesem Fall schon bei geringer Veränderung der menschlichen DNA zum Absterben der entsprechenden Zellen, ohne zu einer Krankheit oder Immunschwäche zu führen. Dies nur als Beispiel dafür, dass Fremd-Erbgut (Viren- o. Bakterien-DNA) nicht immer zum Schaden führen muss [256]. Kann der menschliche Körper die Fremd-DNA nicht selbst nutzen, hat er i.d.R. die Möglichkeit den entsprechenden Fremd-DNA-Abschnitt (sogen. Episom) Stumm zu schalten (sogen. Methylierung) [150]. Umgekehrt können z.B. Bakterien auch DNA des Menschen in ihren Erbgut eingebaut, um hiermit in ihren Wirt besser zu zu überleben. So konnte bei einigen Unter-Stämmen des Erregers (Neisseria gonorrhoeae / Gonokokken) der Geschlechts-Krankheit Tripper (Gonorrhoe) beobachtet werden, das diese Erbgut-Stücke des Menschen bei sich einfügen (sogen. Gentransfer) - Stand 2/2011 [257].





Die menschliche DNA besteht aus vier unterschiedlichen Basen, dem Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin. Das An- und Abschalten einzelner DNA-Squenzen (Gene) geschieht vorrangig durch Anlagerung von Methylgruppen an einer der vier Basen. Bei höheren Organismen (z.B. Mensch) wird meist nur die Base Cytosin methyliert. Aber auch die Anlagerung an den sogen. Histonen, welches Eiweiße sind um die sich die eigentlichen Vererbungsmoleküle der DNA wickeln, können dafür sorgen ob die entsprechende Erbinformationen abgelesen werden kann oder nicht. So spielt der DNA-Rgulationsmechanismus nicht nur bei eingeschleuster Fremd-DNA (v. Bakterien, Viren etc.) eine Rolle, sondern ist ganz normaler Bestandteil der zellulären Differenzierung bzw. Entwicklung (Keimzelle Þ speziallisierte Zelle: Haut-, Nervenzelle etc.). Wie oben schon mal erwähnt, enthalten alle Zellen (z.B. Haut-, Nervenzelle etc.) eines Individiums das gleiche Erbgut (DNA), welches je nach Bedarf von einem der Gene übergeordnetem Regulationsmechanismus gesteuert wird. Untersuchungen von Epigenetikern haben gezeigt, dass pro Zelle nur circa 18.000 Gene, von den rund 22.500 menschlichen Genen, aktiviert sind - der Rest befindet sich wahrscheinlich im ungenutzten Ruhezustand [150]. So sind in den unterschiedlichen Zellen, je nach Bedarf, entsprechende Gene ab- oder angeschaltet. Die Lehre dieses übergeordneten DNA-Regulationsmechanismus nennt man Epigenetik [W].





Unter Epigenetik versteht der Genetiker den “zufälligen“ Aspekt, bzw. unter anderem die äußerlichen Einflüsse die beim Aktivieren oder Stummschalten einzelner genetischer Sequenzen mitwirken. Vorgenannten Mechanismus nennt der Epigenetiker DNA-Methylierung. Die DNA-Methylierung ist eine umkehrbare biochemische DNA-Veränderung (= Erbgutveränderung). Das heißt, Lebewesen (z.B. eineiige Zwillinge) bzw. Zellen (z.B. Keimzellen) mit identischer Erbinformation (DNA) können sich unter anderen Lebensbedingungen oder anderer Umgebung unterschiedlich entwickeln. Die epigenetische Information kann sogar an die Nachkommen weiter gereicht werden (vererbt), bis das Erbgut wieder durch entsprechende Umstände anders programmiert wird.





Die Epigenetik ist für die Anpassung an unterschiedliche Umweltbedingungen wichtig; so entwickeln sich je nach Umweltsituation (Ernährung, Infektionen, Schadstoffe usw.) z.B. eineiige Zwillinge vollständig unterschiedlich, obwohl sie von ihrer identischen DNA vollkommen gleiche Entwicklungswege durchmachen müssten [W] - ginge es nur nach der eigentlichen DNA-Information. Es gilt inzwischen als erwiesen das schon in der Gebärmutter bei heranwachsenden Kindern, mittels DNA-Methylierung, die Genaktivität reguliert wird [129]. Ein “gesunde“ Methylierung kann wahrscheinlich aber nur dann stattfinden, wenn mittels Nahrung entsprechende für den Körper verwertbare Methylgruppen zugeführt werden - so z.B. insbs. Vitamin B12, Folsäure, Cholin und Betain. Auch probiotische Bakterien sollen z.B. Allergien und Neurodermitis vorbeugen. Laut einer Studie (Finnland) soll sich durch probiotische Bakterien, trotz elterlicher Vorbelastung, die Zahl der kranken Kinder halbieren [129]. Inwieweit allerdings die probiotischen Bakterien Einfluss auf das sich entwickelnde Kind nehmen, ist noch nicht geklärt. Man vermutet unter den Wissenschaftlern hierbei auch einen epigenetischen Effekt. Was die sogenannten “guten“ Bakterien (z.B. probiotischen Bakterien) können, das können sicherlich auch zum Teil die “bösen“ Bakterien (Krankheitskeime - siehe auch unten: CB1 Rezeptor / fbr-Protein).





Aber auch auf der Stufe der sogen. Boten-RNA (m-RNA) kann ein Abschalten bestimmter Zellfunktionen gelingen. Der Fachmann spricht bei diesem Mechanismus von RNA-Interferenz (RNA-i), welche auch die Aktivität der Gene in den Zellen Einfluss nimmt. Wird in einer Zelle fremde “RNA“ eingeschleust, zerstört diese ihre eigene gesamte Boten-RNA (m-RNA), die genauso aufgebaut ist wie die Fremd-“RNA“. Auf diese Weise werden bestimmte Funktionen der befallene Zelle quasi deaktiviert (siehe auch oben im Kap.: Interferone / IFN). Mit diesem Wissen ist Forschern durch Einschleusen von künstlicher RNA schon gelungen, krankmachende Gene stumm zu schalten. Eigentlich ist die RNA-Interferenz ein Schutzmechanismus der Zellen, der aber auch von Krankheitskeimen hintergangen oder sogar zu ihrem eigenen Vorteil ausgenutzt werden kann (Für die Entdeckung der RNA-Interferenz [RNAi, RNA-i, RNSi o. RNS-i] wurde am 2. Okt. 2006 der Nobelpreis f. Med. an die Genetiker Fire u. Mallo verliehen).





Nachfolgendes Beispiel mag einmal mehr veranschaulichen, dass die den Genen übergeordneten Regelmechanismen (Epigenetik, RNA-Interferenz etc.) bei Borreliose vermutlich wesentlich mehr Funktionen inne haben, als bisher angenommen. Das die Borrelien tatsächlich in die genetischen Regelkreise eingreifen ist ja inzwischen bewiesen, wie oben am Beispiel vom MIP-2a und ICAM-1 Gen schon beschrieben. Auch gibt es Verdachtshinweise, dass Borrelien zumindest die genetische Information für die “Adenin spezifische DNA Methyltransferase“ in ihrem Erbgut tragen [113].





Die Borrelien besitzen das sogenannte fbr-Protein (fbrp = flagellar basal rod protein) an ihrer Oberfläche, was bei ihnen für die Fortbewegung, das Andocken und das Eindringen in die Ziel-Zelle verantwortlich sein soll. Dies fbr-Protein wird für die phylogenetische Mutation auf CB1 verantwortlich gemacht. So sollen Embryos kurz nach der Zeugung besonders gefährdet sein, da sie den CB1-Rezeptor zum Einnisten in der Gebärmutter benötigen. Bei dieser vertikalen Erregerübertragung (Mutter auf Kind) vor der Geburt, spricht der Mediziner von einer intrauterinen oder pränatalen Infektion.





Für den Vorgang des Einnisten in der Gebärmutter wird das CB1-Gen daher von den embryonalen Zellen vervielfältigt, wodurch es für eine Mutation anfällig wird. Die intrazellulären Borrelien (siehe unten: L- o. CDW-Form) sollen dann während dieses Prozesse in ihren Wirtzellen durch Gamma-Interferon, welches der Embryo zum Implantieren ausschüttet, zur Rekombination von Borrelien-DNA und dem menschlichen Erbgut angeregt werden - als Folge soll es Jahrezehnte später zur psychischen Erkrankung (Schizophrenie, Paranoia, Demenz, Depressionen usw. [20/61]) beim Betroffenen kommen.





Das fbr-Protein ist von seiner molekularen Oberfläche dem menschlichen Interleukin IL-1ra [20] zu circa 55 % ähnlich, diese Ähnlichkeit genügt nach der allgemeinen Lehre der Immunologie, um eine Immunopathie (Autoimmun-Antikörper = Antikörper gegen Selbst) auszulösen. Vom Immunsystem gebildete Antikörper, die auf das fbr-Protein (fbrp) ausgerichtet sind, sollen dann in der Folge, wegen der großen molekularen Ähnlichkeit, das Interleukin IL-1ra (o. LAF / lymphocyten-activating factor) angreifen und somit dessen Funktion behindern/blockieren. Dieser Vorgang führt zur erhöhten Wirkung von IL-1 [22], welches eine wesentliche Rolle bei Entzündungsprozessen im Körper spielt. So werden hierdurch und durch das Vorhandensein von Immunkomplexen auch die beobachteten Entzündungsherde erklärbar, in denen kein Borrelien-Direktnachweis anhand von histologischer Biopsie (= Gewebeprobenahme) gelingt.





Das IL-1 wird aber auch direkt durch Lipopolysaccharide (LPS) von gramnegativen Bakterien, zu denen auch die Borrelien gehören, aktiviert. Dies geschieht durch den sogenannten TL-Rezeptor 4 (Toll-artige Rezeptoren), welcher an die LPS der Borrelien-Außenmembran andockt. Die LPS-Bindung aktiviert in der Folge vier Proteine (MyD88, Mal, Tram u. Trif) des Infizierten. Durch die vier Proteine wird wiederum eine molekulare Kaskade in Gang gesetzt, so auch eine erhöhte Bildung von Interleukin 1 (IL-1) und dem Tumornekrosefaktor alpha (TNF a). Diese Hochregulierung ruft je nach Serumspiegelhöhe Entzündungsreaktionen hervor wie z.B. Fieber, was auch das häufig bei der Borreliose im Stadium 1 beobachtete schwache Fieber (Sommergrippe-Symptom) erklärt. Das Sommergrippe-Symptom muss somit sicherlich als unspezifische Reaktion auf die Borrelien-LPS verstanden werden, was keine auf die Borrelien spezifisch ausgerichteten Antikörper voraussetzt.





Da das IL-1 beim Entzündungsprozess der Multiplen Sklerose ein wichtige Rolle spielt, wird vermutet, dass eine L-Form-Borreliose eine von eventuell weiteren Ursachen dieser Immunopathie ist [20].










Spekulativ Autor (A. Hartwig): Weiter ist es vorstellbar, dass es durch das Andocken des fbr-Proteins an die IL-1-Rezeptoren zur pathogenen körpereigenen Proteinsynthese (= Eiweiß-Peptidsynthese) kommt, da das IL-1 über diese Rezeptoren normalerweise die Proliferation (= Vermehrung von Gewebe) oder Stimulanz zur Proteinsynthese bewirkt. Das heißt, das IL-1 ist unmittelbar am genetisch und hormonell kontrollierten Aufbau der körpereigenen Proteine (= Eiweiß-Biosynthese) beteiligt, es spielt also eine Rolle bei der Steuerung der Gewebevermehrung (Wucherung o. Sprossung), insbesondere bei der Wundheilung und Regeneration. So kann es denkbarer Weise durch die fbrp-Irritation zur Gewebe-Wucherung (z.B. Kollagenosen) in eigentlich nicht entzündete, bzw. geschädigte Bereiche kommen.















Weitere beobachtete und in jüngster Zeit bestätigte Tarnstrategien der Borrelien:





Neuste Beobachtungen (Stand 5/2010 – z.B. Quelle [249]) lassen auch eine relativ profane Bakterien-Strategie als weiteren Überlebensfaktor der Borrelien vermuten. Mit der sogen. “FocusFloating Microscopy“ (FFM-Methode) konnte gezeigt werden, dass die Borrelien kleine Kolonien (Cluster) im Gewebe (Collagen) bilden, die bei genauer Betrachtung von einer schleimigen Hülle umgeben zu seien scheinen (Biofilm). Dies könnte u.a., neben den anderen oben und nachstehend beschriebenen Tarnstrategien, ihnen beim Überleben (Persistenz) im Wirtsorganismus (z.B. Mensch) helfen aber auch eine gewisse Antibiotikaresistenz im lebenden Organismus (in vivo) erklären die unter Laborbedingungen (in vitro / Petrischale) nicht beobachtet werden konnte/kann (Antibiotikum in-vitro gut wirksamm, in-vivo als Mono-Therapie keine gut Wirksamkeit beobachtet).











Priv.-Doz. Dr. Dr. Klaus Eisendle der Universität für Dermatologie und Venerologie (Österreich, Innsbruck) stellt uns seine Beobachtungen bzgl. Borrelien und eventueller Biofilmbildung auf seinem Vortrag “Neue Aspekte kutaner Borreliosen Immunhistochemie und Focus Floating Microscopy bei kutaner Borreliose“ auf der Jahrestagung der Deutschen Borreliose-Gesellschaft e.V. im Mai 2010 in Bad Herrenalb vor (Quelle [249]). Die roten Bereiche auf den Fotos (A, B und C) sind immunchemisch eingefärbte Borrelien-Kolonien (Biofilme) die mittels “Focus Floating Microscopy“ (FFM-Methode) sichtbar gemacht wurden.










Umhüllung mit Erythrozyten (sogen. crocidurae [25]) oder Rückzug in die Mikro-Blutgefäßen des Wirtes (z.B. bei der ACA, zerebrovaskulären Neuroborreliose etc. [26]) insbesondere auch in das Bindegewebe bzw. Kollagen [27]. Es wird berichtet, dass sich die Borrelien regelrecht in die Bindegewebsfasern (Kollagene Verbundgewebe) einschrauben. Die ideale schlanke langgestreckte Form (~ 10-30 mm lang u. ~ 0,3 bis 0,6 mm Ø) der Borrelien erlaubt es ihnen, auf inter- u. intrazellulärem Wege verschiedene Organgewebe zu befallen [67]. Interzellulär (o. interzellular) bedeutet zwischen den Zellen, intrazellulär innerhalb der Zellen. Das Kollagen ist im Körper ein schützender Hauptbestandteil gegen die enzymatische interzellulär wirksamen Substanzen des Immunsystems, so werden durch das Kollagen normaler Weise z.B. die Gefäßinnenwände (Blutgefäße) vor Abtragung bzw. Entzündungsprozessen geschützt [M]. Man weiß heute, dass sich die Borrelien auf diesem Weg zumindest teilweise dem Zugriff des Immunsystems entziehen - weiter sind sie dort auch für eine Antibiose schlecht erreichbar.





Bei Versuchen konnte gezeigt werden, dass sich Borrelien in viskosen Medien sehr schnell fortbewegen können. Die schnelle Fortbewegung ist ihnen im kollagenen Verbundgewebe ein großer Vorteil, da sie auf diese Weise schneller sind als z.B. Phagozyten (Immunzellen [O]) [67]. Die Schnelligkeit brauchen die Borrelien natürlich nur, sofern überhaupt Immunzellen alarmiert und angelockt wurden. Es hat sich in den letzten Jahren bei Forschungsarbeiten aber gezeigt, dass Borrelien (auch andere Spirochäten) verschiedene Körpergewebe wie Haut, Milz und Nervensystem befallen können, ohne dort Entzündungen auszulösen [67] - siehe oben "Gen-Regulation MIP-2a und ICAM-1".





Es ist inzwischen erwiesen, dass eine Borrelieninfektion durch vaskulitische Prozesse zum Schlaganfall führen kann [28]. Welche immunologischen Prozesse zu den Gefäßverschlüssen führen, ist allerdings noch nicht vollends geklärt (eventuell Beteiligung von Immunkomplexen / AG-AK-Komplexverbindung oder Gerinnsel - siehe [V] Plasminogen).










Weiter haben einige Fachleute inzwischen bei der Borreliose (bzw. Multiplen Sklerose) die sogenannte cystische Überlebensstrategie nachgewiesen [29/115]. Das heißt z.B., dass die Flagellen oder Teile der äußeren Oberflächenproteine von den Borrelien "bewusst" abgelegt werden.





Die Borrelien sondern extrazelluläre membrangebundene Vesikel von ihrer Oberfläche ab, man nennt dies unter Fachleuten blebbing. Die abgeworfenen Vesikel ähneln in Bezug auf ihren Proteingehalt stark den Membranen intakter Borrelien. Als wenn dies noch nicht genug Täuschung für die Immunabwehr wäre, setzen die Borrelien noch einen oben drauf: in den Vesikeln schicken sie zusätzlich Plasmid-DNA mit auf die Reise [67]. Auf diese Weise werden vermutlich an den Borrelien angedockte Antikörper abgeworfen oder den entsprechenden antigenräsentierenden Immunzellen vorgetäuscht, dass sie es mit dem echten Erreger zu tun haben. Vergleichbar ist dies mit einem Trick, den die Alliierten im 2. Weltkrieg angewendet haben, als sie von ihren Bombern Staniolpapier abgewarfen, um die Radarüberwachung der deutschen Wehrmacht von den eigentlichen Zielen abzulenken. Der einzelne Bomber war auf diese Weise nicht zu orten.





Es wurde diesbezüglich auch beobachtet, dass sich Borrelien innerhalb von 24 Stunden in der Gehirn- u. Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebro-spinalis) zu zystischen Formen umwandeln. Der eigentliche Umwandlungsvorgang von der normalen Form z.B. in eine kugelförmige Form soll innerhalb von Minuten geschehen [131]. Man spricht hierbei von der sogen. L-Form (nach Lister-Institut benannt), CWD-Form (cell wall deficient form) oder auf Deutsch von der zellwandmangel- bzw. zystischen Form. Durch diesen Vorgang werden die Borrelien vorübergehend für die Immunabwehr "unsichtbar", nicht nur das - sie sind in dem Zustand mit unvollständiger Zellwand auch resistent gegenüber beta-Lactam-Antibiotika. Kommen die degenerierten Borrelien allerdings wieder mit Stoffen aus dem Blut (bzw. Blutserum) in Kontakt, verwandeln sie sich zurück in die normale bewegliche Form [69]. Dieser Vorgang erklärt eventuell bei einigen Patienten die langen schlafenden oder ruhenden Krankheitsphasen, mit den anschließenden progressiven Reinfektionsschüben bzw. dem sich in Schüben verschlechternden Krankheitsverlauf. Vorstellbar ist der erneute Kontakt mit dem Blut z.B. durch Entzündungsprozesse an den Mikro-Blutgefäßen, wodurch es zum örtlichen Erweichen der Blut-Hirnschranke kommen kann (Symptome: die schubweise auftretenden Kopfschmerzen ?). Dies ist vor allem im Gehirn-Bereich des "Plexus chorioidei" (Blutgefäßknäulen) und den Paechionischen Granulationen (zottenartige Ausstülpungen) im Bereich der Hirnhäute vorstellbar, da dies die Bereiche sind, wo der Stoffwechselaustausch zwischen Gehirn (Liquor) und Körper (Blut) stattfindet.





Da die Borrelien im Gegensatz zu vielen anderen Bakterien nur wenige Kopien ihrer Plasmide pro Chromosom aufweisen, sollen diese häufig beim Wechseln von einer zur anderen Zelle (Nische) teilweise oder auch ganz verloren gehen. Dies soll nach Meinung einiger Wissenschaftler bei einzelnen Borrelien zum Verlust der Infektiosität führen können, was nichts anderes bedeutet, als dass die Borrelien sich nicht mehr auf normalem Weg vermehren können. Ihnen bleibt dann nur noch die sogenannte Schizogonie. Hierunter versteht man eine Kernteilung ohne sofortige Plasmateilung. Die Borrelien die hiervon betroffen sind, verlieren auf dieser Weise vermutlich auch die Kontagiosität (Ansteckungsgefahr) bzw. die Fähigkeit sich von Wirt zu Wirt übertragen zu lassen.















Vom Autor in Betracht gezogene Immunmechanismen, die den Borrelien entgegenkommen:










Der vorgenannten Trickkiste der Borrelien-Tarnstrategien bedarf es sicherlich nicht immer, oder aber erst im fortgeschrittenen Stadium der Borrelien-Inkubation, da die natürlichen Reaktionen der Immunabwehr den Lebensgewohnheiten der Borrelien quasi in gewissem Sinn entgegen kommen. So ist aus der allgemeinen Lehre der Immunologie seit Jahren ein Prozess bekannt, der nicht nur bei Borrelien zum Ausbleiben von einer “gesunden“ spezifischen Immunabwehr (z.B. Antikörper) führen kann. Es handelt sich hierbei um die sogenannte erworbene Immuntoleranz gegenüber “einem“ Antigen (bzw. Krankheitskeim), bei dem es sich im eigentlichen Sinn um keine Immundefekt-Erkrankung handelt. Anders als bei einer echten Immundefekt-Erkrankung, ist bei der erworbenen Immuntoleranz, die Reaktion gegenüber anderen Antigenen normal. Bei den entsprechenden tolerierten Antigenen spricht man dann nicht mehr vom Antigen, sondern vielmehr vom Tolergen.















Die Immuntoleranz kann nach bisherigen Wissen auf drei Wege [23] erworben werden:










1.- Das Immunsystem kommt mit einem zugeführten (z.B. Krankheitskeim, Pollen etc.) oder körpereigenen (z.B. HLA-System etc.) Antigen in Kontakt, während das Immunsystem noch am Heranreifen ist. Der Reifungsprozess beginnt in der Embryonal-Phase, findet aber auch noch bedingt in den ersten Lebensmonaten nach der Geburt statt. Dieser Prozess ist eigentlich die ganz normale Reifungphase der Immunabwehr, während der das Immunsystem lernt zwischen eigen- (self bzw. Körpereigen-Antigen) und fremd (not self) Antigen zu unterscheiden – hierbei kann es zu Pannen kommen die lebenslange Auswirkungen haben [30].





Dieser Prozess erscheint bei der Borreliose als nicht sehr unwahrscheinlich, konnte doch bei 0,7 % der Schwangeren eine aktive Borreliose nachgewiesen werden [3]. Das bedeutet, 7 von 1000 Babys sind während der Reifungphase ihres Immunasystems mit Borrelien in Kontakt gekommen. Bei ihnen kann es sich dann später um einen Teil der Borreliose-Patienten handeln, die keine spezifischen Borrelia-Antikörper bilden.





Eine Hochrechnung bezogen auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands (~ 82Mio.) würde bedeuten, dass hiervon ca. 1,6 Millionen der Deutschen betroffen sein können - inclusive der ca. 65 %, bei denen im Frühstadium kein Borreliennachweis gelingt. Das würde in etwa der Einwohnerzahl von Mecklenburg-Vorpommern entsprechen.










2.- Bei einer besonders niedrigen Zufuhr von Allergenen (in der Immunologie “low zone immunparalyse“) wird auch bei einem normal entwickelten Immunsystem die Immunreaktion “zumindest vorerst“ verhindert. Dies wird in der Immunologie als ganz natürlicher Sicherheitsmechanismus des Körpers verstanden, damit der Organismus nicht auf jede Kleinigkeit mit allen Mitteln seines Abwehrregisters reagiert und sich so völlig verausgabt.





Da die Borrelien erst während des Saugaktes aus dem Darm der Zecken in Richtung Opfer wandern und sich erst in dieser Phase vermehren, ist von einer sehr niedrigen Initalinfektion (low-dose-borreliosis) auszugehen. Hinzu kommt die langsame in vivo Vermehrung (siehe oben: Inkubation) der Borrelien, also ideale Bedingungen einer sogenannten “low zone immunparalyse“. Aus diesem Grund benutze ich auch viel lieber die von mir geprägte Nomenklatur der “low-dose-borreliosis“ für die Lyme- u. Neuro-Boreliose. Erreichen die Borrelien schon in dieser Phase ihre Zielzellen (Nischen), bleibt eventuell über viele Jahre hinweg der Kontakt zwischen den Borrelien (spez. Bb.-Antigen z.B. Osp-A, -B oder -C) und der spezifischen Immunabwehr auf niedrigstem Level, da die Vermehrung der Borrelien nicht synchron abläuft.










3.- Die dritte Variante der erworbenen Immuntoleranz interessiert uns bei der “low-dose-borreliosis“ nicht, da es sich bei ihr um das genaue Gegenteil der “low zone immunparalyse“ handelt. Ich möchte sie vollständigkeitshalber trotzdem kurz anreißen. Bei der dieser Variante handelt es sich um die sogen. “high zone immunparalyse“, bei der die spezifische Immunabwehr durch besonders große Mengen von Antigenen abgeschaltet wird. Dies macht z.B. bei Pollenflug Sinn. Ist die “high zone immunparalyse“ aus irgend einem Grund nicht voll intakt, können allergische Reaktionen (z.B. Heuschnupfen) mit unangepasster Immunabwehr auftreten.










Lähmung der antigenpräsentierenden Immunzellen (z.B. Makrophagen) durch Allergien:





Unter normalen Bedingungen erkennen die sogenannten CD8-T-Zellen befallene oder entartete Zellen an den für diese Zellen untypischen Molekülen, die zusammen mit den körpereigenen Kennzeichnungsstrukturen der MHC-Klasse 1 präsentiert werden. Die Körpereigenkodierung der MHC-Klasse 1 (bzw. HLA-System – siehe [42]) kommt auf allen Körperzellen vor, die MHC-Klasse 2 dagegen nur auf den Immunzellen. Beim Vorgang der intrazellulären Abtötung bohren die CD8-T-Zellen quasi Löcher in die entsprechend befallenen Zellen und geben Stoffe ab, die dann die infizierte Zelle töten. Deswegen wird diese Untergruppe der T-Zellen auch Killer- oder cytotoxische T-Zellen genannt.





Der Vorgang der intrazellulären Abtötung könnte aber bei einer andern Untergruppe der T-Zellen, den sogenannten CD4-T-Zellen, meiner Vorstellung nach bei Allergikern gestört sein, somit einen Einfluss auf das Fortschreiten einer Borrelien-Infektion haben. Die CD-4-T-Zellen regen normalerweise die intrazelluläre Abtötung bei Immunzellen an, reagieren also auf eine Verbindung Antigen/MHC-Faktor 2 (AG/HLA-DR2 Expression). Diese CD4-T-Zellen produzieren unter normalen Umständen nach der entsprechenden Antigenpräsentation große Mengen IFN-g (Gamma-Interferon). Das IFN-g ist wiederum ein wichtiges chemisches Signal für die Makrophagen (siehe Seite: Immunorgane / Disposition / Kreuzreaktion) damit diese TNF-a (Tumor-Nekrose-Faktor alpha), Stickstoffmonoxid und Sauerstoffradikale bilden, die nötig sind, um abgekapselte Krankheitskeime zu erreichen und abzutöten. Auch bilden sie dann Interleukin 2 (IL-2), ein chemisches Signal, welches unter anderem die T-Zellvermehrung startet.





Allerdings hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die T-Zellen nicht immer auf diese Weise reagieren, wodurch die Wirksamkeit der Immunantwort erheblich verändert ist. Wenn sich z.B. während der intrazellulären Antigen-Präsentation zusammen mit dem MHC-Faktor (AG/HLA-DR2) schon Interleukin 4 im Blut befindet, wird weiterhin vermehrt das Cytokin Interleukin 4 anstelle des Gamma-Interferon produziert. Interleukin 4 ist der hauptverantwortliche chemische Botenstoff für die Umwandlung der B-Zellen in antikörperproduzierende Plasmazellen. Nach den Erkenntnissen aus der immunologischen Forschung legen sich die T-Zellen mit der Herstellung von Interleukin 4 oder Gamma-Interferon endgültig, bzw. für längere Zeit, während "eines" Infektes fest. Da aber gerade bei Allergikern das Cytokin Interleukin 4 stark im Blut präsent und dieser Botenstoff nicht antigenspezifisch ist, könnte dieser Umstand die nötige intrazelluläre Abtötung abschwächen oder sogar verhindern. Somit werden die Makrophagen durch die CD4-T-Zellen nicht nur nicht aktiviert, sondern insgesamt auch bei der Antigenpräsentation gelähmt.





Das könnte in unserem Fall der “low-dose-borreliosis“ fatale Folgen haben, da gerade in den Makrophagen bei Tierversuchen (In-vivo-Versuche) versteckte Borrelien gefunden wurden. Dies kann bei einigen Patienten auch eine Erklärung für die verspätete oder ausbleibende Antikörperproduktion sein. Wenn man nun bedenkt, dass ein Großteil der Bevölkerung in den westlichen Industriestaaten unter Allergien leidet und die häufigsten allergischen Reaktionen z.B. auf Pollen von Pflanzen im Frühjahr und Frühsommer auftreten, dies aber auch gerade der Zeitraum ist, in dem die gefährlichsten Varianten der Zecken (Nymphen u. Larven) auf Opfersuche sind, wäre dies eventuell ein weiterer Hinweis auf einen Zusammenhang zu den chronischen Spätfolgen einer “low-dose-borreliosis“ bzw. Lyme-Borreliose.





In der Tat konnte in einigen wissenschaftlichen Studien ein Zusammenhang zwischen den aktivierten T-Zellen und dem weiteren Verlauf der Borreliose beobachtet werden [97]. Wie oben schon kurz angerissen, werden T-Zellen in verschiedene Gruppen und Untergruppen eingeteilt. Die T-Zell-Zuordnung geschieht nach deren Oberflächenantigenen und Funktionen. Dabei ist es im Verlauf einer (Borrelien)-Infektion offensichtlich von Bedeutung, welche Gruppe von T-Zellen aktiviert wird. Es konnte bei diesen Studien gezeigt werden, dass aktivierte CD8-T-Zellen (CD8+ Zellen) wohl eine schützende Wirkung bei einer Borrelieninfektion besitzen. Vermutlich, weil diese zu einer direkten Zytolyse (Auflösung) von infizierten Zellen führen und somit die Borrelien auch in ihren Zellnischen erreichen. So hätte eine Lähmung dieser Killerzellen eventuell eine fatale Auswirkung auf das Fortschreiten der Borreliose.





Betrachten wir nun die Gruppe der CD4-T-Zellen (CD4+ Zellen), muss bei der Borreliose unser Augenmerk besonders auf die CD4-Zell-Unter-Gruppen von TH1- und TH2-Zellen (nachfolgend im





Text TH1- u. TH2-Zellen) gelenkt werden, weil diese in der Folge für eine unterschiedliche Bildung von Antkörpern (IgG1-IgG4) mit verantwortlich sind. So weiß man inzwischen, dass Borrelien-spezifische IgG1-Antikörper eine schützende Wirkung bei Borreliose besitzen. Was auch erklärt, warum diese Antikörperklasse (IgG1) vorrangig nur bei Personen vorkommt, die zwar Borrelien-spezifisch IgG-gesamt (= IgG1-IgG4) positiv sind, aber keinerlei klinische Symptome zeigen. Hingegen kommen Borrelien-spezifische IgG3-Antikörper nur bei den Borreliose-Patienten vor, deren Erkrankung nach einer akuten Borrelieninfektion einen chronischen Verlauf nimmt [97]. IgG3-Antikörper sind unter den Antikörper-Unterklassen die stärksten Aktivatoren für das sogenannte Komplementensystem (= angeborene unspezifische Immunität) und führen somit zu starken Entzündungsprozessen, die auch das nicht infizierte Gewebe mit beschädigen können.





Welche Funktion haben nun die CD4-T-Zell-Untergruppen bei einer Borrelieninfektion bezüglich der Antikörperbildung und dem Verlauf der Lyme-Erkrankung?





TH1-Zellen aktivieren neben dem Tumornekrosefaktor (TNFa), Interferone (INFb u. INFg) und das Interleukin IL2. Hierdurch stimulieren sie ihre eigene Vermehrung und hemmen eine TH2-Zell-Bildung sowie die Synthese von IgG1-Antikörpern (IgG1-AK), denen bei Borreliose nachweislich eine schützende Wirkung zukommt. Tatsächlich sorgen die TH1-Zellen, über die vermehrte Ausschüttung von Gamma-Interferon (INFg) für die Produktion von IgG3-Antikörpern, die nachweislich am pathogenen (krankhaften) chronischen Verlauf einer Borreliose beteiligt sind.





TH2-Zellen fördern vorrangig die Ausschüttung von den Interleukinen IL4, IL5 und IL6. Durch die Ausschüttung von IL4 fördern die TH2-Zellen ihr eigenes Wachstum und hemmen die TH1-Zell-Synthese. Weiter führt die erhöhte Anwesenheit von Interleukin 4 (IL4-Dominanz) zur verstärkten Bildung von IgG1-Antikörpern, die bekanntlich eine schützende Funktion bei einer Borrelieninfektion inne haben. Die Bildung von IgG3-Antikörpren wird durch IL4 bzw. TH2-Zellen unterdrückt.





Die TH1- und TH2-Zellen beeinflussen sich auf diese Weise gegenseitig und führen somit auch zu einer unterschiedlichen Dominanz der IgG-Unterklassen. So führt eine borrelienspezifische TH2-Zellen- und IgG1-Antikörper-Dominanz zur Resistenz gegen die entsprechende Borrelien-Subspezies, auf die sie ausgerichtet sind. Eine borrelienspezifische TH1-Zellen-Dominanz mit der Folge von borrelienspezifischen IgG3-Antikörpern führt hingegen zum chronischen Verlauf.










Auch bei Untersuchungen am ZNS (am Tiermodell [125]) konnte gezeigt werden das z.B. Mikrogliazellen (siehe Seite: Immunorgane / Disposition / Kreuzreaktion), die normalerweise für den Schutz der Neuronen (Nervenzellen) zuständig sind, verstärkt TNF-a produzieren wenn eine hohe Konzentration IFN-g anwesend ist. Die hohe TNF-a Konzentration führt dann zur Auflösung der Isolation (Markscheiden, Myelin) der Nervenzellen (eventuelle Folge: MS-Syndrom). Bei normaler Konzertation des Interferons (IFN-g) hingegen sollen die Mikrogliazellen kein auffälliges Verhalten zeigen, so auch wenn der Gegenregulator IL4 (Interleukin 4) anwesend ist. IL4 hebt quasi die Wirkung des Interferons (IFN-g) vollständig auf, die Mikrogliazellen hören auf TNF-a zu produzieren und attackieren die Nervenzellen nicht mehr. Es soll sogar zum gegenteiliger Effekt kommen, nämlich das die Mikrogliazellen die Reparatur beschädigter Nerven-Bereiche (Markscheiden, Myelin) veranlassen.





Interleukin 4 (IL4) würde somit die Nervenzellen zwar schützen aber eventuell auch die Borrelien in ihren intrazellulären Nischen (Makrophagen, Noronen, Epithelzellen etc.). So wäre z.B. das MS-Syndrom vielleicht ein Zeichen einer schnell verlaufenden Non-Responder Neuro-Borreliose (ohne Borrelien-spezifische Antikörper), bei der es zu keiner Gegenregulation (IL4) kommt und das Immunsystem versucht die Borrelien in ihren intrazellulären Nischen zu erreichen. Bei der DAT (Demenz vom Alzheimer-Typ) hingegen könnte es sich eventuell um eine latent schleichende Non-Responder Neuro-Borreliose handeln, bei der es einzelnen Borrelien über lange Zeit schaffen in neuronalen Zellen des ZNS zu überleben (siehe oben: low zone immunparalyse). Erst in einem späten Stadium des DAT-Syndroms würde es dann zu deutlichen Krankheitszeichen kommen. Die spezifischen Borrelien-Antigene oder DNA sind bei dieser immunologisch gedrosselten Form der Infektion dann vielleicht nur intrazellulär nachweisbar (siehe [126]), nicht im Liquor noch im Serum. Auch bei dieser Gehirnerkrankung konnten aktivierte Mikrogliazellen gefunden werden, die wahrscheinlich an schleichenden entzündlichen-immunologischen Prozesse beteiligt sind [127].





Die verschiedenen immunologischen Reaktionen, eine Hochregulation von IL4 oder TNF-a, könnte eventuell als Zeichen dafür verstanden werden ob sich das Immunsystem verstärkt auf eine intrazelluläre (innerhalb der Zelle) oder extrazelluläre (außerhalb der Zelle) Abwehr festgelegt hat. Die Ursache für die unterschiedlichen Reaktionsmuster kann in einer Prädisposition des Patienten, der Borrelien-Genregulation (siehe oben: ICAM-1 o. MIP-2a Gen) oder aber einer gleichzeitigen Co-Infektion mit Viren zu suchen sein. Interferone werden normalerweise sehr schnell bei einer Virusinfektion als Abwehr gebildet. Auf diese Weise könnte eine gleichzeitige Virusübertragung (z.B. Co-Infektion mit Borna Viren etc.) beim Saugvorgang der Zecke oder eine aktive allergische Reaktion (Allergie z.B Heuschnupfen), einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Borreliose-Erkrankung inne haben. Auch darauf, ob spezifische Borrelien-Antikörper nachweisbar sind oder nicht. Bei einem Nichtnachweis von spezifischen Borrelien-Antikörpern wird dann vielleicht die Diagnose MS-Syndrom gestellt, obwohl es sich eventuell um eine Non-Responder Neuro-Borreliose handelt (siehe z.B. auch [77]). Eventuell auftretende sogenannte nicht Borrelien-spezifische kD-Bande (z.B. 41-, 60-, 66- o. 73-kD) bleiben vielleicht bei der Diagnosestellung außer acht, weil die Interpretation der kD-Bande als schwierig gilt und ohne entsprechende Differentialdiagnosen häufig als wertlos eingestuft werden. Eventuell wird auch nur ein entsprechender Borrelien-Suchtest (z.B: IFT, ELISA usw.), gemäß der Borreliose-Richtlinie des RKI (Robert-Koch-Institut) durchgeführt, dann würden diese Patienten sowieso als Borrelien-negativ durchrutschen. Selbst wenn einer der gängigen sogen. Westernblotassay-Tests durchgeführt wird kommt es auf das verwendete Borrelien-Isolat an, ob dieser positiv oder negativ ausfällt [128]. Manche spezifischen Borrelien-kD-Bande (z.B. < 4-, 13- o. 20-kD) sind bisher aber auch nur bei einer hochempfindlichen Gel-Elektrophorese, mit entsprechend langer Laufstrecke, nachweisbar. Auf das entsprechende Borrelien-Isolat (Bb.-Genotyp, Subspezies etc.) kommt es natürlich auch bei den verwendeten Suchtest (z.B: IFT, ELISA usw.) an, ob dieser ein Borrelien negatives oder positives Ergebnis zeigt.















Hypothese des Autors (A. Hartwig):





Da sich bei Allergikern schon das unspezifisch wirksame Zytokin Interleukin 4 (IL4) zum Zeitpunkt der Borrelieninfektion erhöht im Blut des Patienten befindet und die spezifische Früherkennung auf das dominanter vorhandene Allergen ausgerichtet ist, kann eventuell der spezifisch auf die Borrelien ausgerichtete Erkennungsvorgang der T-Zell- und Antikörper-Synthese hierdurch gestört sein. Zumal die Borrelien als relevantes Antigen gegenüber dem Allergen-Antigen mengenmäßig weit ins Hintertreffen geraten.





Das würde im Fall der Borrelien bedeuten, dass eventuell eine spezifische Antigenausrichtung gegen die klassischen Hauptantigene wie z.B. dem Osp-C ausbleibt und erst nach dem Abklingen der Allergie der Erkennungsprozess auf die Borrelien einsetzt. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Borrelien aber schon längst ihre Nischen aufgesucht, so dass der Schwellenwert für eine Oberflächen-Antigenerkennung (z.B. Osp-C) nur selten oder gar nicht von den Borrelien während ihrer Teilungsphasen (Vermehrung) überschritten wird. Die Immunabwehr würde sich dann wohl vor allem gegen die zystischen oder abgestorbenen Borrelien richten, somit gegen Borrelien-Antigene, die sonst eher der Immunabwehr verborgen bleiben. Eventuell würde sich die Immunabwehr auch vorrangig gegen die ständig präsenten Stoffwechselprodukte der Borrelien (z.B. dem Bbtox 1) ausrichten. Beide Reaktionen hätten die Folge, dass diese Antikörper gegen die frei im Blutstrom beweglichen lebendigen Borrelien unwirksam wären, da sie nicht auf deren Oberflächenstrukturen (z.B. Osp-C) ausgerichtet sind. Insgesamt betrachtet, würde dieser Vorgang theoretisch zu einer sehr verzögerten Immunreaktion führen.










An dieser Stelle nun ein paar Daten über die Häufigkeit von Allergien in den westlichen Industriestaaten:





- 15% leiden unter einer sogenannten Rhinitis, z.B. dem Heuschnupfen

- 5-10% leiden unter Asthma

- 2% leiden an der sogenannten Anaphylaxie (Insektenstichallergie)

- ?% leiden unter einer Nahrungsmittelallergie, bei Kindern nicht ungewöhnlich - die Symptome sind bei ihnen meist sehr unauffällig !





Wie wir anhand der aufgeführten Daten sehen können, leidet ein recht hoher Prozentsatz der Bevölkerung an Allergien. Dies mag eventuell erklären, warum manche Infektionen individuell so unterschiedlich verlaufen. Wenn man nun noch berücksichtigt, dass viele allergische Symptome häufig nur sehr schwach ausgebildet sind, muss ein Zusammenhang zu den eventuell viel später auftretenden chronischen Symptomen einer “low-dose-borreliosis“ bzw. Lyme-Borreliose nicht erkannt werden.






















Diagnose:






Erythema migrans (Vortragsfolie von A. Hartwig / Mai 2009)











Lymphadenosis benigna cutis (Vortragsfolie von A. Hartwig / Mai 2009)











Verdacht auf chronische Borreliose (Vortragsfolie von A. Hartwig / Mai 2009)










Vorweg ein paar Zitat zur Diagnosefindung:





Übersetztes Zitat aus “EUCALB“ [219] (Stand: 1/2010): ...) Neurologische Probleme scheinen die verbreiteste Erkrankung in Zusammenhang mit Borrelia burgdorferi s.l. In Europa zu sein, B. garninii dominiert die Neuroborreliose (... ...) Lyme Borreliose ist eine klinische Diagnose, d.h. klinische Kriterien (Fall-Geschichte, Symptome, klinische Ergebnisse) sind entscheidende Faktoren für die Diagnose und die diagnostische Einschätzung von mikrobiologischen-Laborergebnissen. (...





Zitat aus [235] (Stand: 2009): ...) Die Lyme-Borreliose ist eine klinische Diagnose, das heißt klinische Kriterien (Anamnese, Symptomatik, Befund) sind für die Diagnosestellung und die Interpretation serologischer Befunde entscheidend. Je typischer die Klinik ist, desto geringere Wertigkeit kommt den serologischen Befunden zu (...





Übersetztes Zitat aus [224] (Stand: 3/2007): ...) Die neurologischen und psychiatrischen Manifestationen von Borrelia burgdorferi sensu lato sind so zahlreich, dass Borrelia auch der " neue große Nachahmer " genannt wird. Das Wissen über die mehrfachen klinischen Aspekte der Neuro-Borreliose ist für den Kliniker deswegen notwendig. (... ...) Jeder Teil des Nervensystemes kann betroffenen sein: zentrales und peripheres Nervensystem sowie die Muskeln. Deswegen muss in endemischen Gebieten (also z.B. in ganz Europa) die Serologie bei unerklärter neurologischer oder psychiatrischer Unordnung auf Lyme-Borreliose hin bewertet werden.(...





Zitat aus [218] (Stand: 2006): ...) Nahezu ein Fünftel der Kinder mit NB hatten rezidivierende (wiederkehrend) Kopfschmerzen. Bei chronischer Cephelea (Kopfschmerzen) sollte daher auch bei negativer borrelien-spezifischer Serologie an eine mögliche Neuro-Borreliose gedacht werden und möglichst weitere Diagnostik mit einbezogen werden ...)





Zitat aus “bild der wissenschaft“ [170] (Stand: 2008): Helmut Eiffert, Infektiologe an der Universitätsklinik Göttingen gibt zu bedenken: „Es sind sicher noch nicht alle Facetten der Lyme-Borreliose bekannt, aber sie wird zunehmend zu einem Sammelbecken für ungeklärte Krankheitsfälle.“ Damit spricht er ein Phänomen an, das Borreliose-Spezialisten in letzter Zeit häufig beobachten: „80 Prozent der Patienten, die ich in der Spechstunde sehe, haben keine Lyme-Borreliose“ sagt Krause. - Zitat Ende.





Die Frage was für Erkrankungen die anderen 80 Prozent Patienten in Wirklichkeit haben, bleibt allerdings in dem zitiert Artikel offen! Obwohl dies sicherlich eine große Hilfe für all diejenigen wäre, die von Arzt zu Arzt wegen ihrer angeblichen >>nicht Borreliose Probleme<< irren. Man hätte ja nur kurz die drei häufigsten Erkrankungen aufführen brauchen, die fälschlicherweise für Borreliose gehalten werden, womit ja sicherlich vielen Patient schon geholfen wäre um ihre Ursachensuche in andere Richtung zu lenken.





Die obige Feststellung (Eiffert u. Krause) mag zutreffen, wenn man nur Borreliose Fälle akzeptiert die im Suchtest (IFT, ELISA etc.) positiv sind, dann noch den Westernblot bestehen und andere Kriterien weitestgehend ignoriert - z.B. die Anwesenheit des Neurotoxins “Bbtox1“. Für rein wissenschaftliche Studien mögen die Kriterien ja auch gerechtfertigt sein, aber trotzdem birgt dies Vorgehen sicherlich die Gefahr das die ganzen serologisch Borrelia-Antikörper negativen Fälle (z.B. Prädisposition durch HLA-DR1 etc.) nicht in die universitären Forschung mit aufgenommen werden - somit in der Grundlagenforschung garnicht recht berücksichtigt werden. Oder hat dies System? Hat man angst, dass in der Zukunft kein genügend großer Patienten-Pool, z.B. für Forschungen am Multiple Sklerose (MS), ALS, Parkinson, Alzheimer (AD/DAT) Syndrom, mehr zur Verfügung steht. Hier sei nur nebenbei erwähnt, im März 2004 wurde das “Institut für Multiple-Sklerose-Forschung“ am Uniklinikum Göttingen eröffnet [171/172]. Es drängt einen langsam, bei der Meinungsmache bzgl. Borreliose, der Verdacht auf, das ähnlich wie einst in den USA (Tuskegee, Alabama) in der sogen. Tuskegee-Syphilis-Studie (Studie an Syphilis Erkrankten Afro-Amerikanern / 1932-1972 [173]) wissentlich Patienten nicht richtig behandelt wurden um begleitend zu dem Fortschreiten der Erkrankung Studien zu betreiben - aber das wäre nur ein böser Verdacht, der in Deutschland sicherlich nicht zutrifft [a] !?





[a] - Anmerkung: ich möchte keinesfalls die Arbeit und Forschung der Universitäten entwürdigen, dort wird im allg. hervorragende Grundlagenforschung betrieben. Aber in Sachen Borreliose glaube ich das von dort politische Meinungsbildung, auf Kosten von Patienten betrieben wird. Wie sonst kann man von der universitären wissenschaftlichen Warte her Tests, bzw. die zur Zeit übliche Zweistufendiagnostik propagandieren, wo doch deren große Unsicherheiten (z.B. 70-50 % in d. Borreliose-Frühphase) bekannt sind. Das halte ich ethisch für sehr bedenklich (pers. Meinung: A. Hartwig).





Da die universitären Forschung aber auch zunehmend unter die finanzielle Fuchtel von staatsfernen Geldgebern gerät (z.B. Pharmaunternehmen), weil immer mehr Universitäten in Stiftungen übergeleitet werden, muss die Bereitschaft sicherlich sowieso angezweifelt werden das immer nur das Wohl des Patienten im Vordergrund steht [176/177/178/179]. Auf einer Vorlesungen [3] durfte ich dbzgl. eigene Erfahrungen in diese Richtung machen, auf der Vorlesung mit dem Schwerpunkt Lyme-Borreliose war immer wieder von ca. 48 Prozent anderer Fälle die Rede !? Selbst auf Nachfragen wurde nicht so recht damit rausgerückt, um was für andere Fälle es sich handelt - großes verschwiegenes Geheimnis. Warum? So würde eine billige, präventive, möglichst zeitnahe Antibiose sicherlich nicht ins Konzept einiger Professur- bzw. Forschungs-Geldgeber passen. Da sind Forschungen in Richtung möglichst teurer Medikamente, die mehr Gewinne abwerfen und auch neue Patente zulassen, sicherlich wesentlich mehr gefragt – z.B. MS-Medikamente.





Hierzu, nicht immer geht es um das Wohl des Patienten, passt auch folgendes Beispiel eines Kinderarztes der den sogen. “Erlanger Silberkatheter“ erfunden hat. Hierbei handelt es sich um ein Kunststoffschlauch der mit Silberpartikeln angereichert ist, der auf diese Weise in der Intensivmedizin lebensbedrohliche Infektionen vermeidet. Das einfache aber effektive Gerät konnte sich lange Zeit nicht durchsetzen, obwohl es kostengünstig Leben gerettet hätte. Aber genau da ist der Haken das sich das Gerät nicht durchsetzte. Ich möchte hier einmal ein Zitat wiedergeben (Zitat aus [188]): Niemand wollte ernsthaft Infektionen vermeiden - schließlich waren die Intensivpatienten eine Art Goldesel: Für jeden Tag, den sie stationär behandelt wurden, konnte man kräftig abrechnen.“ Spürbar gestiegen sei das Interesse erst, als ab 2003 die Krankenhäuser nach diagnosebasierten Fallpauschalen („Kopfpauschalen“) abrechnen mussten. Denn nun gab es unabhängig von der Zahl der Bettenbelegungstage stets den selben Betrag von den Kassen. „Seitdem sind langwierige Infektionen unerwünscht“, Zitatende. Was letzteres wiederum für Borreliose Patienten, die zwingend eine Langzeit-Antibiose benötigen bedeutet, möchte ich gar nicht näher betrachten.





Zu nicht akzeptierten Testverfahren ein Zitat aus “Deutsches Ärzteblatt“ [174]: „... immer neue Angebote diagnostischer Tests, sind häufig wissenschaftlich nicht genügend validiert, sie können falsche Therapieentscheidungen auslösen, die den Patienten mehr schaden als nutzen.“ - Zitat Ende.





Mit den ungenügend validierten Tests (z.B. LTT- o. Elispot-Borrelien etc.) wurde aber schon vielen sonst serologisch Borrelia-negativen Patienten, gerade in der Frühphase der Borrelien-Infektion, zu einer durchgreifenden Behandlung verholfen - dies durfte ich (A. Hartwig) jedenfalls auf einer Konferenz der Deutschen Borreliose-Gesellschaft e.V. (DBG-Tagung GS-Hahnenklee 18.-19.04.08) sehr eindrucksvoll mit dokumentierten Fällen verinnerlichen (Hier noch ein dickes Dankeschön für die Einladung zur Konferenz an die sehr aufopferungsvoll arbeitenden Ärzte und Wissenschaftler der DBG - weiter so!!!!)





Eins ist jedenfalls Fakt, die universitäre Forschung kann nach 25 Jahren Forschung anscheinend kein wirkliches Ergebnis liefern um eine low-dose-borreliosis (Lyme-Borreliose) sicher zu diagnostizieren, verweigert sich aber zum Großteil der Erfahrung niedergelassener Ärzte und trägt somit dazu bei das viele Patienten keine frühzeitige nötige Behandlung (Basisbehandlung) erhalten.





Doch hier bestätigen aber auch Ausnahmen die Regel! Es gibt doch eine neue Methode, zumindest bei Hauterkrankungen kann man inzwischen sogar relativ kostengünstig (ca. 80 Euro - Stand 5/2010) Borrelien mittels sogen. “Focus Floating Microscopy“ (FFM)-Methode (Quelle [249] u. [250]) gut direkt nachweisen.





Fakt ist, solange die Stufendiagnostik postuliert wird, erst den sogen. Suchtest (z.B. ELISA etc.) und nur wenn der Test positiv ist den sogenannten Bestätigunstest (z.B. Westernblot) durchzuführen, werden weiter viele Patienten in den Pool der 80 Prozent ungeklärter Krankheitsfälle enden (zu den Schwierigkeiten der Tests siehe unten). Wenn man dann ein Syndrom, z.B. MS, ALS, Demenz (AD) als Krankheit akzeptiert, dann kann man wirklich davon sprechen das die Patienten eine andere Krankheit als Borreliose haben.





Ich für mein Teil schließe mich jedenfalls der Meinung der Wissenschaftler u. Ärzte (Labordiagnostiker, Immunologen, Internisten, Neurologen etc.) der DBG an, können sie doch inzwischen auf weit mehr als 5000 erfolgreiche Borreliose-Behandlungen zurückblicken. Unter den Behandelten wurden dokumentierte Fälle beschrieben die kurz vor der Einweisung in eine psychiatrische Klinik standen, unter Demenz, Fibromyalgie, chronische Müdigkeit etc. litten (Stand 4/2008). Daher möchte ich die postulierten Forderungen der Deutschen Borreliose-Gesellschaft e.V. (DBG) bzgl. der Diagnostik hier wieder geben.










Die DBG / Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. (vereinigt Wissenschaftler und Ärzte,
die sich mit der Borreliose und assoziierten Infektionskrankheiten befassen)
fordert zur Labor-Diagnostik folgendes (Stand 4/2008 Zitat aus [162]):





Die bisher für gesetzlich Versicherte obligate Stufendiagnostik der Borrelienserologie sollte aufgehoben werden





Der LTT-Borrelien sollte als Methode zum indirekten Nachweis einer aktiven Borreliose auch von gesetzlichen Krankenkassen vergütet werden.





Die Borrelien-PCR sollte in den EBM aufgenommen werden.





Zitat Ende





Folgende Forderungen würde ich (A. Hartwig) den DBG-Forderungen hinzufügen:





Bei unklarer Hauterkrankungsursache (z.B. fibrinoiden Knoten, Morphea, Lichen sclerosus, Necrobiosis lipoidica etc.) sollte in jedem Fall ein Direktnachweis mittels Immunhistochemie und “Focus Floating Microscopy“ (FFM-Methode) versucht werden.





Auch der Borrelien-Elispot sollte ebenso, wie der LTT-Borrelien, als weiterer Indirekt-Indikator von gesetzlichen Krankenkassen zugelassen und vergütet werden.





Eine HLA-Fein-Typisierung sollte ebenso von den gesetzlichen Krankenkassen vergütet werden, allerdings sollte sie ebenso freiwillig für Personen sein wie eine FSME-Impfung. Da die HLA-Fein-Typisierung der einzig sichere Weg ist, in Kombination mit der Zecken-Untersuchung auf Borrelien und anschließende Antibiose bei positven Borrelien-Befund, um sich vor einer chronischen Autoimmun-Erkrankung die durch genetische Prädisposition bestimmt wird, zu schützen.





Die Untersuchung der entfernten angesaugten Zecke auf Borrelien sollte für genetisch prädisponierte Personen (z.B. HLA-Typen DR1, DR2 u. DR4) wieder Gegenstand der gesetzlichen Kassen-Leistung werden. Da bei diesen Personen erst eine verspätete spezifische Borrelein-Antikörper-Reaktion einsetzt oder gar ganz ausbleibt, jene aber ca. ein 22fach höheres Risiko aufweisen schwer, teilweise nicht durchgreifend behandelbar, an Borreliose zu erkranken.





Den VCS-Test (Visual Contrast Sensitivity Test / Graustufentest) und ACGal-Tests als beweisenden Test bei der späten Form der (Neuro)-Borreliose zuzulassen und entsprechend vergüten.





Das Einsetzen und Verwenden dieser zus&a